Wir tapezierten die letzten Meter, die vom Mai übrig geblieben waren, zu Ende. Tapezieren ist eine Tätigkeit, die ich wirklich nicht mehr machen will. Nun hat meine Frau den Wunsch geäußert, auch das obere Zimmer im Gästehaus zu tapezieren. Jetzt ,wo wir es so gut können, sagte sie. Ich weiß noch nicht, wie ich diesem liebevoll formulierten Wunsch begegnen soll.
Die Temperatur kühlte am Samstag auf angenehme 22 Grad herunter. Ein paar Mal regnete es. Dieser Sommerregen. Ich spielte mit der Hündin draußen im Regen.
Es kam aber auch wieder die Sonne. Am Samstagabend saßen wir wieder in der Sonne, anstatt im Schatten. Die Westseite des Hauses ist ein wirklich schöner Ort, bei dem man auf einem kleinen Wiesenstreifen zwischen Wald und Häuschen sitzen kann und der sinkenden Sonne hinterherschaut. Das ist die Seite, auf der weiter unten am Waldhang auch meine neue Bank steht. Dort saßen wir auch fast jeden Abend, um ein wenig zu quatschen. Die Hündin mag die Stelle allerdings nicht. Ich vermute, dass es an den Ameisen liegt. Nachdem ich mich wunderte, wie schnell sie wieder zurück zum Haus lief, sah ich, dass im Boden tausende von Ameisen wimmelten. Das war jeden Abend so. Wir saßen auf der frisch lasierten Bank, da ließen uns die Insekten natürlich in Ruhe, aber als Hund kriechen sie dir in die Schnauze und die Ohren.
In der Nacht schlich sich für längere Zeit ein größeres Tier ums Haus herum. Die Hündin regte sich ständig darüber auf. Ich hörte es ein paar Mal leicht poltern und einmal stolperte es über die liegende Regenrinne. Natürlich stand ich auf. Ich hätte es cool gefunden, wenn es ein Elch gewesen wäre. Der hätte fast bei den Fenstern oben in den Schlafzimmern reinschauen können. Nah, vielleicht ist das übertrieben. Jedenfalls sah ich keinen Elch. Vielleicht nur ein Marder oder ein Wildschwein. Luchse sind nicht so tollpatschig. Für Bären ist die Gegend glücklicherweise zu südlich. Auch für den Vielfraß. Der Vielfraß ist ein Scheißtier, wie ich seit Kurzem weiß. Die greifen auch Hunde an.
Heute kam der Förster vorbei. Normalerweise kommt er vorbei, um nach den Bienenstöcken zu schauen, die er bei uns aufgestellt hat. Und er hält immer gerne ein Pläuschchen. Heute kam er aber nur für die Fische. Er hatte gerade einen Hecht aus dem Wasser gezogen. Hechte mag er aber nicht, er mag nur die anderen. Dabei nannte er einen schwedischen Namen, den ich mir zu merken vergaß. Den Hecht warf er wieder zurück ins Wasser. Er erzählte uns von einigen Wölfen, die etwa 50 Kilometer südlich von uns Schafe reißen. Schon seit mehreren Monaten. Und man dürfe sie nicht jagen. Er beneidete die Samen in Lappland. Die hätten unlängst per Gesetz die Erlaubnis bekommen, prinzipiell alles jagen zu dürfen, was sich bewegt. Menschen ausgenommen natürlich.
Ich bin kein Freund von Wölfen. Aber wenn nicht in Schweden, wo dann? In Finnland vielleicht. Und Russland. Bei näherer Betrachtung braucht Schweden keine Wölfe. Die können auch nach Russland.
Am späten Nachmittag kamen dann meine Schwiegereltern und mein Schwager. Wir hatten das Haus aufgeräumt und Essen vorbereitet. Mittlerweile ist die Temperatur noch einmal eingebrochen. Heute hatten wir 13 Grad. Von 31 auf 13 innerhalb von zwei Tagen. Aber: Ich werde jetzt wesentlich erholsamer schlafen. Dafür machten wir ein Feuerchen im Kamin und saßen davor. Die Hündin legte sich vor uns auf den Boden. Man hätte ein Foto machen und es einem Tourismusbüro schicken sollen. Aber die machen solche Fotos heute sicherlich mit KI.


