[Di, 29.9.2026 – Buchungen, Hinterlassenschaft]

Als ich gestern nach Hotels in München suchte, rief ich, wie immer, Googlemaps auf, zoomte auf die Location ein, in der die Lesung stattfinden wird, und klickte auf „Hotels“. Dann wurden mir lauter Preise von 300€ bis 400€ pro Nacht angezeigt. Ich bereute sofort, das Angebot des Sofas einer Freundin nicht angenommen zu haben. Aber dann fiel mir ein: Wir haben Ende September! Es ist natürlich Septemberfest! Dann setzte ich das Datum auf den Lesetermin Ende Oktober. Da waren die Preise wieder normal.

Aus der Themenliste:

„Denkst Du manchmal darüber nach, was Du hinterlassen wirst? Gemeint im Sinne eines Lebenswerkes, einer Spur. Wenn ja, arbeitest Du bewusst daran?„

Ich denke manchmal über so etwas nach, aber nie ernsthaft. Allerdings stellte sich ein seltsames Gefühl bei mir ein, als meine Frau und ich uns bewusst dafür entschieden, keine Kinder zu haben. Dann merkte ich auf einmal, dass ich in meiner Vorstellung über meine eigene Existenz immer unbewusst das Gefühl hatte, irgendwas weitergeben zu wollen, etwas von mir zu hinterlassen, so etwas wie einen Wertekatalog meinetwegen, worauf jemand anders etwas aufbauen kann. Für so etwas eignet sich nichts besser, als eigene Kinder. Als das mit den Kindern wegfiel, war ich überrascht davon, dass es mir doch etwas bedeutete, etwas zu hinterlassen. Von mir. Vielleicht als Kompensation dafür, dass mir das ewige Leben im Himmel immer sehr unwahrscheinlich vorkam und meine gesamte katholische Denke auf dieses ewige Leben eingenordet ist und mir die Vergänglichkeit meiner eigenen Existenz nicht erträglich war. So genau weiß ich das nicht. Ein bisschen Selbstliebe spielt da sicherlich mit.

Andererseits weiß ich auch, dass dieses Weblog mich selbst überdauern wird. Zumindest so lange die Rechnung hier bei Hetzner bezahlt wird. Also sicherlich bis zu einem Jahr nach meinem Tod. Aber vor allem über archive.org und über das Literaturarchiv Marchbach, das mein Blog archiviert. Zumindest taten sie das zwischen 2009 und 2018. Und das kitzelt schon ein bisschen an meiner Eitelkeit. Letztes Jahr im Sommer druckte ich das Blog in Buchform aus und sah, dass sich hier 5600 Buchseiten an Text angehäuft haben. Das wurde mir erst im Verlauf des Projektes bewusst, als so viele PDF’s aus dem Blog herauspurzelten, dass ich sie aufwendig sortieren und bündeln musste. Jetzt habe ich Angst, dass ich mal auf den falschen Knopf drücke und ich das Blog, sowie alle Backups lösche. Oder die Russen werfen eine elektromagnetische Bombe über mein Blögchen ab. Seitdem drucke ich jedes Jahr ein neues Buch aus. Aber weniger, um etwas zu hinterlassen, sondern um das nicht alles zu verlieren.

Super finde ich natürlich auch, dass meine Novelle in der Deutschen Nationalbibliothek und im Südtiroler Landesarchiv aufbewahrt wird. Kulturhistorisch relevant wird das alles leider nicht sein.

Also ja. Wenn ich daran denke, aufbewahrt zu werden, dann kann ich mir auf dem Sterbebett durchaus gute Gefühle vorstellen.

Dennoch arbeite ich nicht bewusst daran, etwas zu hinterlassen. Täte ich das, bekäme ich kein Wort mehr aus mir heraus.

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