[Do, 9.10.2026 – Prepackaged]

Wie immer am letzten Tag vor dem Urlaub stapelt sich plötzlich alles auf dem Schreibtisch. Abends musste ich noch packen, aber heute kam auch noch die Zalando-Bestellung an. Ein 900‑€-Einkauf, weil ich mich auf den Winter freue und ich das Bedürfnis habe, mich mit schönen, warmen Jacken einzudecken. Von den Winterjacken werde ich aber alle zurückschicken. Dafür behalte ich ein seltsames Kunstlederblouson, bei dem ich mir nicht sicher bin, ob ich aussehe, als ginge ich in den Fetischclub (huch, schonwieder) oder ob ich einer Latinogang in einem Gewerbegebiet in South LA angehöre. Außerdem werde ich auch eine Funktionsjacke behalten. Ich hätte nie gedacht, dass ich Funktionsjacken tragen werde. Wann fing das eigentlich an, dass ich Funktionsjacken immerhin in Erwägung zog? Vielleicht fing das mit den Regenjacken an. Dieses schöne Gefühl, im Regen nicht immer nass zu werden. Zumindest in starkem Regen. An Funktionsjacken denke ich vielleicht, seit mir im Stadion mit einem normalen Blouson zu kalt war und mein Vordermann einen sogenannten Windbreaker trug. Das sei sein Geheimnis bei einem kühlen Lüftchen im Olympiastadion, verriet er mir. Natürlich schlaute ich mich danach auf und ich stellte fest, dass viele kühle Momente in meinem Leben mit einem zu kühlen Lüftchen zusammenhingen. Es lag offenbar weniger an der Temperatur, sondern am Windchill-Effekt. Seitdem will ich einen Windbreaker haben. Janun, den habe ich jetzt.

Er (der Windbreaker) sieht gar nicht so aus, wie eine Funktionsjacke, eher wie ein etwas steifer Blouson mit Kapuze. Überhaupt. Blouson, Blouson, Blouson. Seit wann spielen Blousons solch eine wichtige Rolle in meinem Leben. Der Herbst geht bald zur Neige, dann ist die Blousonzeit auch wieder vorbei. Im Herbst gibt es immer diese längeren Blousonperioden. Im Frühjahr gibt es die nicht, im Frühjahr ist es immer zu kalt oder zu warm für Blousons. Ich bin ja ein Dünne-Jäckchen-Typ, wie ich neulich schrieb, ich könnte immer ein dünnes Jäckchen tragen. Ein dünnes Jäckchen und leicht einen sitzen.

In Südtirol hat es heute auch angefangen zu regnen. Meine Schwester warnte mich vor. Südtirolerinnen und ihre Angst vor schlechtem Wetter. Meine Schwester und ich werden viel Zeit miteinander verbringen. Sie hat sich für die paar Tage extra freigenommen. Wir werden zuerst zu meinem Vater fahren, dann dort übernachten. Am nächsten Tag nehmen wir uns die E‑Bikes und fahren mit ihm auf die Alm. Dafür habe ich jetzt ein Funktionsblouson. Am Montag fahren wir in das kleine Dolomitendorf, in dem wir beide aufgewachsen sind. Darauf freue ich mich schon sehr. Ich war schon ewig nicht mehr da. Sicherlich zehn Jahre. Oder mehr. Als erwachsene Menschen waren wir zusammen überhaupt nie mehr da. Das wird ein wilder Ritt down memory lane.

Schreibe einen Kommentar