[Es gibt kaum rationale Gründe, mit der Bahn zu fahren]

Um 9:45 Uhr fuhr mein Zug von Meran nach Berlin.

Apropos Fliegen vs. Bahnfahren. Ich würde wirklich lieber mit der Bahn nach Südtirol fahren. Zum einen entspannen mich Fahrten im Zug. Fernzüge und ich – wir sind in kosmischen Schwingungen eingegroovt. Ich kann dabei gut schreiben oder überhaupt: gut denken. Außerdem geben mir lange Bahnfahrten dieses gute Gefühl, die Umwelt nicht ganz so sehr zu verdrecken. Bisher war es oft so, dass ich eine der beiden Strecken mit dem Flieger absolviert habe und die andere Strecke mit der Bahn. Auch wenn ich, seit ich die Hündin habe, oft mit dem Auto fuhr. Das Auto werde ich aber nur noch ausnahmsweise nehmen. Wenn möglich, lasse ich die Hündin in Berlin. Autofahrten finde ich für die Strecke nach Süden außerordentlich anstrengend.

Abgesehen vom Umweltschutz gibt es aber kaum rationale Gründe, die Strecke mit der Bahn zu fahren. Der Flug kostet etwa 180€, die Bahnfahrt zwischen 160€ und 200€. Das könnte man fast schon als skandalös bezeichnen. Hinzu kommt die Zeit. Mit der Bahn bin ich 11 Stunden unterwegs und verliere eigentlich einen ganzen Tag Lebenszeit. Wenn man in Urlaubstagen rechnet, verliert man einen Urlaubstag. Bei Hin- und Rückreise verliert man eben ganze zwei Tage. Besucht man zweimal im Jahr die Eltern, sind das 4 Urlaubstage. Mit dem Flieger hat man nicht das Gefühl, Urlaubstage zu verbrennen, sondern eher Stunden, weil man immer noch einen halben Tag übrig hat und ich das gedanklich nicht als verschwendeten Reisetag wegstecke.

Dabei könnten Züge die Strecke wesentlich schneller überbrücken. Zwischen München und Berlin wurden ja einmal 4 Stunden angedacht. Dass die spanische Bahn die selbe Entfernung (Madrid -> Barcelona) in 2,5h schafft, erwähne ich jetzt nur in einem Nebensatz. Die DB-Fahrt dauert aber schon seit Jahren, auch mit den Sprintern, keine 4, sondern 4,5 bis 5 Stunden. Immerhin besser als die 6,5 Stunden, die es noch vor zehn Jahren dauerte. Aber auch nur geringfügig besser. Zudem kommt es auf der Strecke eigentlich immer zu Verspätungen. Mindestens 20 Minuten.

Hinzu kommt die Gurkenverbindung über den Brenner, bei der sich die Reisezeit vielleicht ja durch den Brennerbasistunnel im Jahr 2599 um voraussichtliche 60 bis 75 Minuten verkürzt. Also nicht mehr vier Stunden, sondern knappe drei.

Mit Umsteigezeit in München dauert die Fahrt momentan etwa 10 bis 11 Stunden. Die spanische Bahn bräuchte für diese gesamte Strecke etwa 4. Okay, da ist kein Brennerpass dazwischen und auch keine größeren Städte und man muss auch nicht umsteigen. Den Vergleich möchte ich aber dennoch ziehen. Würde die Fahrt auch nur 5 Stunden dauern, würde ich sicherlich nicht den Flieger nehmen. Man verbringt ja schon am Flughafen 2 Stunden mit Warten. Mit An- und Abfahrt kommt man da auch auf fünf. Aber 11 Stunden in der Bahn sitzen, ist halt ein ganzer, anstrengender Tag.

Heute verspätete sich dann der Zug aus Verona und ich verpasste den Anschluss in München, dann löst sich die Sitzplatzreservierung im Datennirvana auf, ich musste länger auf den nächsten ICE warten, der dann natürlich überfüllt ist, und meine Sitzplatzreservierung ist natürlich nicht wiederzubeleben.

Die Bahnchefin ist Südtirolerin. Es würde mich interessieren, wie ihre kosmische Verbindung mit Fernzügen aussieht.

3 Kommentare zu „[Es gibt kaum rationale Gründe, mit der Bahn zu fahren]“

  1. Im grossen und ganzen fahre ich auch sehr gerne Fernbahn. Ab 10 Stunden ist es mir dann auch zu viel. 4-5 Stunden empfinde ich sehr angenehm und komme entspannter als mit dem Auto an.

    Etwas was ich die letzten Jahre bei sehr langen Strecken versucht habe ist der Nachtzug/Schafzeug.

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  2. Klimaschutz ist ein hehres Ziel, wofür man so ein bisschen Komfortverlust schon in Kauf nehmen sollte, meine ich.
    Ich finde 11 Stunden Zugfahrt für die lange Strecke jetzt auch nicht so unangemessen. Der Vergleich mit Frankreich oder Spanien hinkt nämlich. In Frankreich sind nur die wirklich großen Städte über den TGV schnell angeschlossen. Da fallen Städte von der Größe wie Meran mit seinen 40000 Einwohnern üblicherweise nicht drunter. Und die kleineren Städte sind in Frankreich im Regionalverkehr oft richtig schlecht angebunden. Da kann man von einem ein- bis halbstündigen Takt wie in Deutschland bis ins letzte Provinzkaff nur träumen. Im Regionalverkehr in Frankreich fährt vielleicht viermal am Tag ein Zug. Und die Eisenbahndichte ist insgesamt auch niedriger als in Deutschland. Dann reist man zwar schnell mit dem TGV nach Bordeaux oder Rennes, versackt dann aber auf dem Weg in die Bretagne. In Deutschland ist man in der Breite mit dem Zug schneller unterwegs als in Frankreich. In Spanien kenne ich mich nicht so aus, könnte mir aber vorstellen, dass es ähnlich ist.

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