[31.10.]

Gestern mit K in den Hackeschen Höfen Hanekes Weißes Band geschaut. So lala gefunden. Also schon gut, diese beklemmende Stimmung war sehr mitreißend, auch die Bilder waren schön, die Gesichter, und das was man Charakteraufnahmen nennt, durchaus ein sehenswerter Film. Doch verließen wir das Kino mit einer gewissen Gleichgültigkeit, nichts war besonders gut, nichts wollte haften bleiben, nichts woran man sich stieß, woran man sich erfreute, worin man die Zähne hätte setzen wollen. Es blieb das Gefühl vorherrschend, Zeit verschwendet zu haben. Aber das ist sicherlich subjektiv.

Als wir das Kino verließen las ich von vier Anrufen in Abwesenheit auf meinem Handy. Sowas mag ich nicht, ich sehe dann sterbende Menschen vor mir, wie sie blutend am Straßenrand liegen und in den letzten Atemzügen versuchen mich zu erreichen. Die Nummer war unterdrückt, aber der Anrufer hatte in seinen letzten Atemzügen auf mein Band gesprochen.

Es war meine Schwester. Meine Schwester sollte erst am heutigen Samstag in Berlin ankommen, aber meiner Schwester Stimme auf dem Band, sagte, sie sei jetzt _da_, sie säße in der Brunnenstraße in einem Cafe und würde Ingwertee trinken, und ich kenne meiner Schwester Lebensraum zwar nicht in Detail, aber zur Genüge, um zu wissen: wenn sie von der Brunnenstraße redet, und dabei das _dasein_ betone, sie auch die Brunnenstraße in Berlin meinte, woraufhin wir in die u8 stiegen und ins Akikaurismäki gingen, dieses Cafe das eigentlich ganz anders heißt, wir aber immer so nennen, weil wir uns den richtigen Namen, etwas Finnisches, nie merken können, aber Aki Kaurismäki ohnehin das beste ist, das Finnland je hervorgebracht hat, ausser den finnischen Clubs natürlich, weil die ja ohnehin immer das Beste sind, und wir das jedenfalls immer als legitime und versnobte Bezeichnung verwenden, weil Akikaurismäki ja cool genug ist um hineinzugehen.
Meine Schwester saß sort jedenfalls beim Ingerwetee und alles war irgendwie supergut.


Samstag. Der Samstag begann etwas mühsam. Um die Ankunft meiner Schwester zu feiern hatte ich am Vorabend ein paar Whiskys zu viel getrunken. Zuviel zuviel zuviel. Das war es gar nicht. Doch habe ich Rufbereitschaft in dieser Woche und das Rufbereitschaftstelefon hatte mich die halbe Nacht lang wach gehalten, und das ist dann zuviel wenn man ein paar Whiskys zuviel hat.
Den Rest des Tages haben wir verspaziert. Schwester, K und ich. Durch die Stadt gelaufen, Architektur besichtigt und am Alexanderplatz Zutaten für die Kürbissuppe gekauft, weil heute, tataaa!, Halloween!, und der Wunsch mitzumachen ist dann doch ein großer Wunsch, synchron mit dem Rest irgendwelcher Hemispheren im Nordatlantik, sowas wie Kultur pflegen. Sowas wie Teil einer Sippe zu sein und zu wissen, alles ist gut.
Während dem Kochen rief C an, er sei in der Gegend, ob jemand noch Gesellschaft wolle.
Gesellschaft war gut.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *