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In Wien haben wir Kinder besichtigt. Alle alten Freunde, alle alten Bekannten, haben jetzt kleine Kinder bekommen. Sie strahlen bei Ks Anblick. Mit ihrem langen blonden Haar sieht K aus wie ein Engel. Wenn ich hinter ihr zum Vorschein komme, mit meinem schwarzen Haar und haarigem Gesicht, fangen die Kinder an zu weinen. Sie schauen K an, sie strahlen, sie sehen mich an, sie fangen an zu schreien. Ein sich wiederholendes Spiel. Wir könnten es ewig spielen. Ich fühle mich sehr ungeliebt.

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Und überhaupt. Ich fand mich in Wien total hässlich. Beim Schaufensterschauen in der Mariahilferstraße standen mir hinten immer die Haare lockig nach außen. Ich bat K um Nachsicht, und so suchten wir den erstbesten Frisurladen in einer Kaufhauspassage auf. Der Laden schien OK zu sein, bei Friseuren ist es ja immer wichtig, zwischen OK und nicht so OK zu unterscheiden, er war also OK, deshalb ging ich rein, fragte, ob ich mir ohne Termin die Haar schneiden lassen kann. Die Dame sagte, es ginge, und so saß ich kurz danach in einem schwarzen Ledersessel und ließ mir die Haare machen.
Bei den Kindern hat es nicht geholfen.

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Schnee.
Mit dem Zug durch das Voralpenland, Linz, Salzburg. Dann kommt der Schnee. Erst Flaum. Im Inntal ist dann alles weiß. Vor mir sitzt ein Mann, er ist möglicherweise Inder oder aus Pakistan, oder die Ecke. Er kriegt sich gar nicht mehr ein. Fotografiert mit offenem Mund den Speicher seines Telefons voll. Er schießt eine halbe Stunde lang Fotos vom Schnee. Irgendwann läuft es ihm über. Er schließt die Augen und schläft ein. Am Brenner geraten wir in einen Schneesturm. Kurz vor Brennersee muss der Zug halten, um uns herum, weissgrau, wirbelnde Muster. Die Gleise der Gegenrichtung sieht man nicht mehr.
Ich hatte ein paar Tage vorher überlegt, ob eine dünne Jacke vielleicht reichen würde.

Dann: ah natürlich. Südlich des Brenners, in meiner Heimat, da lacht, wie immer, die Sonne für mich. Schon in Sterzing ist der Schnee gewichen, Meko is coming home.

2 Comments

  1. Jessa twitterteheute über Wien. “Geert Mak on Vienna: ‘Every snowdrift is made to toe the line. It is almost impossible to imagine that people still make love here.'”

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