[…]

# In der u8 sitzt ein junger Mann Mitte dreißig und liest ein Buch auf seinem eReader. Ich habe das noch nie live gesehen und fühle mich entsprechend in die Wirklichkeit geholt. Am Bahnhof Weinmeisterstraße steigt eine junge Frau hinzu, sie hält einen eReader locker in der Hand, und setzt sich dem jungen Mann gegenüber. Sie bemerken einander nicht sofort, schließlich ist es aber soweit. Sie sehen sich an, und lächeln mit einer wissenden Geste.
Ich lese Kafka auf meinem Handy. Ich fühle mich ausgeschlossen. Aber vielleicht bin ich auch nur neidisch auf das Lächeln, das er bekommen hat.

# Ich habe meinen alten Fernseher verschenkt. Über eine Kleinanzeige im Netz. Es haben sich dutzende Menschen gemeldet. Es gab Menschen, die boten mir daraufhin ihren Fernseher an, es gab solche, die fragte, wie viele Fernseher ich im Angebot hätte, es gab solche, die schrieben mir in fürchterlich fehlerhaftem Deutsch, es gab solche, die meinten, preislich würden wir uns sicherlich einig werden, usw.
Ich habe ihn dem ersten geschenkt, der sich gemeldet hat.

3 Comments

  1. Oh. Danke für den Wirklichkeitshinweis. Ich schaue morgens an der U1 immer voller Häme auf ein (in meinen unwissenden Augen) selten dämlichen Reklameplakat, auf dem eine junge Dame ganz verzückt vernebelt die Hände faltet, so als bekäme sie gerade einen Verlobungsring zu Weihnachten gereicht. Es handelt sich aber um einen eReader. Ich hielt das bislang für schwer in einer weltfremden Agentur ausgedacht. Offenbar freuen sich aber wirklich Menschen über so was.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *