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Ich stieg am Kottbusser Tor in die Gänge des U-Bahnhofs hinab, da begegnete ich einer jungen Frau, die sich mit zwei großen Taschen und einen riesigen Koffer die Treppe hinunter mühte. Ich bot ihr meine Hilfe an, sie bedankte sich. So trug ich ihr den Koffer zu den Gleisen hinunter, während sie die großen Taschen schleppte. Unten sagten wir Tschüß und sie kaufte sich eine Fahrkarte. Danach kam die Ubahn, ich stieg in die Bahn in Richtung Wedding ein. Ich sah sie noch drei oder vier Wagen weiter vorne einsteigen. Dann las ich das Berliner Fenster, die Eisbären hätten in Nürnberg verloren, im Axel-Springer Haus hätte es einen Bombenfund gegeben, usw.
Als ich Bernauer Straße ausstieg, sah ich die junge Frau mit dem Koffer wieder, sie stieg drei oder vier Wagen weiter vorne aus der Bahn aus. Ich wollte eigentlich zum Treppenaufgang und nachhause gehen, stattdessen blieb ich stehen und wartete auf sie. Ich sagte, da sei ich wieder, ich könnte ihr wieder mit dem Koffer helfen. Sie lachte, bedankte sich und sagte, aber hier gibt es ja den Aufzug. Ich sagte: das stimmt. Dann vertschüßten wir uns wieder. Im Abschied warf sie mir die Frage hinterher: bist du Musiker? Ich dachte kurz nach uns sagte: nein. Wir blieben einen Moment lang stillstehen und als der Moment vorbei war, ging sie zum Aufzug und ich zur Treppe.

Kommentare (7) zu “[...]”

  1. Vielleicht war es die Art, wie Sie den Koffer getragen haben.

  2. Ich habe den Koffer wie eine liebliche Querflöte getragen.

  3. Ich hatte eher die Haltung beim Tragen eines Gitarrenverstärkers vor Augen. Dieses bandscheibenmäßige Tragen.

  4. Bist ein guter Mensch.

  5. Jetzt komm mir bitte nicht mit sowas. :)

  6. Zwei verschiedene Taxifahrer zu verschiedenen Zeiten fragte mich einmal in den neunziger Jahren, resp. behaupteten beim bezahlen: “Sie sind doch sicher Arzt oder Jurist?!”
    .
    (Ich hatte kein Stetopskop bei mir, trage keine Fliege oder Akten mit mir rum, und die Fahrt ging weder zum Gericht noch zum Krankenhaus…)
    .
    Ich glaube, das hat nix zu bedeuten.

  7. Ich vergaß:
    ich bin weder Jurist noch Arzt, ich habe beruflich seit Jahrzehnetn mit Musik zu tun und war auf dem Weg zu einem nicht unbekannten Musiker in Schöneberg.