[So, 8.3.2026 – Frühstückskonzert, Longnightbyen]

Aus irgendeinem komplizierten Grund, waren im Büro meiner Frau Tickets für eine Matinee der Berliner Philharmoniker übrig geblieben, und so gingen wir heute ins Palais Populaire Unter den Linden und lauschten einem Trio aus dem berühmten Orchester. Es waren zwei Frauen und ein Mann, sie spielten Violine, Fagott und Klarinette. Eine unübliche Kombination. Und sie führten Kompositionen von Frauen aus den verschiedenen Epochen auf, was insofern interessant ist, alsdass Kompositionen von Frauen erst seit wenigen Jahrzehnten überhaupt eine Bühne bekommen und über die Jahrhunderte hinweg systematisch ausgebremst wurden. Das Thema war sicherlich wegen des Frauentages so gewählt worden. Auch wenn das in der Moderation nur nebensächlich zur Sprache kam.

Das Repertoire begann mit einem Stück von Hildegard von Bingen aus dem Jahr kurz nach 1000, danach gab es eine große, fast 700 Jahre dauernde Lücke bis in den Frühbarock, in der bei Frauen musikalisch offenbar wenig passierte. Ich hätte fragen sollen, woher diese Lücke kommt. Nach dem Konzert gab es nämlich eine Fragerunde mit den Musikerinnen. Stattdessen stellte ich eine andere Frage. Ich wollte nämlich wissen, für welche Instrumente das Stück aus dem Jahr 1000 eigentlich geschrieben war, denn weder Fagott, noch Klarinette dürften zu jener Zeit erfunden gewesen sein, und auch die Violine gab es sicherlich noch nicht in jener Form.

Ja, ich bin einer dieser Menschen, die aus dem Publikum heraus Fragen stellen. Sehr zum Leidwesen meiner Frau. Ich habe halt immer tausend Fragen, ich bemühe mich aber wirklich, keinen Blödsinn zu fragen. Und ich bleibe grundsätzlich immer freundlich und wertschätzend.

Die ganze Veranstaltung gehört zu einer Musikreihe. Sie nennt sich „Werkstatt.Dialog.Musik“ und wird als Konzertfrühstück angepriesen. Im Ticket ist nämlich ein französisches Frühstück inbegriffen. Dabei sollte man aber wissen, dass man nur ein Croissant und einen Kaffee ohne Milch bekommt. Wenn man Milch im Kaffee haben will, muss man dafür bezahlen.

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Am Nachmittag aß ich von dem Guinness-Brot. Ich belegte es mit Frischkäse und viel rohem Knoblauch. Danach sagte meine Frau, ich würde wie eine Salami stinken. Ich weiß aber, dass sie Salami liebt. Wir haben das nicht weiter ausdiskutiert, aber ich nahm es als Zeichen der Zuneigung auf.

Die Hündin mied mich hingegen. Wenn ich normalerweise auf die Knie gehe und die Arme ausbreite, dann kommt sie immer zu mir und drückt ihren Kopf an meine Brust oder meinen Schoß. Heute näherte sie sich nur bis auf einen halben Meter. Danach drehte sie sich angewidert um.

Apropos Knoblauch. In Longyearbyen ging heute das erste Mal wieder die Sonne auf. Das heißt, es gibt zwar schon seit Wochen wieder Tageslicht, aber am 8. März schlägt die Sonne zum ersten Mal wieder auf dem Dorfplatz auf. Zumindest wenn es nicht bewölkt ist. Ich habe heute aber vergessen, die Webcam zu konsultieren. Und in sechs Wochen geht die Sonne schon nicht mehr unter.

Wegen der langen Polarnacht hatte ich einmal überlegt, eine Vampirgeschichte in Longyearbyen anzulegen. Daher die Überleitung mit dem Knoblauch. Für Vampire muss das aber eine freakige Gegend sein. Zuerst bist du vier Monate lang von der Sonne befreit und theoretisch unbesorgt, allerdings ist es während der Polarnacht wiederum so kalt, dass du als Kaltblütler erfrierst. Obwohl ich zugegebenermaßen nicht weiß, ob Vampire über Eigenwärme verfügen, oder nicht. Aber dann hast du 4 Monate lang Tageslicht, wo du als Vampir ständig hinter Verdunkelungsrollos leben musst. Wobei auch hier die Angaben uneindeutig sind, wie immer bei Geschichten über Vampire. Bei Twilight (ja, habe ich gesehen) können sie bei bewölktem Himmel ja durchaus auch tagsüber auf die Straße. Nur direkte Sonnenstrahlen sind tödlich, bzw. nicht einmal das, es scheint nur unangenehm zu sein. Das Wetter in Longyearbyen ist sehr wechselhaft und über dem Eisfjord liegt sehr oft Nebel. Vermutlich kann man sich da schon etwas ausdenken, wenn man die Vampire mit Eigenwärme und wenig Lichtempfindlichkeit ausstattet.

5 Gedanken zu „[So, 8.3.2026 – Frühstückskonzert, Longnightbyen]“

  1. so einen Horrorfilm gibt es glaube ich schon. heißt 20 days of night oder so. habe ich aber nicht gesehen oder nur einen Teil oder naja, glaube das Konzept war das beste daran

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      • 30 days of night spielt in Alaska in einem Städtchen namens Barrow. Die Idee ist nicht schlecht, aber der Film zieht sich wie Kaugummi und ist teilweise etwas unlogisch.
        Aber Pluspunkte für die Location, von der man gerne mehr sehen dürfte.

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  2. …und wie lautete nun die antwort auf deine frage, für welche instrumente das stück aus dem jahre 1000 geschrieben wurde 😉
    hab´s fein heute!

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    • Es ist nicht ganz klar. Vermutlich, wie so vieles damals, war eher für Vokalisten gedacht. Oder für Vorläufer der heutigen Instrumente, wie die Fiedel, die Schalmei, Laute, etc. Es ist offenbar üblich diese Kompositionen auf moderne Instrumente zu übertragen, dabei gibt es keine Vorgaben, welche es zu verwenden gilt.

      Die Antwort fand ich unbefriedigend. Aber so ist dad manchmal eben

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