[Tagebuchbloggen. Samstag, 20.2.2021]

Am Morgen lese ich wieder aus dem Shettland Krimi vor. Nach dreissig Minuten werde ich müde, lese etwas konfus, verspreche mich. Einmal sage ich “Mutter” statt “Tochter”. K versteht den Satz deswegen nicht und bittet mich, ihn zu wiederholen. Daraufhin lese ich wieder Mutter und nicht Tochter. Erst beim Dritten Mal erkenne ich den Fehler.
Dann fallen mir die Augen zu und ich schlafe noch eine Stunde. Dieses vormittägliche Schlafen am Samstag.

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Wir haben wieder Legionellen in unserem Wassersystem 🙁
Schon bevor wir in diesem Haus wohnten, gab es regelmäßig erhöhte Legionellenwerte. Diese wurden immer wieder durch eine spezialisierte Firma unter den Schwellwert gebracht, aber nach wenigen Jahren erhöhten sich die Werte wieder. Vermutlich liegt irgendwo im Haus eine verwaiste Leitung, in der es keinen Durchfluss gibt und wo die Bakterien fröhlich ihre Kolonien bilden. So nennt man das bei Legionellen: Kolonien. Und Werte misst man in KBE’s, also Kolonien bildende Einheiten. Der Grenzwert liegt bei 100 KBE. Unser Wert liegt bei 17400.

Es hängt wieder ein “Merkblatt zur Legionellensituation in diesem Haus” aus. Wir dachten, jaja, wieder ein Legionellen-Merkblatt. Diesmal hängen aber 3 große A4-Blätter und an mehreren Stellen im Haus verteilt und viele Sätze sind in Großbuchstaben beziehungsweise unterstrichen. Es sieht ernst aus. Am einprägendesten ist dabei wohl der rote Satz, dass das Gesundheitsamt hiermit ein Duschverbot ausgeprochen hat. Ein amtliches Duschverbot. Amtliches Duschverbot, amtliches Duschverbot. Das klingt wie in Stein gemeisselt. Aber auch als wäre es ein Verbot des Ministeriums of Silly Walks.

Das ist natürlich großer Scheiss. Vermutlich leben wir schon seit Wochen mit einer erhöhten Konzentration von Legionellen in der Luft. Worauf ich während einer Pandemie von Lungenviren nämlich am wenigsten Lust habe, sind aggressive Bakterien in der Lunge.

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Wir machen einen Spaziergang an der Karl-Marx-Allee. Es ist sehr schön draussen. Frühlingshaft, bei 13 Grad. Die Sonne scheint zart. Die Karl-Marx-Allee ist überhaupt eine der unterschätztesten Straßen der Stadt. Ich finde gerade die Nordseite mit diesen breiten Wiesen und überbreiten Gehwegen bestens für entspanntes Stadtleben geeignet. Echte Berliner meiden die Straße ja total, wegen des Verkehrs vermutlich, aber es gibt für mich einen Unterschied zwischen Verkehr und Urbanität. Die KMA hat mehr Urbanität als Verkehr. Aber gerade die internationalen Neuberliner haben die Allee adoptiert. Das sind die Leute, die in die Plattenbauten dahinter ziehen, die Altbauten sind ja alle bereits belegt. Am Platz der vereinten Nationen eine Schlange für einen Besichtigungstermin. All diese jungen hippen Leute, die in die Platte ziehen, oder nach Lichtenberg oder Spandau. Es war natürlich nur eine Frage der Zeit.

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Schon seit Wochen denken wir darüber nach, einen Lars von Trier Film zu schauen. Wir haben fast alle Lars von Trier Filme gesehen, nur die letzten beiden Filme und Manderlay nicht.
Was uns in den letzten Jahren davon abhielt ist, dass seine Filme immer so viele und so harte Emotionen heraufbeschwören. Ich habe es immer geliebt, wie seine Filme mich aufgewühlt haben. Auffallend auch, wie ich nach seinen Filmen träume, total wild und intensiv. Sie lösen etwas in mir aus. Etwas, das nicht unbedingt gut ist, aber etwas, das sehr erspürbar ist. Als ich “Antichrist” geschaut habe, saß ich auf dem Sofa, aber ich hatte mich ordentlich angezogen, also Hemd und Jackett. Als Schutzschild. Damit ich dem Ganzen nicht zu sehr als Privatperson ausgesetzt bin, sonder es etwas gefilterter auf mich einwirken lassen kann.

Wir sahen wieder die Trailers zu “The House that Jack built” und “Nymphomaniac”. Eigentlich hatten wir total Lust darauf. Aber die Aussicht darauf, den Rest des Abends aufgewühlt zu sein und danach wild zu träumen, darauf kann ich mich momentan nicht vorbereiten.

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