[Tagebuchbloggen. Montag, 5.4.2021]

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Am Morgen rief mich meine Schwester über Video an. Sie, ihre Kinder und die andere Schwester waren gerade bei unserer Mutter zum Osterbrunch.
Es war viel los, sie probierten Liköre, die meine Mutter angesetzt hatten und aßen Kuchen. Dann stellte man mich auf den Tisch, als wäre ich der siebte Gast am Tisch. Man musste mich manchmal drehen, wenn ich zur Nichte, die an meiner Rechten saß, etwas sagte. Schwierig war es nur, als sie alle gleichzeitig etwas fragten, dann wurde das Telefon hinundher gerissen. Da wurde mir etwas schwindlig. Es war sehr unterhaltsam.

Als ich auflegte, fiel mir auf, dass ich ja öfter mal meinen Vater anrufen wollte. Also tat ich das. Er befand sich gerade im Bus auf dem Weg zurück ins Dorf. Er war von meiner Schwester versetzt worden und hatte Geschenke für die Kinder dabei. Er war sehr gekränkt und sauer gleichzeitig. Ich sagte zu ihm, dass das sicherlich ein Missverständnis gewesen sein muss, zum einen, weil ich mir sicher war, dass sich keine böse Absicht dahinter versteckte, meine Schwester war schließlich nicht so und zum anderen konnte ich natürlich kaum sagen, dass sie gerade alle bei Mutter saßen und Spass hatten.
Wir plauderten ein wenig. Er war der einzige Passagier im Bus. Der Bus fährt dort etwa 20 Minuten durch eine Schlucht hinauf. Die Verbindung brach natürlich ständig ab. Das war vor vielen Jahren schon so und das ist immer noch so. Dieser Satz: ich bin im Eggental, die Verbindung wird gleich abbrechen. Drei oder vier mal.

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Ich verbringe mehrere Stunden in der Küche. Meine Frau ist gerade indisponiert. Ich backe Brot, bereite einen Salat für später zu, mache Ofenpaprika, koche eine Haferschleimsuppe mit Gemüse und räume auf.
Perfekt gegen Nackenschmerzen.

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Später am Nachmittag wird ein Interview unseres Torwarttrainers publiziert. Der Torwarttrainer ist Ungar und hat der großen, Orban-nahen Zeitung ein Interview gegeben. Ich meine nicht unseren Cheftrainer Pal, der auch Ungar ist, sondern den Torwarttrainer.
Er schwafelt viel über die Nation und sagt wörtlich “wir, als Vertreter der nationalen Seite” und, dass Europa bei der Einwanderungspolitik moralisch tief abgesunken ist und er äußert Kritik über den ungarischen Nationaltorhüter, der die Fidesz Regierung wegen ihrer queerfendlichen Politik kritisiert. Es ist alles legal und nicht direkt diskriminierend, was er äußert. Seine Worte sind klug gewählt. Dass er ein großer Unterstützer der Orban-Politik ist, wird aber ganz offensichtlich, wobei er sich da auch rausreden könnte, wenn es drauf ankäme.

In allen Faninitiativen, Gruppen und meinem Twitterstream brennt es. Ich verfasse eine Mail an das Präsidium von Hertha BSC. Dass diese Aussagen nicht mit den Werten des Clubs vereinbar sind. Ich erhalte sofort eine Antwort aus dem Präsidium, dass man schon an dem Thema dran sei und man es sehr wichtig nehme. Es ist Ostermontag. Die Geschwindigkeit der Antwort beeindruckt mich. Eine offizielle Stellungnahme dazu soll es morgen geben.

Das Thema beschäftigt mich bis in die späten Abendstunden.

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