[Dienstag, 14.9.2021 – Nachbarin und das Impfen]

Als ich am Abend nach Hause komme, treffe ich die Nachbarin im Hof. Sie gilt im Haus als schwierige Katzenlady, sie ist mit mehreren Leuten im Haus zerstritten. Wir beide haben ein okayes Verhältnis. Vermutlich, weil wir bisher keine kontroversen Themen hatten und innerhalb des Hauses ziemlich weit voneinander entfernt leben. Sie hat ständig und zu allem eine starke Meinung. Ich merke das Potential in einen Streit verwickelt zu werden. Aber ich werde den Teufel tun und mit einer Person, die mir wenig bedeutet, die ich aber regelmäßig treffe, in einen Streit zu geraten.

Dachte ich. Sie muss nur an die richtigen Trigger geraten.

Wir plaudern etwas locker über Corona, dass der Lockdown eigentlich gar nicht so schlimm war, dass sie sogar einen neuen Job gefunden habe, sie wollte sich ursprünglich auch impfen lassen, hat es sich dann aber kurz vor dem Impftermin anders überlegt, weil man ja nicht wisse, was da alles drin sei und das sei ja schon ein bisschen ein Feldversuch mit dem Volk und nein, das wolle sie eigentlich nicht, was ja auch okay sei, jede kann sich impfen lassen, das sei jeder selbst überlassen, aber sie habe neuerdings schon das Gefühl dazu gedrängt zu werden, von allen Seiten, das fände sie nicht fair und das liesse sie sich nicht gefallen.
Ich sage, ja aber je mehr Menschen sich impfen liessen, desto eher sei die Pandemie vorbei bzw desto eher könne man Mutanten verhindern, die auch mich als Geimpften wieder gefährden würde und dass das Spiel dann ja wiede von vorne beginne, etc.
Sie sagte, das sei doch alles gar nicht bewiesen-

Und so bekamen wir innerhalb einer Minute Puls.

Ich hatte nicht die psychologischen Werkzeuge um aus diesem Ärgernis rauszukommen. Als sie über die vom Kapitalismus und Pharmafirmen gesteuerten Wissenschaft sprach stand ich kurz vor einer Beschimpfung. Auch sie wurde aggressiver, ich hatte aber auch das Gefühl, dass sie sich mit dem neuen Tonfall nicht wohl fühlte. Sie hatte vermutlich auch keine Werkzeuge, aus dieser Kiste zu entfliehen. Sie sagte etwas über ihre Ärztin, dass sie sich lange mit der unterhalten habe, dann unterbrach ich sie: bei welcher Ärztin bist du? Auch bei Frau Soundso bei uns um die Ecke?
Sie sagte: Ja. Und ich sagte: Jaaa. Ich auch.
Und dann begannen wir über unsere Hausärztin zu schwärmen. Als wäre vorher nichts gewesen.

Ich muss sie ja nicht missionieren.

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Ich war wieder so müde, dass ich nicht zum Packen kam. Morgen ist der letzte Abend an dem ich die Reise vorbereiten kann.

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