personalabteilung
Den treueren Lesern dieser Seite ist mein beruflicher Frust und mein staendiger Kampf um eine Anstellung bekannt. Ich bin ein freigevoegelter Zeitarbeitler und mein karger Lohn geht erstmal durch einen Spamfilter bei einer Fremdfirma, welche die grossartige Leistung vollbracht hat, mich zu bemitteln, und jetzt noch weiterhin meine Urlaubstage, Krankmeldungen und Stundenzettel verwaltet. Nach dem Spamfilter fliessen noch die paar gereinigten Geldscheine heraus, wie das schlanke Gemuese bei Bonduelle, in mein Bankkonto hinein. Ich soll ja nur das feinste bekommen.
Jetzt ist es soweit. Nach einem halben Jahr Versprechungen der Firma, musste ich mit Kuendigung drohen, damit der Vertrag zustande kommt. Deshalb rief mich letztens eine unfreundliche Dame der Personalabteilung an:
p: ich braeuchte noch Ihre Schulzeugnisse und Ihre Arbeitszeugnisse.
m: oh, tut mir Leid, die habe ich nicht. Ich habe noch nie in Deutschland gearbeitet. In anderen Laendern sind Arbeitszeugnisse nicht ueblich. Ich habe Referenzen angegeben.
p: was reden Sie da fuer einen Unsinn. Ich habe auch im Ausland gearbeitet, und habe sehr wohl Zeugnisse bekommen.
m: also es tut mir wirklich Leid, jedenfalls gibt es sowas nicht in dern Laendern wo ich gearbeitet habe. Wo haben Sie denn gearbeitet?
(es kommt keine Antwort)
p: Also ich kann Ihren Vertrag nicht zustande kommen lassen wenn Sie mir keine Zeugnisse vorlegen koennen.
m: Also ich bitte Sie, ich arbeite schon seit einem Jahr in dieser Firma, was sollen da Zeugnisse noch bewirken?
p: Sie sollten einfach froh sein, dass Sie ueberhaupt eine Anstellung angeboten bekommen haben. Die Firma stellt nicht mehr viele neue Leute ein.
m: Ich bitte Sie, ich bekomme den Vertrag weil ich sonst kuendige.
p: Wie sieht es mit Schulzeugnissen aus?
m: Wenn Sie meinen Lebenslauf durchnehmen, dann werden Sie sehen, dass ich mit 16 das letzte Mal auf der Schule gewesen bin. Das war Pflichtschule, ich glaube kaum, dass das relevant sein sollte.
p: Ohne Schulzeugnisse kann ich nichts fuer Sie tun.
m: Ach jetzt reiten Sie aber auf Burokratie herum. Ich habe in den letzten 15 Jahren noch nie irgendwo meine Schulzeugnisse vorlegen muessen. Das dauert mehrere Wochen bis ich die habe. Die muss ich aus Italien beantragen.
p: Ohne Zeugnisse keinen Vertrag.
m: Also ich werde das mal mit meinem Vorgesetzten besprechen.
p: Sie koennen sich auch gerne an meinen Vorgesetzten wenden (gemeines lachen)
m: Nein, ich klaere das ganz diplomatisch.
p: Wer ist denn Ihr Vorgesetzter?
m: Herr X
p: Nein, Herr X ist ihr Teamleiter, Sie muessen sich an den Herrn Y wenden.
m: Herr Y ist der Vorgesetzte meines Vorgesetzten, kommen sie, sie wollen das doch nicht auf Bereichsleiterebene hochspielen lassen.
p: Herr Y ist Ihr Vorgesetzter.
(Ich lege auf)
Mein Vorgesetzter war an dem Tag nicht da, deshalb schrieb ich der Sekretaerin meines Bereichsleiters, eine aeltere Dame, die mir sehr zu Herzen gewachsen ist, und schildere ihr die Situation, mit der Frage, was ich nun am Besten tun koennen. Diese wiederum leitet die Mail samt Rechtschreibfehler weiter an den Bereichsleiter, der scheinbar sofort flucht und den Satz “Ach die sollen sich nicht so anstellen!” ausruft und ein klaerendes Gespraech mit dem Vorgesetzten des Vorgesetzten der Personaldame beantragt.
Irgendwie witzig. Vielleicht hat sie es auch verdient, wer weiss. Jedoch habe ich auch vernommen, dass sie einen riesigen Stress hat und voellig ueberfordert ist, mit Bergen von Arbeit, die sie alle selbst erledigen muss. Wer weiss, vielleicht habe ich alles nur noch schlimmer gemacht.
Deshalb schrieb ich ihr ein paar Tage spaeter eine freundliche Mail, uebersaet mit smileys, mit der Bitte, mir mitzuteilen ab wann ich mit dem Vertrag rechnen kann, damit ich mich darauf einstellen kann, es ginge ja um finanzielle Sachen.
Darauf kam ein Einzeiler:
“Ich werde Herrn Y mitteilen sobald Sie Ihren Vertrag abholen koennen.”
Sie macht es mir nicht leicht. Und sichselbst auch nicht.

mai schrieb:
muss ich froh sein nirgends in anstellung zu sein?
| 9. March 2005 — 09:11 | Permalink |
mequito schrieb:
Wenn das heisst, dass Sie dadurch nicht mit boesartigen Buerokraten in Beruehrung kommen werden, dann ja. Aber dem ist wohl nicht so, befuerchte ich.
| 9. March 2005 — 10:05 | Permalink |
fabe schrieb:
die hat’s nicht besser verdient.
| 9. March 2005 — 13:16 | Permalink |
kid37 schrieb:
Überall dieselbe Leier. Am liebsten würden die nur noch sich selbst verwalten.
| 9. March 2005 — 14:19 | Permalink |
blue sky schrieb:
Das heißt inzwischen “Qualitätsmanagement”.
| 11. March 2005 — 23:08 | Permalink |
L9 schrieb:
Das heißt Machtkampf zwischen zentralisierten Personalern, die denken, sie sind verantwortlich für Personalpolitik, und den Operativen, die im Endeffekt die Personalpolitik machen. Einfach raushalten.
| 12. March 2005 — 07:14 | Permalink |