Phantomschmerzen

Es fühlt sich sehr seltsam an, Pluto verloren zu haben. Und ich dachte schon, der Grund meines gestrigen Unausgeschlafenseins läge am Mond. Da er jedoch weder voll noch neu gewesen ist, machte ich mir wirkliche Sorgen. Aber jetzt weiss ich es: Pluto wurde uns aberkannt. Einfach so. Die Welt ist eine andere geworden.
Es ist jetzt ein ganzes Stück kälter, wenn man in den Himmel guckt, wenn man daran denkt, dass der klobige Neptun da draussen ab jetzt als Schlussmann fungiert, als Wächter, man fühlt sich nicht mehr so sicher. Bis vorgestern wussten man, dass ganz weit im hintersten Winkel, dieser exzentrische Felsbrocken merkwürdige ovale Runden dreht, so klein, dass man ihn gar nicht sieht, aber diese Gewissheit, ihn da zu haben reichte aus, dieser verrückten Wicht, ach, wie gerne haben wir über ihn gelacht. Und jetzt ist er weg.

In meinem Geburtshoroskop steht Pluto in Spannung mit der Sonne:

In dieser Konstellation liegt ein enormes Potential. Je mehr es Ihnen gelingt, voll und ganz zu Ihrer Macht zu stehen, desto mehr können Sie im Beruf oder auch in einem privaten Bereich eine Art “graue Eminenz” werden, die im Hintergrund die Fäden in der Hand hält. Das Ausüben von Macht, beispielsweise in einer führenden beruflichen Stellung, könnte Ihnen viel Lebensfreude bereiten.

Das einzige Lichtlein in der Trümmerlandschaft meiner Lebensplanung, mich bald zurückzulehnen und als “Graue Eminenz” meine letzten Tage zu verbringen, ist verschwunden.
Jetzt gehe ich mich besaufen.

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