Gestern im Bus
Saturday 27. November 2004
“Naechste Haltestelle Feldstrasse. Uebergang zur U3 und zur Achterbahn.”
Da soll mir noch einer sagen die Fischkoepfe haetten keinen Humor.
“Naechste Haltestelle Feldstrasse. Uebergang zur U3 und zur Achterbahn.”
Da soll mir noch einer sagen die Fischkoepfe haetten keinen Humor.
Frau Sonne liest eine Geschichte von mir vor. Ich bin sehr geschmeichelt und ich klinge ueberaus sexy auf wienerisch muss ich zugeben.
Es ist nur ein Ei – MP3
Es ist nur ein Ei. Oval, klein, wurde vor einiger Zeit von einer Henne gelegt und kam nachher ueber Umwege in meinem Kuehlschrank zurecht. Das kleine, unschuldige Ding hatte auch gar nichts boeses vor, haette ich es nicht verwaisen lassen, und nur ihre anderen fuenf Brueder, vor einiger Zeit, zu einem wunderbaren Ruehrei mit Schnittlauch und Champignons verarbeitet. “Vor einiger Zeit” dachte ich heute und rechnete die Zeit zurueck, um mir das letze Ruehreifruehstueck ins Gedaechtnis zu rufen. So zaehlte ich die Monate rueckwaerts, 3 2 1 schweins, und erinnerte mich an den warmen Fruehsommertag – ein Kater der sich anfuehlte wie ein Messer quer durch den Schaedel, und ich hatte eigentlich viel mehr Bock auf Pizza, aber da ich so fuerchterlich dreinschaute, konnte ich mich unmoeglich ausser Haus blicken lassen, und deshalb kurzerhand beschloss, die Eier zu nehmen welche ich einige Tage vorher gekauft hatte um Carbonara zu kochen. War es Juni? Oder war es gar im Mai? Der Mai war auch sehr warm glaube ich.
So wird das kleine, unschuldige Ding zur chemischen Waffe. Es ist schon Schade, dass gerade weit und breit keine Wahlen stattfinden. Ich werde es wohl noch eine Weile weiterzuechten, mein kleines, unschuldiges Ding.

Ich bin gluecklicherweise aeusserst selten krank. Vielleicht weil ich ein geistesbeschraenkter Suedtiroler bin, der zu dumm ist um krank zu werden, wie Heinrich Heine diese Eigenschaft meines Volkes beschrieb. Ich kleide mich im Sommer wie im Winter gleich. Ausser es wird ganz kalt im Januar, da ziehe ich ein zweites T-Shirt darunter an, und fuer extreme Kaelte habe ich eine unschicke Winterjacke. Vielleicht habe ich mich einfach nur aus Eitelkeit abgehaertet. Winterjacken sehen ja immer Scheisse aus. Aber letztes Wochenende habe ich wohl etwas uebertrieben. Vom ganzen rumspazieren an der windigen Elbe, naechtliches Fahrradfahren und rumstehen in der eisigen Kirche waehrend der Generalprobe und dem Konzert. Gestern bin ich krank geworden. Ich habe einen juckenden Klumpen in meiner Nasenhoehle, die Lunge fuehlt sich schwer an und meine Haut ist heiss wie Salbeithee.
Ich habe vor vielen Jahren eine wunderbare Methode gefunden, mich vom Leiden zu befreien. Ich nehme niemals Medizinen, nein, wenn ich krank bin, und damit meine ich die ganze Palette von Grippe bis hin zu dubiosem Lungenstechen, dann koche ich einfach ein paar Liter Wasser in einer Pfanne auf, schuette es nachher in eine Schuessel, haenge mein Gesicht mit einem Badetuch darueber und inhaliere den Wasserdampf. Damit befreie ich mich von jeglicher Krankheit. Grippe ist natuerlich schweres Zeug und geht nicht so schnell weg, aber die meisten kleineren Uebel verschwinden auf diese Art innerhalb von zehn Minuten. Bei Bauchschmerzen inhaliere ich den Dampf, schliesse die Augen und Stelle mir vor wie die kleine Mequito-Antikoerper-Armee durch die Blutbahnen reitet und den boesen, boesen Schmerz in die Zange nimmt. Ich fuehle dabei regelrecht wie der Schmerz von den Speeren der kleinen Mequito-Antikoerpern zerstochen wird. Ein wuester Kampf um Leben und Tod. Die kleinen Mequitos stuermen, mit langen Speeren und hochmodernen Laserkanonen bewaffnet, hintendran die Posaunen, damit der Kampf auch mit der noetigen musikalischen Tragik untermalt wird, umzingeln den Feind im Bauch und stechen zu. Es fliesst Blut, es fliegen abgehackte Arme durch die Luft, der Schmerz wehrt sich, voellig ueberrascht von der Heftigkeit dieses Angriffes. Ich schicke nochmals eine Division nach, die erste Offensive hat grosse Verluste erlitten, aber trotzdem ist der Feind der Unterlegene. Die zweite Division Mequito-Antikoerper schlaegt noch viel haerter zu, obwohl der Schmerz sich gar nicht mehr wehren kann. Gnadenlos. Ja, pervers gewalttaetig, zerstechen meine kleinen Soldaten den Feind und zerstueckeln ihn in winzige Teile, die dann vom anschwemmenden Blut ueber Leber und Nieren nach draussen gespuelt werden.
Ich gehe nachher aufs Klo, pinkle den ganzen Schmerz heraus und weg isser. Ich koennte mich mit dieser Methode bestimmt auch von Pest und Cholera befreien, da bin ich mir sicher. Meine Schwester hat allerdings auch andere Waffen auf Lager. Sie folgt gerade einen Kurs fuer Akupunktur. Und weil ich gestern krank wurde, hat sie mir die Lungen-, Dickdarm- und Herzmeridianen zerstochen und die lokale Nerven stimuliert. Eine grossartige Sache.

Brennende Moscheeen und Kirchen in Holland, abgeriegeltes DenHaag, Arafat nachdem er fuenf Tage tot ist, ist er nun tot, der Tabak ist alle, Chorprobe auf Chorprobe und nun kommt meine Schwester und Joerg und danach wieder Chorprobe und morgen das Konzert, und ich daher keine Zeit die naechsten Tage. Deshalb als Pausenbild einige Fotos von meinem letzten, laengeren Parisbesuch, Sommer 2003. In den Comments.

Obwohl ich Musiknoten verstehe, bin ich ein schlechter Notenleser. Das wussten die Frauen heute in der U-Bahn, die mich verliebt anguckten, aber wohl nicht. Waehrend alle Fahrgaeste in der Tageszeitung oder einem Buch oder in einem Magazin blaetterten, sass ich mit einem dicken Notenstapel da und gab mir aeusserst Muehe, das Magnificat zu verstehen. Der Chorleiter hatte mich gestern beschimpft, weil ich bei den schnellen Coloraturen bloss Chaos vor mich hin sang. Ich nannte das Chaos “Verzierungen”, aber das wurde mir nicht dankend abgenommen. Ich sollte die ganze Woche lang alleine ueben, da wir naechste Woche schon das Konzert haben. Und so sass ich da in der Bahn, als talentloser Saenger, las zur Strafe Noten durch, summte im Kopf die sechzehntelnoten mit, versuchte das gn von Magnificat zu verdraengen und aergerte mich ueber die komplizierten Verlaeufe. Nur die Frauen laechelten mich alle an, alsob ich der wiedergeborene Bach waere. Ich habe es noch nie ganz verstanden warum Frauen immer auf Leute stehen die malen, fotografieren, schreiben, oder musizieren. Wenn ich eine Frau in der Bahn sehen wuerde die Noten liest, dann wuerde ich sie als Nerd abstempeln und mich weiter in meine Zeitung vertiefen.
Natuerlich nahm ich nach diesen laechelnden Blicken, die Haltung eines grossartigen Komponisten an und stolzierte, musikalisch dreinblickend, ueber den Bahnsteig, mit den Noten demonstrativ unterm Arm. Alles waere gut gewese, wenn in solchen Momenten nicht immer der uebliche Idiot auftaucht. In diesem Fall der idiotische Hund, der auf den Bahnsteigen kackt, und genau dorthin, wo ich mit stolzem Komponistenschritt hineintrete.
Eigentlich sollte ich ja den gestrigen Mord an Theo Van Gogh gedenken. Den besten Showmaster den die Welt je gesehen hat. Beruehmt wurde er durch seine low-budget-Filme und grossartigen Kollumnen, spaeter hatte er seine, mit filterlosen Gauloises zugerauchten Talkshows, wo es die hitzigsten und interessantesten Polit-gespraeche gab, die ich, mal abgesehen von Hermes Phettberg, je im Fernsehen gesehen habe. Ein linker Luemmel eigentlich, aber wiederum durchsiebt von der Angst vor “Ueberfremdung des eigenen Landes”. Ein linksradikaler Rechtspopulist. Auch wenn ich nicht immer seiner Meinung war, mochte ich ihn immer sehr gerne. Und nun ist sein grosses Maul fuer immer dicht. Ich will ihn aber nicht gedenken, viel zu viele gute Menschen sind in den letzten Monaten ploetzlich gestorben. Und schon der zweite grosse Hollaender in sehr kurzer Zeit. Nein, ich werde nichts gedenken, die wollen bloss alle in meinen Blog. Tss, wo kaemen wir da hin? Bald kommt Beatrix noch auf den Gedanken sich erschiessen zu lassen. Obwohl… eigentlich…
Und eigentlich sollte ich ueber Bush reden, weil das heute alle machen. Aber ich wusste ja eh schon dass es so kommen wuerde und jedes Wort darueber, ein verlorenes.
Eigentlich sollte ich aber gerade in Berlin sein, bei den Einstuerzende Neubauten. Ich haette den Zug um 19uhr nehmen koennen, frueher haette ich nicht gekonnt. Dann waere ich um halb zehn Uhr da gewesen und haette dann den letzten Zug um 23uhr, zurueck nach Hamburg nehmen muessen. Was fuer ein Scheiss, wie kann das sein, dass da nicht die ganze Nacht lang Zuege hin und her pendeln, wie in jedem anderen vernuenftigen Land? Aber eigentlich hatte ich irgendwie gar keine Lust drauf. Eigentlich, eigentlich…
Eigentlich sollte ich ins Bett.
Das hab ich dann davon, wenn ich zum einschlafen Lektuere lese die nicht fuer mich gedacht ist. Ich wollte lediglich etwas leichtes lesen. Zum einschlafen eben. Es haette ein kitschiger Liebesroman sein koennen, oder etwas komisches, damit ich leichter Gedanken ueber den Seiten des Buches einschlafe. In Juliettas Buecherschrank gibt es dunkle Ecken mit Buechern aus ihrer Jugend, da wuerde ich bestimmt was leichtes finden, dachte ich. So erschien mir das eine dicke, schwarze, geschrieben von einem Hohlbein, wohl nicht ganz falsch. Ein fantastisches Jugendbuch, achja das tuht es auch.
Ich wusste natuerlich nicht, dass mich das Buch stundenlang fesseln wuerde und es mich jetzt mitten in der Nacht zu Tode gruselt, ich dauernd das Gefuehl habe, ein leichenfressendes Ungeheuer im Flur zu hoeren, und nun kein Auge mehr zubekomme. Ich bin nicht mehr so jung, dass ich sowas verdauen koennte.