nette Abende sind nicht blogbar

Nette Abende sind nicht blogbar. Von wunderbaren Menschen und köstlichem Chili zu schreiben hab ich noch nie gekonnt. Vom Wein kann ich schreiben, auch von ganz viel Wein, aber den Wein lassen wir das sein wofür er da ist. Nämlich zum Trinken. Auch wenn es sehr viel war. Dann schenken wir einfach nach.
Aber vielleicht gibt es ja hier und da ein paar hübsche Fotos. Talent ar gestern ja reichlich vorhanden.

der Rattenberger ihr Spiegel

Das witzige an solchen Geschichten ist ja nicht, dass die Bewohner jetzt völlig übergeschnappt sind und sich diesen Megaspiegel ins Tal stellen um im Winter nicht mehr depressiv zu werden, sondern das witzige an dieser Tatsache… (äh, nein witzig ist an dieser Meldung überhaupt nichts, aber wenn ich da oben mit dem Wort “traurig” beginne, dann dreht ihr euch wieder um und stöhnt, weil ihr glaubt, dass ich wieder so eine Heulgeschichte erzähle, also…) das traurige an dieser Tatsache ist, dass die Alpenbewohner mittlerweile derart zivilisiert geworden sind, dass sie nicht mehr mit ihrem harten Schicksal umzugehen wissen.

Ich meine ja nur, früher, als man in den Alpen noch richtig Alpenbewohner war, da ertrank man seine Depressionen im Wein, jahrelang, bis man alle Zähne verloren hatte und beim Kartenspielen im Wirtshaus Familie und Hof verspielt. Oder man erhing sich an einem Strick in der Scheune. Ein Abgasschlauch durch das Fenster ins Auto war eine ganze Zeit lang auch sehr populär.
Aber heute, in diesen modernen Zeiten von Radio und Fernsehen, will ja jeder immer glücklich sein. Kein Wunder, dass man sich lächerlich macht.

Epicore (loaded)

Wer hier schon länger mitliest, weiss vielleicht von meinem schreiberischen Schicksal das mir vor einem knappen Jahrzehnt jegliche Motivation nahm, mich weiterhin mit der Schreiberei zu beschäftigen. Weil der Verlust zu gross war und ich den Mut verloren hatte, hörte ich damals auf, auch wenn mir später in jeder Firma in der ich arbeitete immer die Rolle des Schreibers der Sitzungsprotokolle zugeschoben wurde. Erst wurde immer gefragt wer das Protokoll aufnehmen wolle und ich drückte mich nie davor, und danach wurde es mir immer zugeschoben, weil ich die Protokolle immer auf eine Weise verfasste als seien es Geschichten oder weil ich all die langweiligen Diskussionspunkte immer skurril umschrieb und zynische Seitenhiebe austeilte, dass die Firmensitzungen sich lasen, als seien es Theatervorstellungen gewesen. Das gefiel meinen Kollegen und merkwürdigerweise beschwerten sich auch meine Vorgesetzten niemals darüber.
Als ich vor etwa zwei Jahren mit diesem Weblog anfing wusste ich nicht ganz genau wohin das führen würde und dass ich es besonders lange durchziehen würde dachte ich mir auch nicht. Es ging mir in erster Instanz nur darum, wieder für michselbst zu tippen, wiedermal meine Hirnwindungen auf Schwarzundweiss zu bringen. Dass ich zwei Jahre später jetzt immer noch mehrmals pro Woche irgeneinen gedanklichen Unsinn oder haushaltliches Desaster oder eine Geschichte niederschreibe, wundert mich allerdings nicht mehr. Weil ich dadurch plötzlich wieder Freude am Schreiben bekommen habe. Ich glaube kaum, dass diese Freude mich heimgesucht hätte wenn ich zuhause in meinem Kämmerlein wieder angefangen hätte still und leise an einem Roman zu schreiben. Hier kamen Leser, Menschen die kommentierten, “weiter so”, “danke” und angeregte Diskussionen, meine Schreiberei bekam etwas dynamisches, etwas Schnelles, ich arbeitete nicht mehr an einem Lebenswerk, sondern fing an meine erst kurzen, dann mit der Zeit längeren Einträge als stilistisches übungsmittel zu gebrauchen und gar als Veröffentlichungen zu betrachten. Und genau das bereitete mir Freude.
Wenn ich heute mit Bekannten spreche die sich auf irgendeiner Weise literarisch beschäftigen, dann wissen sie meistens nicht was Blogs sind, und in den wenigsten Fällen bei denen sie schon mal was davon gehört oder sogar schonmal darin geschnuppert haben, wird es meist als tagebuchschreiberischer Firlefanz abgetan, oder wegen der aufdringlichen Diskussionen von “Blogs vs. Journalismus” gar nicht als literäre Platform wahrgenommen, sondern bloss als Grasswurzelmedium gegen den elitären Journalismus. Schade eigentlich, da ich mir sicher bin, dass es bei der ganzen altmodischen Papierautorschaft da draussen sicherlich einen grossen Teil guter Blogger geben würde, von denen ich gerne mehrmals pro Woche etwas lesen würde, anstatt jahrelang auf Romane oder anderen Veröffentlichungen zu warten.

Nun will ich mir nicht anmassen ein Literat zu sein, aber da mich bei Weblogs vor allem der literarische Aspekt fasziniert, war ich vorhin äusserst erfreut darüber zu lesen, dass ein paar Mitlogger da draussen das Projekt Epicore ins Netz gestellt haben. Weil es sonst eben viele kleine Perlen gibt die irgendwo in den tiefen des Netzes verschwinden.
Ich würde mir gar wünschen, dass es als literäres Diskussionsmedium ausarten würde, wie man andernorts Buchbesprechungen hält, aber wahrscheinlich wird es sowieso darauf hinauslaufen.

exodus

Nein Herr Mek, Sie brauchen sich jetzt wirklich keine Sorgen um die Population der Obstfliegen in Ihrer Küche zu machen, Sie haben sie nicht obdachlos gemacht, und auch keine lokale Hungerskatastrophe ausgelöst. Nein und Arbeitslos erst recht nicht, und kommen Sie jetzt nicht mit der schwierigen Arbeitslage, Sie Schlawiner. Obstfliegen sind erfinderische kleine Viecher, die suchen sich schon einen Ausweg, sie sind ja auch so klein, die brauchen nicht viel, auch wenn sie jetzt völlig panisch in Ihrer Küche herumschwirren, das kommt doch bloss daher, dass sie sich jetzt neu organisieren müssen, wie eine Krisensitzung sozusagen. Die hatten es bloss zu gut bei Ihnen in den letzten Mona- Wochen Tagen Stunden, jetzt fängt für die Biester einfach nur wieder das echte Leben an.
Und nein, Sie werden auch keine Karmapunkte verlieren, was fällt Ihnen ein, was sind Sie für ein mieser Kathole? Wenn Sie glauben, dass Sie jetzt im nächsten Leben als Ratte wiedergeboren werden, dann kommen Sie nach Ihrem langen und quälenden Tode direkt in die Hölle.

Und jetzt hören Sie bitte mit diesen faulen Ausreden auf und gehen sofort zurück in die Küche und machen Sie mit dem Abwasch weiter.

(ich wollte nur mal sehen ob es vielleicht funktioniert wenn ich mich sieze)

(Findungen)

Bei Katze mit Hut geht es um eine arbeitslose ziellos umherstreifende Katze, die nur durch Zufall in dem kleinen Örtchen Stackeln an der Krukel landet. Hier angekommen gründet sie in einem leerstehenden Haus, in das sie einbricht, eine alternative Kommune.
(…)
Die Alterfreigabe für alle Altersklassen halte ich aber aufgrund der vielen moralisch anstössigen Charaktere für etwas niedrig gegriffen. Hier werden Zechpreller, Hausbesetzer, psychisch Kranke und Vergewaltiger als die Stars der Serie gefeiert und…

So kann man “Katze mit Hut” natürlich auch sehen. Herzlich gelacht (Bitte runterscrollen, die erste Kundenrezension). Dass achtzehn Leute von vierzig diese Rezension nicht hilfreich fanden, ist allerdings traurig.

haarige stachelige Dinger

Heute geht es schon wieder ein bisschen um meine Heimat. Ein bisschen nur, ich bitte um Geduld, aber ich bin an dieser Stelle verpflichtet zu erwähnen, dass man dort wo ich herkomme, ein Lied über Innsbruck singt, dieses Lied über die Hauptstadt der Nordtiroler und dort taucht im Text eine bestimmte Stelle auf, die handelt davon, dass Innsbruck eigentlich schon ein ganz nettes Städchen ist, aaahber -ja aber- es hat halt keine Kastanien. Und deshalb bleiben die Singer des Liedes auch lieber im sonnigeren Südtirol, weil ein Leben ohne Kastanien ein wirklich graues Leben sein muss. Den genauen Text kenne ich nicht mehr, er lässt sich auch nicht ergooglen, aber die Melodie, die kann ich noch summen, zumindest in Bruchstücken.
Für mich galt der Brenner deshalb lange Zeit als eine Art Kastanienäquator. Alles was nördlich davon liegt ist schon so eine Art Permafrostland, das im Sommer die paar warmen Sonnenstrahlen abkriegt um danach wieder in einen monatelangen, finsteren Winter zu versinken. Immer wenn ich mit der Sonne gen Norden über den Brenner fuhr und der Zug in Innsbruck hielt, guckte ich jedesmal bemitleidend durch den Regen nach draussen und dachte an die armen Innsbrucker, hätten sie doch bloss Kastanien, die Armen, dann könnte man hier vielleicht sogar das stetige Regenwetter ertragen. Ein wahrlich düsterer Ort, dieses Innsbruck.
Mittlerweile wohne ich seit etwa zehn Jahren fast ausschliesslich in regnerischen Ländern nördlich des Kastanienäquators, weil ich der Gutwetterlaunen irgendwann überdrüssig war und seitdem habe ich auch festgestellt, dass die Länder nördlich vom Brenner durchaus Qualitäten besitzen die wichtiger als Kastanien sind. Gute Politker zum Beispiel. Oder gutes Essen.

Weil Hamburg, am Kastanienäquator gemessen, sich ja schon nördlich des Kastanienpolarkreises befindet, habe ich heute im Wald hinter Blankenese, etwas westlich und oberhalb des römischen Gartens, natürlich sehr verwundert zu Boden geguckt, als dieses igelige, harte Bällchen meinen Kopf nur um wenige Zentimeter verfehlte und vor meinen Füssen zu Boden donnerte. Dieser stachelige Klumpen den ich aus meiner Kindheit nur allzugut kannte wollte heute ganz und gar nicht in mein Weltbild passen. Deshalb griff ich erstmal völlig verblüfft danach und erinnerte mich dann gleich, jedoch zu spät, dass die Dinger nicht nur stachelig aussehen, sondern auch richtig weh tun wenn man sie wie einen Stein fest umklammert vom Boden hebt.
Da stehen also wirklich drei Katsanienbäume wie drei fröhliche Urlauber herum. Hier am Polarkreis. Und scheinen die hellste Freude dabei zu haben an einem sonnigen, späten Nachmittag im Oktober mit Kastanien um sich zu schmeissen. Keine Rosskastanien, sondern richtige, stachelige Dinger, die man öffnet, die braunen Herzchen dann an einer Seite ein wenig einritzt und für etwa zwanzig Minuten in kochendes schmeisst.
Dazu nehme man am besten einen schweren roten Wein, wenn möglich Speck, der bei mir leider alle ist, zündet ein paar Kerzen an und ezählt sich Geschichten.

Jetzt mal sehen ob mir schlecht wird.

interregionales

Frau Modeste trinkt Martini und schwarzen Thee, trägt wirklich tolle Stiefel, kennt den Unterschied zwischen Hugo und Boss, hat keinen Fernseher, wickelt Steine um den Hals wie einen Schal und ist sehr nett.

Herr Winkel trinkt am Nachmittag nur Wasser und Cola, hat lange Beine und schöne Augen, rasiert seinen rechten Ohrenbart ein wenig schlampig, kennt sich mit Musik aus und ist sehr nett.