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es regnet

[gourmand]

Posted on Juli 28, 2009

Neben mir auf dem Fensterbrett stehen die Kräuterpflanzen. Von den Läusen hoffnungslos erfasst. Sie sterben nur langsam, weil ich Hoffnung habe, was deren Qual jedoch nur verlängert. Den Basilikum habe ich vor einigen Wochen gerodet, weil er mir schon Angst machte, aber der Salbei, das Liebstöckl, der Origano und der Thymian: sie halten noch. Das Liebstöckl vielleicht nicht mehr lange, die Läuse hängen wie Trauben an seinen Stängeln, das sieht schon sehr bedrohlich aus, auch komisch, diese Vorliebe für den Stängel, beim Basilikum war es genau umgekehrt, lieber das Blatt als den Stängel, aber was weiß ich schon vom Menüplan der kleinen Viecher, jedenfalls bin ich gerade sehr gut im Verdrängen, die Pflanzen stehen neben mir und hin und wieder gebe ich Wasser, Wasser hilft ja immer, gegen Kopfweh, gegen Dehydrierung und gegen den Sommer und weil ich ja voller Hoffnung bin, gieße ich eben gegen das Aufgeben, und weil meine Seifenlösung nicht geholfen hat, und weil Desinfektionsmittel nicht gefolfen hat und weil auch der Haarspray nicht geholfen hat, mit dem ich die verdinsgten Läuse auf politisch total inkorrekte Manier kaputtgestylt hab.

Nach der Sache mit dem Haarspray hatte ich eine ziemliche Weile ziemlich schlechtes Gewissen und ließ deshalb das Treiben neben mir auf dem Fensterbrett ziemlich seinen Gang gehen. Ich sah zwar wie sie wieder an den Stängeln den Saft aus der Pflanze lutschten, aber um einzugreifen fehlte mir jegliche Erlaubnis von oben. Der Himmel schaut unentwegt auch mich herab.

Mit dem schlechten Gewissen auf dem Fensterbrett ergoogelte ich heute Blattläuse. Und weil ich Blattläuse ergoogelte, ergoogelte ich vor allem deren natürliche Feinde. Marienkäfer. Niedliche Biester, solange man sie nicht unterm Miskroskop unter die Lupe (haha. jaja) nimmt.
Ich las, dass Marienkäfer dermaßen populär geworden sind, dass man sie als Schädlingskrieger sogar im Einzelhandel erwerben kann, in Form von Eiern oder Larven. Ich hatte es eben ergoogelt, die Sonne war längst im westlichen Branbenburg versunken, mein kleines Penseezimmer leuchtete einsam in diesem finsteren Berliner Hinterhof und ich schaute nach rechts, über mein schlechtes Gewissen am Fensterbrett hinweg und sah auf der Außenseite der Fensterscheibe den Himmel, der als kleiner, kreisförmigen Käfer auf der Außenseite auf meiner Fensterscheibe krabbelte.
Ich weiß nicht warum, aber ich erkannte den Marienkäfer von unten.

Und so holte ich ihn natürlich herein und legte ihn in das Liebstöckl, mitten in das Läuseleben. Er war völlig erregt, drehte sich, trapste aufgeregte Schritte vor und zurück, es war ein Fest, ein Festschmaus. Drei Minuten lang. Ohne vom Buffet gegessen zu haben verließ er die Szenerie und zog sich zurück auf ein Blatt des Salbeis im Schatten meiner Schreibtischlampe. Erstmal schlafen, ist ja schon spät, das liegt auf dem Magen so eine Läusesippe. Der Gourmet gegen den Gourmand. Ich glaube morgen geht es los.

[wollt ich nurmal gesagt haben]

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Comments (12)

  1. Lu sagt:
    Juli 28, 2009 um 09:35 Uhr

    ich habe ja mittlerweile mein vollöko-diplom und kann dir sagen: der wartet nur auf eine fluchtmöglichkeit, weil noch nicht mal in der not frisst ein marienkäfer läuse, die nach schmierseife, haarspray und spüli schmecken.
    (und sei dir sicher, DAS überlebt der nicht.)

    zur not schickst du mir die pflanzen zur kur. ich stelle sie in den garten, der randvoll mit schwebfliegen, ohrkneifern, spitzmäusen und anderen natürlichen feinden ist.

  2. mek sagt:
    Juli 28, 2009 um 10:29 Uhr

    Du hast leider recht bekommen. Er hat sich über Nacht verdrückt.
    Danke für das Angebot, aber den ganzen Kräuterkasten auf die Post zu tun ist auch sone komische Sache (keine soo großen Kuverts mehr im Hause).

    Dabei hatte ich eher Angst Du wünschtest mir irgendwelche umgekehrten Karmapunkte wegen der Sache mit dem Haarspray. Das war wirklich nicht schön.

  3. Liz sagt:
    Juli 28, 2009 um 13:10 Uhr

    Neue Erde und ein größerer Topf wirken Wunder.

  4. eckart sagt:
    Juli 28, 2009 um 13:23 Uhr

    Hamburg, so hat es zur Zeit den Anschein, ist voll von den gepunkteten kleinen Freunden! Vielleicht wäre das ein Grund für die Rückkehr .. wenns doch für die Pflanzen ist..

  5. anna sagt:
    Juli 28, 2009 um 16:46 Uhr

    brauchst du noch ein paar mehr? bei mir findet man immer welche, in allen farben.
    zusammen mit der topfkur?

  6. Stefanie sagt:
    Juli 28, 2009 um 17:14 Uhr

    Wasser mit einem Tropfen Propolis in eine Frisoerspruehflasche geben und die Pflanzen taeglich damit behandeln.
    Meinem Wein habe ich so das Leben gerettet und nun waechst er praechtigst.

  7. mek sagt:
    Juli 28, 2009 um 18:26 Uhr

    Oh: http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,638826,00.html

  8. stefan sagt:
    Juli 29, 2009 um 21:45 Uhr

    warum stehst du auf dem fensterbrett? nicht springen! egal was es ist, selbstmord ist eine sehr langfristige lösung für meist kurzfristige probleme.

  9. mek sagt:
    Juli 30, 2009 um 10:49 Uhr

    Es stand ja nur mein schlechtes Gewissen auf dem Fensterbrett, nicht ich. Hab dann beim Schubsen mitgeholfen.

  10. croco sagt:
    Juli 30, 2009 um 17:43 Uhr

    Das Nikotinmodell haben sie schon ausprobiert?
    Plastiktüte über die Pflanze und dann von unten vollqualmen. Das wird zuviel für die Läuse. Sie evrsterben leider. Nikotin wirkt nämlich als Nervengift für die Viecherlein.
    Aber das ist nun wieder nicht sehr ökologisch, was aber egal ist, ist ja pflanzlich, der Tabak.

  11. mek sagt:
    Juli 30, 2009 um 23:57 Uhr

    Aber Frau Croco, ich rauche ja nicht mehr.

  12. croco sagt:
    Juli 31, 2009 um 20:52 Uhr

    Oh, ich vergaß!
    Welch Missgeschick 😉

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