Ich ertrug mein Haar heute nicht mehr. Eigentlich wollte ich bereits Anfang Juli zur Friseurin, aber dann fuhr ich nach Schweden in den Wald, wo ich ohnehin erstmal verwildern würde. In Schweden nahm ich mir vor, im benachbarten Dorf einen Haarsalon aufzusuchen. Weil ich im Urlaub zwischen Motorsäge, Rasenmäher, Rabenvögeln und Elchen aber wirklich nicht an meine Frisur dachte, vergaß ich meinen Vorsatz wieder. Erst in Berlin erwachte ich und fand mich in der Zivilisation wieder.
Nachdem ich in den ersten beiden Wochen genug andere Dinge zu tun hatte, ertrug ich heute mein Haar nicht mehr. Deswegen durchpflügte ich am Morgen alle Frisurläden Friedrichshains und fand schließlich einen etwas unscheinbaren Salon unweit der Weberwiese, der noch viele offene Termine für mich bereithielt. Meist ist das kein gutes Zeichen, aber ich bin bei Frisurläden nicht besonders anspruchsvoll. Ich will nur eine gute Zeit haben und gut behandelt werden.
Der Salon ist ein reiner Herrensalon. Er feiert in diesem Jahr sein 70-jähriges Bestehen. Er hielt in den Fünfzigern nach dem Bau der Stalinbauten dort Einzug und überstand die Jahrzehnte, wie sonst wenig in Ostberlin die Jahrzehnte überstand.
Das Personal ist ausgesprochen nett, die Damen sind schon etwas älter und für Friedrichshainer Verhältnisse absolut unhipp, aber ich hatte eine sehr gute Zeit. Vielleicht gerade deswegen.
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Die heißen übrigens nicht Baseball-Hats. Sie heißen Dad Hats. War für mich ja alles das Gleiche. Meine Frau trägt sie neuerdings. Sie kann aber auch wirklich alles tragen.
Ich trage Kopfbedeckungen lediglich im Winter und das auch nur, um meinen Kopf zu wärmen, nicht als modisches Accessoire. Eine Zeitlang trug ich manchmal Trilbys, weil ich Trilbys durchaus ästhetisch finde. Aber wenn ich einen Hut trage, fühle ich mich immer wesensfremd. Auch wenn ich den Look objektiv sehr mag. Trage ich selbst einen Hut, fühle ich mich wie ein ganz anderer Mensch. Immer.
Viele meiner Freundinnen tragen im Stadion einen Dad-Hat. Vor allem bei den späteren Spielen, wenn die Sonne tief überm Marathontor in die Ostkurve hereinscheint. Aber neuerdings stehe ich meist in T1 oder T2. Da kommt die Sonne nur im Mai herüber. Brauche ich alles nicht.
Manchmal zieht mir meine Frau ihren Dad-Hat über. Meine Frau sagt, das stünde mir ausgesprochen gut, und rein objektiv hat sie durchaus recht, und aus der objektiven Perspektive könnte ich an diesem Look durchaus Gefallen finden. Aber mit einem Dad-Hat fühle ich mich noch wesensfremdererererer als mit einem Trilby. Nein: wesensfremderererererererererer. Dabei habe ich in Schweden einen richtig guten Dad-Hat mit dem Logo meiner elektrischen Kettensäge gesehen. Das würde ich im Prinzip mit viel Stolz tragen. Aber diese Wesensfremdheit kann ich nicht abschütteln. Außerdem: Diese Onkeligkeit! Aber spaßig ist es trotzdem.


Da musste ich doch doch erstmal googeln was du dir da so auf den Kopf setzt. Wieder was gelernt. Ich kenne nur Hut und Mütze. Hut sieht immer bescheuert aus, Mütze geht so. Mein Nachbar ist an die 70 und betreibt noch einen Frisörsalon. Total unmodern. Da würde ich hingehen, hätte ich noch was schneidenswertes auf dem Kopf. So tut es auch die Schermaschine am Sonntag Morgen.