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es regnet

[tagebuchblog: 13.12.]

Posted on Dezember 14, 2009

Am Freitag essen gewesen. Und das ging so:
H aus Wien ist eigentlich H aus Südtirol, das heißt, wir haben eine gemeinsame Vergangenheit, gemeinsame Abneigungen, gemeinsame Freunde, und dazu gehört auch Hannes. Als gemeinsamer Freund. Hannes hat Südtirol irgendwann in den neunzigern mit Berlin getauscht. Wir hatten nie ein besonders inniges Verhältnis zueinander, aber man kennt sich in Südtirol, wenn man sich die Haare grün färbt und gegen den Wind stinkt, aber ich weiß nicht, ganz warm war das nie zwischen uns, zudem sagte H, ich hätte dem Hannes damals seine Freundin ausgespannt, was er mir nie verziehen habe, aber ich meine mich zu erinnern, dass ich Trostpflaster für seine Exfreundin gewesen bin, eine undankbare Aufgabe, ich war meine ganze Jugend lang immer nur Trostpflaster, ich habe immer verletzte Gefühle reparieren müssen, oder Schultern zum Ausheulen hergeben müssen, küssen wollten die mich nie, aber hey, das ist jetzt wirklich sehr lange her, wir waren fast noch Babies, und die Gefühle von damals, waren so schwierig händelbar wie wie wie, ach das ist mir jetzt zu albern, nach blöden Gleichungen zu suchen.
Nun war H also in Berlin zu Besuch und er sagte, Hannes wäre jetzt Besitzer eines Restaurants in Kreuzberg und da wir allesamt ziemlich gerne essen, beschlossen wir, am Freitag den Hannes in seinem Lokal zu überraschen. Ich würde am Freitagnachmittag anrufen und einen Tisch für vier bestellen, aber als Wito anzurufen war natürlich blöd, das war dann ja keine Überraschung, also entschied ich mich für den Namen Durnwalder, denn Durnwalder ist der Name unseres Landeshauptmannes, also des südtiroler Landeshauptmannes, und Durnwalder sieht so aus, und bei dem Gedanken, mich nach so vielen Jahren beim Hannes als Durnwalder zu melden, musste ich unheimlich lachen, und so bat ich meinen Kollegen, unter der 030/34711008 anzurufen und als Durnwalder einen Tisch für vier Personen zu bestellen, also griff mein Kollege zum Telefon, stellte den Lautsprecher auf laut und wählte die Nummer, hallo hier Durnwalder, ich möchte einen Tisch für heute Abend reservieren, für wieviele?, für vier, welche Uhrzeit?, für acht, wie war nochmal ihr Name?, Durnwalder, wie bitte?, Durnwalder, d-u-r-n-w-a-l-d-e-r, ha das ist ja witzig, was ist denn bitte witzig?, oh entschuldigung, so heißt unser Landeshauptmann, ihr _was_ bitte?, unser Landeshauptmann, Landeshauptmann?, ja, das ist ein wichtiger Politiker, ahso und warum jetzt _ihrer_, ja wegen Südtirol, das ist der südtiroler Landeshauptman, achso, kann ich ja nichts dafür, ja das stimmt, ja so ein Zufall, ja tatsächlich, issjanding.
Das war schon ein sehr witziger Moment.

Am Freitagabend fuhren also K, H, und ich nach Kreuzberg. Meine Schwester kam aus Neuköln, und war schon lange vor uns da, sie und Hannes kannten einander nicht, meine Schwester ist viel jünger, aber sie kam ins Lokal, sagte, sie habe einen Tisch reserviert, auf den Namen Durnwalder und der Hannes sagt: hey Du bist ja die Schwester vom Mek, und sie sagte, ja, öhm, wusste dann aber auch nicht weiter, Hannes meinte aber meine andere Schwester, die beiden werden dauernd verwechselt, was ich nie nachvollziehen kann, weil sie ja so unterschiedlich aussehen, aber egal, um der Sache die Spannung rauszunehmen: Hannes ahnte auf einmal, was sich hinter Durnwalder verbarg, und war dann entsprechend gelassen, als wir gutgelaunt und grinsend das Lokal betraten.

Wir haben dann tolle Sachen gegessen, ich einen Hirschrücken mit Blaukraut und Speckknödeln in wunderbarer Weinsoße, die Mädels hatten ein üppiges Knödeltris in geschmolzener Butter mit Parmesankäse und Salat. H aß die Gans. K und ich nahmen uns als Nachtisch einen Kaiserschmarrn.
Nachher setzte sich Hannes zu uns und öffnete eine Anderthalbliterflasche Obstler. Schenkte ein. Und blieb dann einschenken. Und machte mit dem Einschenken weiter. Bis es ungefähr zwei Uhr war. Auch noch an der Bar beim Zahlen. Auch noch als ersichtlich wurde, dass wir nicht mehr wirklich zur Ubahn laufen konnten. Laufen wollten. Als wir das Lokal verließen hörte er aber auf.
OK, nur H und ich hatten uns verführen lassen. K und meine Schwester waren früher zur Vernunft gekommen.

Am nächsten Tag: lange geschlafen. Und dann zum Kollwitzmarkt spaziert. H wollte am Abend für uns kochen und brauchte frische Zutaten. Ziemlich spät am Nachmittag sind wir dann mit zwei kleinen Tüten Kräuter wieder nachhause zurückgekehrt, haben einen Kaffee getrunken, und da hatten wir diese grandiose Idee ins Alexa zu fahren, Lebensmittelgroßeinkauf, H war nämlich mit dem Auto in Berlin, und K und ich müssen sonst ja immer schleppen, das klang so wunderbar: mit dem Auto Großeinkauf machen, hinfahren, einpacken, zurückfahren – also sind wir am späten Samstagnachmittag, zusammen mit ganz Ostberlin, nein: zusammen mit ganz Ostberlin und ganz Brandenburg und ganz Westberlin, ins Alexa gefahren und dort noch richtig shoppen gegangen: Hosen, Hemden, Unterwäsche, Konzerttickets, Schuhe, haben uns durch alle Etagen gedrängt und uns die ganze Zeit gewundert, was für einen unheimlichen Blödsinn wir da gerade machen. Lebensmittel haben wir dann auch gekauft.
Und danach gekocht.

Und dann wurde Sonntag. Viel Zeit in der Küche verbracht. Bei Kaffee und Tee, bis in den Nachmittag hinein, dann haben wir H zum Auto gebracht und uns verabschiedet. Danach war plötzlich Abend und jetzt geh ich ins Bett.

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