[Mi, 29.7.2026 – Schuh]

Frau Klugscheisser fand mich immerhin seriös aussehen. In der Tat trug ich schwarze Lederschuhe, denn sie schlug anfangs vor, den Abend bei einem Absacker in der Rooftop-Bar des Park Inns am Alex abzuschließen. Sie nächtigte in dem Hotel und hat mit der Hotelkarte daher Zugang zur Bar in 120 Metern Höhe, ohne 6 Euro zahlen zu müssen. Sie sagte, sie kenne die Dresscodes der Bar nicht, aber zur Sicherheit sollte ich vielleicht keine Sneakers tragen, denn in diesen Bars weiß man ja nie, dann lassen sie einen nicht rein, sie reist von Berufs wegen sehr viel und landet häufig in diesen Lokalen, wo ihre männlichen Begleiter aufgrund der Sneakers wieder zum Ausgang gebeten wurden. Ich kann mir nur schlecht vorstellen, dass es in Berlin diese Art von Dresscode gibt, es ist mir hier noch nie passiert, irgendwo abgewiesen zu werden, weil ich unter der Würde des Lokals angezogen war, in Berlin wird man höchstens abgewiesen, wenn man eine Unterhose trägt. Aber ich wollte es nicht darauf ankommen lassen und zog meine schicken Schuhe mit der unternähten Oberkante an. Während ich mich bis vor zehn Jahren weigerte, Turnschuhe zu tragen, schlüpfe ich seit zehn Jahren fast nur noch in informelles Schuhwerk.

Gestern trug ich jedenfalls meine alten Lieblingsschuhe. Beim Anziehen stellte ich jedoch fest, dass ich immer noch ausschließlich den Granny-Knot beherrsche, was bei diesem Schuh offenbar ein Unding ist, wie ich letztes Jahr hier in den Kommentaren lernte. Ich hatte aber keine Zeit, Youtube-Tutorials anzusehen, und hoffte darauf, dass Frau Klugscheissers Knigge-Augen nicht auf mein Schuhwerk fallen würden. Sie kommentierte es jedenfalls nicht.

Warum ich das eigentlich erzähle. Ich erzähle das, weil ich seitdem auf dem rechten Fuß einen auffälligen Schmerz habe, der sich innerhalb des Fußes befindet, einmal von oben durch bis zur Unterseite. Irgendwas im Gelenk. Ich humple. Und seit heute früh prangt ein riesiges Hämatom auf dem Fußrücken. Ich weiß, das ist wenig Pointe für so viel Vorgeschichte. Sie hat auch nur wenig Symbolwert, Aschenputtel und so, und die Metapher enthält weder Weisheit noch ist sie lustig. Aber das Hämatom beschäftigt mich. Deshalb erzähle ich es.

So.

2 Kommentare zu „[Mi, 29.7.2026 – Schuh]“

  1. Also das erinnert mich doch sehr an eines der beiden Probleme, die sehr häufig bei Fernwanderern auftreten, die zum ersten Mal fernwandern. Auf dem Jakobsweg habe ich von dieser Spezies so einige getroffen. Das erste Problem ist, dass diese Leute oft Rucksäcke mit 15 und mehr Kilo schleppen, mit denen sie dann nur schwer die Berge hochkommen und dann irgendwann ausmisten und die überflüssigen Sachen per Post zurückschicken. Das zweite und schlimmere Problem sind die Schuhe und damit sind wir bei deinem Hämatom. Viele Greenhornwanderer kaufen sich neue Schuhe und laufen dann damit los. Das hat sehr häufig die Konsequenz, dass sich Blasen bilden, dass die Ferse oder die Zehen innen an den Schuhen reiben, so dass es zu schmerzhafter Hornhaut etc. kommt oder dass sich herausstellt, dass der Schuh zu klein ist, weil Füße im Laufe einer Wanderung nämlich anschwellen. Anschließend sind die Füße zu eng eingesperrt und Blutergüsse sind möglich. Kann es sein, dass Deine edlen Ausgehschuhe evtl. etwas zu klein und zu wenig eingelaufen waren?

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    • Merkwürdig daran ist, dass mir die Schuhe keineswegs zu groß sind und nirgendwo drücken und das Leder so weich ist, wie die Haut eines frisch gepuderten Rehbabys. Und ich lief vielleicht gerade mal 10 Minuten damit.

      Heute ist das Hämatom aber wieder weg. Und der Schmerz ist auch weniger.

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