[So, 14.6.2026 – neben dem Drachenboot]

Heute am Drachenbootrennen auf dem Wannsee teilgenommen. Die Temperatur war in Ordnung, aber ein paar Mal zogen finstere Regenzellen über Berlin. Meist befand sich mein Drachenbootteam jedoch an Land. Aber einmal fing der Regen gerade an, als wir ins Ziel einfuhren. Es dauerte aber lange, bis wir ins Trockene gelangten. Andere erwischte der Platzregen schon beim Start. Die kamen später durchnässt und zitternd das Gelände hochgelaufen. Nächste Woche wird es vermutlich ein paar kranke Menschen geben.

Unser Team war zu klein, wir mussten also aus dem Publikum rekrutieren. Es meldete sich ein Mann, dessen auffällige Tätowierungen mir gefielen. Teile seines Körpers waren durch wenige, kunstvoll angelegte Linien überzogen. Eine Linie kam von hinterm Ohr und verschwand dann seitlich am Nacken im T‑shirt. Eine der Linien begann mitten am Kinn und zog sich gerade nach unten über den Kehlkopf und verschwand auch wieder hinterm Stoff. Am Arm gab es eine weitere Linie, die irgendwo verschwand.

Er stand bei unserer Teambesprechung im Kreis. Danach warteten wir auf das Boot.
Ich sagte: Coole Tattoos hast du.
Er sagte Danke. Dann zog er ungefragt sein T-Shirt hoch und entblößte seinen Bauch. Da prangte ein etwas vulgäres Abbild einer Raubkatze, ein Leopard oder ein Tiger oder ein Panther, ich kann die Raubkatzen nicht so auseinanderhalten.
Er sagte: Hier habe ich auch ein Tatoo.
Ich log: Cool.
Ein Umstehender sagte: Cool.
Ich sagte dann aber auch, dass ich diese Linien an Hals und Arm super finde. Er sagte, er habe noch viel mehr, aber die könne er mir nicht zeigen. Ich nickte. Eigentlich dachte ich, macht man solche Witze nicht mehr.
Aber dann sagte er: Ich habe „This Truth is real“ auf meinen Penis tätowiert.
Ich sagte: oh.
Der andere Umstehende sagte: oh.
Er erzählte, dass es während des Tätowiervorgangs sehr schwer war, die Erektion zu halten. Immer wenn der Tätowierer sich zu ihm umdrehte, machte es Wupp und der Penis wurde wieder schlaff. Ich nahm an, dass der Tätowierer ihm nicht gefiel. Ich fragte: Und wenn er schlaff ist, dann kann man es nicht lesen? Er sagte: Ja! Und nickte. Dann fügte er hinzu: Und alle Frauen wollen immer lesen, was da steht. Fahren sie voll drauf ab.
Der Umstehende und ich staunten nicht schlecht. Ich sagte: Ich hätte mir aber etwas anderes draufschreiben lassen. Ich hätte gewollt: Hi-I-Am-Markus-Welcome-To-Berlin-Have-A-NICE-and-BEAUTIFUL-day-and-hope-to-see-you-again.
Höhö, sagte der Umstehende, Höhö, sagte der Tätowierte. Ich gestand aber, dass es nicht draufpassen würde. Der Umstehende meinte, dass ich es ja abkürzen könne. HIAMW… usw. Es sähe dann aus wie ACAB, aber eben anders.

Auch eine Idee.

Wir belegten im Drachenbootrennen dann Platz 19 von 22.

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