[Do, 3.9.2026 – Wohnungsträume]

Aus der Themenliste:

„Apropos Traum: Würdest Du an Deiner Wohnung noch etwas ändern und wenn dann was.? oder sollte sie größer sein? 2 Badezimmer sind aber in Berlin schon Luxus.„

Wir wohnen jetzt ziemlich genau 10 Jahre in dieser Wohnung. Ich habe noch nie so lange irgendwo gelebt. Ich wohne jetzt schon seit 10 Jahren in dieser Wohnung und ich hatte 10 Jahre lang Träume für diese Wohnung, die ich allesamt nicht umgesetzt habe. Bis auf ein paar gute Entscheidungen vor dem Einzug, als wir die Wohnung noch umbauen konnten. So haben wir die Küche aus dem kleinen Küchenraum entfernt und stattdessen das große Elternschlafzimmer zur Küche gemacht und das andere große Schlafzimmer zum Wohnzimmer. Die beiden kleinen Zimmer sind unsere beiden Schlafzimmer, wovon ich eines auch als Arbeitszimmer verwende. Warum man große Schlafzimmer haben wollte, erschloss sich mir nie. Dort hat man meistens die Augen geschlossen. Die deutschen Küchen sind hingegen immer mini. Ich verbringe gerne Zeit in der Küche. Oft auch nur über der Kücheninsel gelehnt, während ich über meinem Telefon oder einem Buch hänge.

Aber zurück zu den Träumen: Wir haben ein Badezimmer und zwei WC’s. Zwei Badezimmer brauchen wir nicht. Das hätte ich über WC’s auch gesagt, jetzt stellt sich aber heraus, dass 2 WC’s wirklich sehr praktisch sind, wenn man zu zweit lebt. Allerdings hätte ich gerne mein Arbeitszimmer von meinem Schlafzimmer getrennt. Wenn wir Gäste haben, muss ich immer zu meiner Frau ins Bett, und da wir grundverschiedene Schlafbedürfnisse haben, schlafen wir dann beide schlecht. Dabei wäre ein temporär schlechter Schlaf vielleicht verkraftbar, wenn es nur ein paar Tage sind. Schlimmer für mich ist es, dass ich dann mehrere Tage meinen Arbeitsplatz verliere. Und mein Schreibtisch ist wirklich mein Happy Place und für mich der wichtigste Ort in der Wohnung. Ich hatte überlegt, meinen Schreibtisch in eines der jetzigen WCs umzuziehen. Der eine WC-Raum hat ein Fenster und das WC könnte man ins Badezimmer einbauen. Es ist nämlich davon losgelöst. Und ich brauche für meinen Schreibtisch wirklich nicht viel Platz. Im Gegenteil, der Gedanke daran, ein winziges Büro zu haben, gefällt mir richtig gut, mir kommt vor, als würde mir das dabei helfen, fokussiert zu sein.

Und wir könnten Gäste besser unterkriegen. Mein Schwager, der oft in Berlin ist, nimmt sich mittlerweile Hotelzimmer.

Es hat aber mehrere Gründe, dass wir das so nicht umsetzen. Vor allem, weil meine Frau Alternativpläne hat. Sie schlägt z. B. vor, aus dem jetzigen Badezimmer mein Arbeitszimmer zu machen, daneben im WC das Arbeitszimmer und das Badezimmer nach vorn zu verlegen, wo jetzt mein Zimmer ist. Was wir jetzt aber schon wissen: Das wird sehr viel Geld und Schmutz kosten. Schon nur deswegen ist alles nur ein Traum und nicht ein Plan.

Ein weiterer Traum, den ich mittlerweile aufgegeben habe, ist es, einen Balkon im Hof bauen zu lassen. Ich habe in unserer letzten Wohnung in Mitte ein Balkonprojekt durchgeführt und danach hatten sechs Wohnungen einen Balkon, den alle liebten. Ich schlug den Nachbarn unter mir vor, einen Balkon zu bauen, weil Balkone wesentlich günstiger zu bauen sind, wenn sich mehrere Nachbarn daran beteiligen, aber ich erhielt von beiden Parteien nur als Antwort: Einen Balkon? Von der Küche aus? Es folgte entsetztes Kopfschütteln.
Dass Menschen sich nicht einen Balkon von der Küche aus vorstellen können, hat mich dermaßen demotiviert, dass ich das nie mehr aufgegriffen habe.

Und jetzt. Ich leitete diesen Text damit ein, dass wir schon seit 10 Jahren in dieser Wohnung leben. Ich mag die Wohnung wirklich, aber ich könnte auch langsam in eine andere Wohnung ziehen. Einfach so. Für einen Kulissenwechsel. Ich verstehe nicht, warum ich so lange in einer Wohnung wohnen bleiben sollte. Meine Frau könnte hingegen bis ans Lebensende hier wohnen bleiben. Bei einem Umzug würde sich nämlich alles ändern. Die Wege, die Nachbarn, das Umfeld. Ich liebe Veränderung. Meine Frau eher nicht so, gelinde gesagt.

Ah doch, einen Traum habe ich doch noch. Ich wünsche mir eine größere Dusche. Wir haben seit 10 Jahren eine kleine Duschkabine mit Nullerjahre-Charme. Ich will seit 10 Jahren eine neue Dusche. Ich kann die kleine Kabine nicht mehr ausstehen. Bei der Buchung von Hotelzimmern achte ich mittlerweile nur noch auf die Duschen. Es müssen schöne, offene Duschen sein. Dann ist mir der Rest fast egal. Meinetwegen in Dinslaken.

Aber für den Umbau der Dusche müssen wir zuerst die Frage geklärt haben, was jetzt mit dem Badezimmer passiert, und diese Entscheidung wird wahrscheinlich nicht fallen.

Andere Träume habe ich nicht.

3 Kommentare zu „[Do, 3.9.2026 – Wohnungsträume]“

  1. Was soll denn an einem Balkon von der Küche aus ungewöhnlich oder doof sein? Die Leute sind manchmal komisch …

    Ist das nicht gerade praktisch, wenn man auf dem Balkon sitzend Kaffee trinken will usw.?

    Die einzigen Räumlichkeiten, von denen aus ich keinen Balkon haben wollte, wären das Badezimmer und/oder das WC.

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  2. War tatsächlich meine frage. danke für die antwort. habe mir anscheinend deine wohnung etwas voluminöser vorgestellt. weil man oft die große küche sieht. dann denke ich mir wow, die küche uns stelle mir ungebremste weitläufigkeit auch im rest der wohnung vor. in unserer küche ist kein platz für riesige fernseher oder bequeme sessel. Wobei: unsere wohnung hat nur 3 zimmer. wenn ich die küche allerdings in eines der grossen zimmer gebaut hätte wären es quasi aber auch 4. man hätte das wasser ziemlich umständlich umherlegen müssen, und das schöne große wohnzimmer wäre weg gewesen. aber immerhin habe ich die küche vergrößert und das badezimmer verkleinert. tageslicht im badezimmer ist überschätzt. ich denke nur immer: wir hätten unserer tochter das große schlafzimmer geben sollen. das kann man aber noch ändern. alles andere scheint schon relativ ausoptimiert oder so schwierig, dass ich keine lust drauf habe. eine zweigeschossige bibliothek die um das wohnzimmer läuft wäre schön, allerdings wird mir der raum zu klein. ein zweites wc liesse sich nur mit hebeanlage einbauen. allerdings ja, millieuschutz. neben der etwas bescheuerten berliner baupolitik stört es mich ernsthaft, dass millieuschutz vor allem auch bedeutet: bloss nicht den grundriss optimieren. bloss nicht noch ein klo. einerseits entsteht kein wohnraum, andererseits darf man die wohnqualität offiziell nicht zu sehr verbessern. das soll mal jemand verstehen. denn auch die mieter müssten ja mehr zahlen wenn das eine zimmer in der wohnung auf einmal kein durchgangszimmer mehr wäre. also bleibt der grundriss halt schlecht. da bekomme ich echte hassgefühle. dass der mieter ja vielleicht auch gerne etwas mehr zahlen könnte, wenn er die familie vernünftig verstauen kann, und sich nicht in die hose macht, das ignoriert man. die wohnküchen im berliner zimmer sind ja aus wohnkultursicht mit die besten entscheidungen, ist es doch in der regel ein durchgangszimmer, und die alte küche hat man dann gleich als ein kleines schlafzimmer. die große wohnküche wird aber wohl mein großer unerfüllter traum bleiben. wir haben aber auch kein berliner zimmer, das man wegoptimeren könnte. grafenmässig ist unsere wohnung total uniteressant und quasi kreisfrei. nur kurz habe ich drüber nachgedacht, die küche in den flur zu bauen. das wäre sicher sehr experimentell geworden. aber denke auch, du hast ja alles richtig gemacht. das winzige büro ist auch etwas, was ich voll vertreten würde, wenn du das irgendwie umsetzen kannst. der vorteil ist ja dass du niemanden störst, viel schwerer gestört wirst und dass es dir kein gast wegnehmen kann. ted hughes hat sich mal in einer art winzigen kammer einquartiert als er mit silvia plath in boston wohnte, und gleich noch das fenster mit packpapier abgeklebt, damit er weniger von der aussicht abgelenkt wird. thats dedication. als ich jünger war und zuhause wohnte hatte ich hinter dem kleiderschrank meine denkecke. das ist jetzt leider vorbei, also der kleine raum, nicht das zuhauseleben. lustigerweise hat meine grosstante auch mal den ungenutzten platz bemerkt, und irgendwann mit puzzles die sie schon weggepuzzelt hatte, zugestellt, klammheimlich während ich so in der schule war. als ich dann wieder so ordentlich nachdenken wollte, war ich wirklich sehr irritiert. jetzt im rückblick finde ich es aber lustig, dass mir ungelöste probleme meinen platz für ungelöste probleme streitig machen wollten.

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