[Mittwoch, 14.7.2021 – Vordingsborg, Weiterfahrt nach Schweden]

Ich habe ein Reisemikrophon dabei um dieses Blog aufzunehmen. Hoffentlich stört das nicht, wenn die Qualität sich ändert. Ich habe bereits gemerkt, dass die Eingangslautstarke auf meinem Laptop höher ist. Die Aufnahmen, die ich unterwegs einspreche, sind daher etwas lauter und das Reisemikro wirkt etwas trockener. Man kann es sich aber gut anhören, soweit ich das von unterwegs einschätzen kann.

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Am Morgen sage ich dem Hotelchef, dass ich das Zimmer nicht von aussen verschliessen kann. Er lächelt und sagt: doch das geht. Er zeigt mir den Trick. Ich muss den Schieber auf der Innenseite waagerecht legen, dann kann ich auch von aussen zusperren. Ich ahnte es. Ich sage: andere Länder andere Schlösser. Er sagt: nein, es ist nur ein altes, schrottiges Hotel.

Dann gehe ich duschen. Als ich nass bin, drücke ich auf den Duschgelspender. Aber es kommt nichts raus. Ich schaue mich im Badezimmer um, es gibt auch keine anderen Seifen. Es ist fast schon klischeehaftig.

Der Frühstücksraum im Hotel ist eng. Die Leute tragen keine Masken. Es sind vor allem ältere Menschen, sie werden vermutlich alle vor mir sterben. Aber die Fenster sind geschlossen und zwei Tische weiter hustet ein Mann ständig. Mich nervt das, also stehe ich auf und gehe. Es geschieht selten, dass ich das Frühstück überspringe.

Daher gehe ich ins Dorf und schaue mir die Dinge an. Es ist gar nicht so ausgestorben wie mir der Hotelchef gestern weismachen wollte. Ausserdem ist es in Teilen sogar richtig schön. Unmittelbar neben dem Hotel gibt es eine Einkauffstrasse, mit mehreren Bars und einigen Restaurants. Vier oder fünf nur, aber das ist mehr als nur eine Pizzeria. Vielleicht hatten wir uns bloss missverstanden.
Die Kaffees haben noch geschlossen. Es ist neun Uhr. Das erste öffnet um zehn. Mitten im Zentrum gibt es eine Ansammlung von Ruinen. Es ist ein Park mit alten Mauern. Und darauf steht ein hoher, ziemlich intakter, mittelalterlich anmutender Turm. Ich laufe zu den Ruinen, es gibt ein Besucherzentrum, Menschen arbeiten, sie bereiten vermutlich den Besuch der Touristinnen vor. Ich laufe bis zum Ende hin, da gibt es eine Aussichtsplatform, man kann den Hafen überblicken. Die ganze Anlage, die Größe des Ortes und auch die Dimension des Hafens, das wirkt für mich als wäre dieser Ort einmal wesentlich bedeutender gewesen. Auf dem Rückweg hole ich mir eine Broschüre und in der Tat, war der Ort Vordingborg im Mittelalter eine sehr bedeutende Stadt.
Vordingborg schläft um diese Uhrzeit aber noch, also checke ich aus und fahre los in Richtung Norden.

Dieses Jahr nehme ich die Öresundbrücke anstatt der Fähre in Helsingborg. Üblicherweise nehme ich die Fähren, damit ich die gesamte Fahrt dritteln kann und während der Überfahrten Pausen einlegen kann ohne Zeit zu verlieren. Diesmal bin ich schon mitten in Dänemark, ich entscheide mich also für die Brücke und für die pausenlose Durchfahrt.
Das wird sich eher als Fehler herausstellen. Da ich nur eine Coladose und zwei Snickers bei mir habe, werde ich sehr müde und quäle mich ein wenig. Das schlimme dabei ist: ich checks nicht. Fünf Stunden lang. Erst etwa 20 Minuten vor Ankunft merke ich, dass ich Hunger und Durst habe.
Als ich bei unserem Häuschen ankomme bin ich ziemlich erschöpft. Ich kriege aber sofort zu essen (Wurst und Brot und Wasser) und schon bald geht es mir besser.

Es ist sehr warm hier. Wärmer als in Berlin. Morgen wird es noch wärmer. Um 16Uhr habe ich noch einen Call mit dem Geschäftsführer. Wir müssen noch ein paar Details im Jahresbudget klären. Das war so abgesprochen. Draussen beginnt ein Unwetter. Der Donner bringt die Wände zum Beben. Mein Gesprächspartner fragt, ob ich mich da in einer sicheren Umgebung befinde. Ich versichere ihm, dass das der Fall ist.

Später hört es auf zu regnen und die Temperatur steigt wieder an. Der Schwiegervater beginnt mit der Zubereitung des Abendessens. Meine Frau und ich wollen noch ein Stück spazierengehen. Wir gehen hinunter zum Fluss und laufen noch ein Stück weiter durch den Teil, den ich immer Moor nenne. Das ist kein richtiges Moor, aber es ist eine sehr feuchte Ebene, die im Frühjahr oft vom Fluss überschwemmt wird. Üblicherweise sind in dem Moor immer viele Insekten, aber heute ist es ganz besonders schlimm, vermutlich wegen des Unwetters und wegen der drückenden Schwüle, also der Feuchtigkeit in der Luft. Ich werde plötzlich total nervös, ich werde regelrecht von Pferdemücken überfallen. Ich fange an, wild um mich zu schlagen und überall beginnt es mich zu jucken. Also drehen wir um. Dann ist alles wieder gut.

Nach dem Essen legen wir uns bald schlafen.

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