[Sa/So, 7./8.5.2022 – Reisetage, Dusche, Frühling]

Das Haus abzuschliessen ist letztendlich aufwändiger als gedacht. Am Samstag gegen 11 morgens waren wir aber fertig und brachten den Müll zur Recyclingstation etwa 8km entfernt. Danach fuhren wir südwärts. Ich wählte die etwas längere, dafür geradere Route in Richtung Küste. Uns ist nämlich aufgefallen, dass die Hündin sich niemals auf der Autobahn übergibt, sondern immer nur auf den unruhigeren Landstrassen, auf denen man ständig bremsen und beschleunigen muss. Die Strasse, die ich wählte, ist zwar keine Autobahn, aber eine als Schnellstrasse gedachte Strasse, die selten durch Dörfer führt und auf der man meistens Vorfahrt hat. Es half nicht wirklich. Sie kotzte bald wieder. Wir beschlossen, dass wir ihr am morgigen Sonntag die Reisetabletten verabreichen werden. Es wäre schlecht, wenn sich die negativen Erfahrungen im Auto mit zu vielen negativen Erinnerungen vermengen.
Nachher auf der Autobahn wirkte sie ruhiger.

Wir hatten eine kleine Ferienwohnung an der Schonenschen Küste, unweit von Ystad gebucht. Damit wir am nächsten Tag gleich die Fähre nehmen können. Ich glaube, die schönen Zeiten der Hotels sind jetzt vorbei. Ich habe Hotels immer geliebt und habe Hotels immer diesen beschissenen Ferienwohnungen vorgezogen. Aber mit Hund sind Ferienwohnungen etwas entspannter, das sehe ich ein. Mit Kind möglicherweise auch. Unsere Ferienwohnung war sogar offiziell hundefreundlich, wie am Eingang des Geländes in Grossbuchstaben verkündet wurde.

Nach der langen Fahrt spazierten wir runter zum Wasser, zur Ostsee. An dieser Stelle der Küste befindet sich ein Kieselstrand, oberhalb davon gibt es einen schmalen Weg, auf dem man kilometerlang spazieren kann.

Überhaupt: hier in Südschweden hat bereits der Frühling begonnen. Die Bäume tragen grün, die Wiesen sind schon das, was man saftig nennt. Auf Höhe Göteborg, landeinwärts, da wo wir unter der Woche wohnten, herrscht noch eine andere Jahreszeit. Finde ich sehr interessant. Es gibt in Schweden ja 5 Klimazonen. Die Südspitze Schwedens ist im Winter wärmer als Berlin. Vermutlich wegen der Seeluft. Da wo wir wohnen ist das Klima bereits kontinentaler. Im Frühjahr also noch eine Kategorie kühler.

Duschen. Das is ein ganz besonderes Gefühl. Im Sommer baden wir meist im Fluss. Dafür war es diese Tage noch zu kalt. Wir haben warmes Wasser und so etwas wie eine Nasszelle, man kann sich also Tits-Pits-Slits waschen. Wie oft ich in dieser Woche davon Gebrauch gemacht habe, sage ich jetzt nicht. Als wir in der Ferienwohnung ankamen und mit der Zivilisation in Berührung kamen, hatte ich schon Bedenken wegen meines Körpergeruches. Im Wald verliert man jegliches Gespür dafür.

Danach sind wir müde. Das Essen wird uns in die Wohnung serviert. Aufgrund der Reise und des möglichen Abendprogramms, hatte ich das Spiel von Hertha gegen Mainz eigentlich nicht mehr auf der Agenda. Aber plötzlich ist es 18 Uhr und wir probieren den Skystream ans Laufen zu bekommen.
Dann schauen wir das Spiel. Wenn wir heute gewinnen, sind wir rechnerisch vor dem Abstieg gerettet. Aber weil Hertha immer so gute Geschicht schreibt, verlieren wir genau heute. Das bedeutet, dass wir auf den FC Bayern hoffen müssen, dass der morgen gegen Stutgart gewinnt. Durch einen Sieg der Bayern wären wir auch rechnerisch gerettet.

Spoiler: die Bayern werden am Sonntag nicht gewinnen. Es wird also auf den letzten Spieltag ankommen. Ein Unentschieden würde uns reichen. Aber wir spielen gegen Borussia Dortmund in deren Stadion.

Sonntag:
Wir versuchen der Hündin die 4 Reisetabletten zu verabreichen. Sie ist ein verfressenes Tier und steckt alles in den Mund, was man ihr gibt. Ausser die Reisetabletten, wie sich herausstellt. Ich stopfe die Tabletten in die weichen Hundeköttbullar, aber sie schafft es geschickt, das Fleisch drumrum zu entfernen. Danach liegen 4 Tabletten auf dem Boden. Wir wenden auch Gewalt an, also öffnen ihren Mund und stecken die Tabletten ins hintereste Ende ihres Rachens. Die Tablette landet aber wieder auf dem Boden.
So beschliessen wir, uns erstmal so zu verhalten, als wollten wir ihr die Medikamente nicht mehr aufzwingen, frühstückten selber, packten die Sachen, und dann gaben wir ihr noch einmal Trockenfutter. Mit darin den vier Tabletten. Im Trockenfutter konnte sie die Tabletten nicht mehr identifizieren und so gelangte die Medizin in das Tier.

Es tat ihr gut. Den ganzen Rest der Reise übergab sie sich nicht mehr. Sie schien sogar ein wenig entspannt. Bei einer Pause in Vorpommern stieg sie freiwillig ins Auto.

In Berlin ist es frühsommerlich. Wir kommen an.

2 Kommentare

  1. Also hat der Hundie offensichtlich keine Angst … sondern einfach nur Reisekrankheit. Gut und schlecht zu gleich.

  2. Ah ich verstehe, da gibt es einen Unterschied. War mir gar nicht klar. Was ist schlecht daran? Klingt für mich, als könnte man eher etwas dagegen unternehmen, als gegen Angst. Aber was weiss ich schon.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.