[Mi, 11.2.2026 – Regen, Ubahn, Morgenstunden, Altern wieder]

Huch. Regen. Ein fast vergessenes Wetterphänomen. Es kam mir tatsächlich unwirklich vor.

Nach einer abendlichen Taxifahrt durch den Regen traf ich mich gestern mit LadyGrey, Kid37, Axel und Sakana im Variable an der Karolinenstraße. Als ich neulich nämlich mit Axel beim Griechen saß, dachten wir, wie schön es doch sei, wenn die drei auch dabei wären. Das war eine ganz frühe Bloggerrunde in Hamburg, wir müssten uns alle 2003 kennengelernt haben. Sakana fotografierte damals noch Schafe hinterm Deich. Die sind jetzt aber weg.

Sakana hat seinen alten Kreativjob an den Nagel gehängt und ist jetzt U-Bahn-Fahrer geworden, und ich wollte ihm schon lange sagen, wie schön ich das finde. Das sei für mich durchaus ein Plan B, falls ich irgendwann im Laufe des Alterns keinen Job mehr finde. U-Bahn-Fahren stelle ich mir gut vor. Dummerweise holte er mich mit den Alltagsgeschichten aus seinem U-Bahnnerleben in die Realität zurück. Aber ich lasse mich nicht demotivieren, es bleibt für mich ein valider Plan B – oder C. Oder D.

Er fährt vor allem nachts. Findet er schöner. Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass sich jemand vor die Bahn auf die Gleise wirft. Wie ich erfuhr, geschieht das nämlich hauptsächlich in den Morgenstunden. Ich dachte immer, so etwas geschehe hauptsächlich nachts. Wenn die Dunkelheit sich über einen legt. Sich durch alle Gedanken zieht. Wenn man dann als Fahrer auf offener Strecke einen Menschen auf der Brücke stehen sieht, würde ich vorsichtshalber immer die Augen schließen. Aber nein, es geschieht meistens morgens, in vollen Bahnhöfen. Auf einmal glaube ich, zu verstehen, warum man das gerade am Morgen macht. Man wacht auf, und dieses schwere Monstrum eines ganzen Tages steht vor einem. Ein Kampf. Irgendwann will man nicht mehr dagegen ins Feld ziehen. Das muss der schwierigste Moment sein. Aber was weiß ich schon.

Kid37 erzählt lustige Anekdoten über das Altern. Dabei sieht er noch aus, wie 37. Überhaupt. Altern. Wir redeten viel über das Altern. Ich rede tatsächlich gerne über dieses Thema. Ich gewinne so viel Erkenntnis über das Leben, wie wir alle so unseren Umgang damit gefunden haben. Ganz anders, als Menschen in den Zwanzigern oder Dreißigern. Damals hatten wir alle eine ähnliche Vorstellung vom Leben. Wir wollten eine gute Zeit haben und uns verlieben, und an später dachten wir nie. Beim Altern legen wir uns konkretere Lebensmodelle zurecht. Natürlich, weil wir dazu gezwungen werden, weil wir entweder keinen Job mehr finden, oder eine Raucherlunge haben, oder keine Freunde mehr oder was weiß ich. Und trotzdem haben wir eine gute Zeit. Am Tisch waren wir auch alle kinderlos. Auch so ein spannendes Thema. Werde ich demnächst einmal darüber schreiben.

#

Likes

Schreibe einen Kommentar

To respond on your own website, enter the URL of your response which should contain a link to this post's permalink URL. Your response will then appear (possibly after moderation) on this page. Want to update or remove your response? Update or delete your post and re-enter your post's URL again. (Find out more about Webmentions.)