[Liebe Isa.]

Dein Brief hat mich sehr gefreut. Meine Antwort hat eine unverzeihlich lange Zeit auf sich warten lassen, aber Du musst wissen, ich drehe da gerade so ein Ding. Das nennt sich Tagebuchbloggen. Das ist von den Tagen erzählen und ins Internet stellen. Das hat dann viel Zeit gekostet.

Jetzt weiß ich übrigens wieder was es mit euch und Schotland auf sich hatte. Ja, die Freunde mit dem Haus mitten in der schottischen Landschaft mit dem heißen Bad auf der Wiese!
Freunde von denen ich dachte, warum ich sie nicht habe.
Was mir aus Deinen Erzählungen besonders in Erinnerung geblieben ist, ist das fehlende Internet. Ich schäme mich. Aber vielleicht habe ich mir das auch nur besonders eingeprägt um nicht neidisch zu werden.
Ich bin kein neidischer Mensch, aber fehlendes Internet ist schon Scheiße ein heißes Bad in der kalten Luft auf der Wiese umgeben von Schottland ist schon superspitzenklasse.
Deine Fotos bei Flickr habe ich natürlich schon gesehen. Oh, das spukige, vernebelte Land, wie schön das ist.

Meine Hamburgpläne sind immer noch nicht gediehen, aber da ich ohnehin keine Pläne habe außer Dich und euch zu sehen, ein wenig an der Elbe zu spazieren und Stätten meiner Vergangenheit aufzusuchen, werde ich das eher kurzfristig entscheiden. Wenn irgendwie möglich, fände ich es ja unheimlich toll wiedermal mit euch allen zu essen und zu trinken. Wie damals so oft in der Pfälzer Stube am Schulterblatt. Ich habe gehört sie seien nun in die Schanzenstraße gezogen, ist das wahr? Meinst Du das würden wir hinbekommen? Ich würde mich natürlich sofort melden sobald ich einen Termin festgenagelt habe.

Wie ich Deinem Blog entnehme, hast Du mittlerweile ein neues Buch zum Übersetzen auf den Tisch. Ich frage mich ob Dein Beruf (Zunft, Gilde) nicht womöglich der krisensicherere Beruf ist, anders als bei den Kollegen von den Zeitungen und vom Fernsehen. Ich meine, Verlage wollen natürlich dauernd sparen, aber Bücher werden wiederum immer gelesen (in Zeiten von Pest und Elend nachweislich sogar mehr) und englische Bücher machen davon ja einen großen Teil aus.
Ein unkluger, nicht sehr tiefgehender Gedanke zur Lage der Republik. Deine Nachdenklichkeit bezog sich außerdem nicht so sehr auf die Wirtschaft sondern vielmehr auf Deine persönliche Lage. Es ging ja darum was man wirklich will. Womit die Sache um Zukunftangst sowieso vom Tisch ist. Weil Zukunftsangst, die will man nicht.

Was mich an der Rezession (lustig, gerade hier Rezension geschrieben zu haben) alleinig stört ist meine neue Position als Immobilienhai, während es draußen ein bisschen zu brodeln beginnt, eine Art von Umbruchsstimmung, oder gar Aufbruch, die Zeit, sich mit neuen Entwürfen zu beschäftigen, da ist das erste woran ich bei den andauernden Negativschlagzeilen zur Lage der Wirtschaft denken muss, die kleinbürgerliche Frage zum Kredit den es zu bedienen gilt.
Das ist unerträglich.
Es kommt die Revolution und ich muss die Papiere in Ordnung bringen.
Das muss ich in meinen Entwürfen erst mit einbauen.

Egal. Ich hoffe Du musstest in der Zwischenzeit nicht allzu oft zur Urschreitherapie. Geht es Dir denn gut?
Ich hoffe bald wieder von Dir zu hören. Das freut mich immer sehr.

Herzlichst.

Mek

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