Morgen Abend zieht ein Wintersturm auf, der bis Sonntag anhalten soll. Ich überlege deswegen schon morgen am frühen Abend zurück nach Berlin zu fahren. Sonst hänge ich eventuell das ganze Wochenende in Hamburg fest. Zugegebenermaßen mag ich ja diese Wetterlagen. In den Dolomiten dauerte der Winter fast 6 Monate lang. Wenn Filme mit Schneestürmen beginnen. Autoszenen. Draußen dichte Schneeflocken und Finsternis, die Scheibenwischer wischen gegen die widrigen Umstände an. Ich mochte auch die Szene in Misery, als der Schriftsteller im Schneesturm durch Maine fährt. Das sind Bilder, die meine Kindheit prägten. Was mit dem Schriftsteller danach geschah, mochte ich weniger. Wobei: Er bekam gutes Essen ans Bett gebracht.
Heute war ich mit Lars im Vienna in der Fettstraße verabredet. Wir lernten uns vor etwa zwanzig Jahren im Vienna in der Fettstraße kennen. Er war auf mein Blog gestoßen und las es einmal von vorn bis hinten durch. Danach wollte er mit mir essen gehen. Wir hatten damals einen unterhaltsamen Abend mit Speis und Trank. Deswegen wiederholten wir das noch mindestens zwei Mal. Danach trafen wir uns sporadisch, auf Lesungen, aber auch in Berlin, nachdem ich aus Hamburg wegzog. Jetzt, wo ich unter der Woche immer in Hamburg bin, schlug ich ihm vor, erneut ins Vienna in der Fettstraße zu gehen. Vienna und Fettstraße. Ich weiß nicht, warum ich dem Restaurantnamen immer Fettstraße hinzufüge. Vienna alleine klingt so banal. Die Adresse Fettstraße adelt das Ganze irgendwie. Ich möchte aber nicht eine Adresse in meiner Visitenkarte führen, die auf Fettstraße verweist.
Er aß Kutteln, ich aß ein Wildschweingeschnetzeltes. Am Nachbartisch saßen zwei schwäbische Künstlerinnen, die eine hieß Stefanie Betz und die andere Laura Siebeck. Die eine macht wilde, expressionistische Kunst, die andere eher strenge, geometrische Formen. Beide malen sie und sie stellen gemeinsam aus. Bekannte fanden die Kombination ungewöhnlich und widersprüchlich. Als sie zusammen ausstellten, stellte sich jedoch heraus, dass die beiden, offensichtlich widersprüchlichen Stile, hervorragend zueinanderpassen. Wir hatten einen sehr lustigen Abend. Zuerst nur Lars und ich, danach mit den beiden lustigen und klugen Frauen. Wir redeten über Dialekte, Herkunft, und über das Leben in Dörfern. Wir wohnen jetzt alle in großen Städten. Ich geriet in die Situation, dass ich die Spuk-Elemente aus meiner Novelle erklären musste, das konnte ich aber nicht gut, das sind ja eher die Begleitumstände der Geschichte, das lässt sich nicht erklären. Auch der alte Mann vor zwei Wochen im Krankenhaus, auch der wollte über die Geister aus dem Buch sprechen. Die Geister sind ja nur da, weil man sie nicht hinterfragt. Ich muss mir da einen besseren Pitch ausdenken, ich kann mich nicht wiederholt in langweiligen Erklärungen verlieren.
Schwäbische Künstlerinnen. Das klingt wie eine Typisierung. Das ist ungewollt und unangemessen. Laura wohnt seit Jahrzehnten in Hamburg. Stefanie zwar nicht, aber beide leben von ihrer Kunst. Das muss zuerst mal jemand nachmachen.

Der Link von Stefanie Beck führt zu Stefanie Betz, und die ist Coachin, kunst orientiert. Aus Stuttgart, immerhin. Ist das jetzt die Person aus dem Vienna, in der Fettstraße?
So isset. Jetzt aber mit korrigiertem Namen.