[Tagebuchbloggen. Sonntag, 28.2.2021]

Tenet geschaut. Wegen Christopher Nolan. Einige seiner Filme sind ja wirklich echt Glanzlichter. Memento zum Beispiel. Auch Inception fand ich außergewöhnlich gut. Seine Batman-Trilogie sind mir auch die liebsten Batman Verfilmungen. Und Interstellar mochte ich aufgrund dieser Leere und Verlorenheit im Weltall.
Tenet ist furchtbar kompliziert. Gegenstände die in der Zeit rückwärts gehen und überhaupt, viel zurück in der Zeit bei gleichezeitigem Vorausgehen. Beim Räuspern hat man Angst, dass man ein Detail verpasst und dann den ganzen Film nicht mehr versteht. Ich verstehe ihn trotzdem nicht und akzeptiere einfach, dass der Protagonist durch einen klugen Schritt in die Vergangenheit den Bösen ausschalten kann.
Erstaunlich gut fand ich aber die Musik. Nachdem ich mir zum vierten Mal dachte “tolle Musik” googelte ich den Komponisten (die Handlung hatte mich an dieser Stelle bereits verloren). Er heisst Ludwig Göransson und stammt aus Schweden. Gefreut hat mich allerdings, dass er mit dem Soundtrack zu Tenet in diesem Jahr für den Golden Globe Award nominiert ist. Mein untrügerischer Geschmack und ich. Wir sind zwei richtige Kenner.

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Mit 14 Kilo weniger auf den Rippen habe ich meine alten Kleider anprobiert. Vornehmlich alte Hemden, die ich all diese Jahre aufbewahrt habe. Sie passen mir wieder. Allerdings haben nicht alle Stoffe die Zeit überdauert. Die habe ich aussortiert. Auch Pullover. Und Kleidungsstücke, die ich mit dem Ziel kaufte, sie zu tragen, wenn ich dünner bin. Aber jetzt passen sie geschmacklich nicht mehr.

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Und sonst an dem Text weitergearbetet.

[Tagebuchbloggen. Samstag, 27.2.2021]

Am Morgen stoße ich in einem Artikel über Chicago auf einen Satz, der weitreichende Folgen für mein Weltverständnis hat. Es geht um die Prärie und über “Prärieindianer”. Seitdem die Spanier in Nordamerika Pferde eingeführt haben, änderte sich der Jagdradius der- wie Bitte? Einführung der Pferde in Nordamerika? Hätte man mir gesagt, dass die Pferde von Nordamerika nach Europa eingeführt worden wären, hätte ich das eher geglaubt. An diese Art von Amerika-zu-Europa-Schock habe ich mich längst gewöhnt. Ich denke dabei an Tomaten und Kartoffeln. Aber, dass Winnetous Vorfahren nicht auf Pferden ritten, sonder dies nur kulturell adoptiert ist, wie die Tomatensauce auf der Pizza, das bringt meine Einordnung der Dinge doch gehörig durcheinander.

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Durch den Tag hindurch, arbeite ich an einen längeren Text, den ich seit einem halben Jahr nicht mehr angefasst habe. Ich bin immer noch unschlüssig, ob die Hauptperson ein Mann oder eine Frau sein soll. Als Frau gefällt mir der Text wesentlich besser und was für ein Unterschied, wenn die Rolle von einer Frau eingenommen wird. Da ändern sich ganze Handlungsstränge. Noch arbeite ich an zwei Versionen. Ich bin jedoch mit beiden nicht ganz zufrieden. Bei der Version mit der Frau schaue ich naturgemäß viel kritischer auf Fehler, die Geschlechterrollen betreffen, man wird mir immer vorwerfen können, als Mann nur oberflächlich das Innenleben einer Frau nachempfinden und beschreiben zu können. Diese Schere hängt immer bedrohlich links hinter mir im Raum und liest Buchstaben für Buchstaben mit.
Andererseits schaffen Frauen schon jahrundertelang männnliche Hauptprotagonisten und mussten sich diesen Vorwurf eigentlich nie gefallen lassen. Möglicherweise sind Männer weniger komplex, das wäre lustig. Allerdings ist unsere Kultur seit Jahrtausenden von Männerfiguren durchzogen und Männerfiguren sind in unserer Erziehung schlichtweg präsenter und daher auch für Frauen vertrauter und vermutlich einfacher zu reproduzieren. Was es für Frauen wieder gesellschaftlich schwieriger macht, weil es weniger gute weibliche Rollenvorbilder gibt, die eine breite Strahlkraft haben. Nicht alle Menschen sind rebellisch genug um sich ihr eigenes Vorbild zu sein. Männer haben ja immer tausende Kerle, von Caesar bis Eminem, aus denen man wählen kann.

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Am Nachmittag dann das Spiel gegen Wolfsburg. Wieder eine Niederlage. Wenn auch unverdient. Wiedermal unverdient, wie alle letzte Niederlagen. In meinem Hertha-Umfeld ist mittlerweile ziemliche Panik ausgebrochen. Ich glaube aber nicht an einen Abstieg. Es sind noch 12 Spiele zu spielen. Das trändende Niederlagental, durch das wir gerade schreiten fühlt sich wie eine Schlucht an, aber es waren Spiele gegen die Top 4 der Liga. Dabei haben wir eigentlich immer ein gutes Bild abgegeben. Der einzige Club, der nicht in der Top 4 stand, hat etwas glücklich ein Tor gegen uns geschossen. Jetzt kommen die Gegner auf Platz 5 und abwärts, und das sind ja die Pätze, mit denen wir uns auf dem Papier auf Augenhöhe befinden sollten, also die Europaleague Plätze. Auch wenn die Gegner Dortmund und Leverkusen heissen, aber diese Saison sind das keine Champions League Mannschaften, sondern eben Platz 5 und 6. Und neben diesen beiden, kommen alles Gegner, die auf dem Papier schlagbar sind. Ja, wir werden auch da immer wieder mal verlieren, aber 20 Punkte sind noch drin. Und ich vage zu behaupten: es werden mehr als 20 Punkte.

[Tagebuchbloggen. Freitag, 26.2.2021]

Eine Freundin liegt im Krankenhaus. Ich habe gesagt, sie soll sich bei uns melden, sobald sie ein Telefon hat oder sobald sie wieder bei Sinnen ist.
Es sind schon 9 Stunden vergangen. Ich weiss ja nicht, wie das in den Krankenhäusern logistisch abläuft. Man hat das Telefon schließlich nicht in der Tasche, während man voll narkotisiert auf der Bahre liegt und danach dauert es ja ewig bis man zu sich kommt und bis die Sinne alle zurück sind, vergeht ja wieder Zeit. Wer bestimmt dann, wann man das Telefon wieder bekommt. Als ich vor Jahren im Krankenhaus operiert wurde, wurde ich gewarnt, dass Krankenhäuser ein Hort der Handydiebstähle sei.
Diese seltsame Abgeklemmtheit von der Restrealität. Nicht mal ihr Mann und ihre Kinder können sie besuchen, wir erinnern uns, es ist Corona.

(später ist aber alles gut)

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Heute ist Cheatday. Ich nehme ja gerade ab, seit 4 Monaten, 14 Kilo weniger sind es bisher, aber heute ist Cheat day, das ist schon von langer Hand geplant. Einfach weil es der achtundzwanzigste ist und ich finde einmal im Monat kann man schon mal über die Stränge schlagen. Es gibt Mac&Cheese. Für mich der Inbegriff der Völlerei. Und es gibt Bier.

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Auf dem Nachhauseweg stehe ich mit dem Fahrrad sehr unordentlich an der roten Ampel. Ich stehe vorne an der Linksabbiegerspur für Fahrräder statt an der Linie der Geradeausfahrer. Hinter mir steht eine Fahrradstaffel der Polizei, die ich kurz vorher überholt hatte. Eine Polizistin und ein Polizist. Der Männliche schreit mich an, dass ich da nicht stehen darf. Ich schaue mich um und gehe artig mit meinem Rad rückwärts. Dann springt die Fußgängerampel auf grün und ich fahre los. Er schreit mich wieder an und ruft, dass ich jetzt mal an den Straßenrand fahren soll. Dann kommt er zu mir und erklärt mir die Verkehrsregeln. Ich sage: Herr Polizist, Sie haben Recht. Dann erklärt er mir auch andere Straßenregeln. Ich nicke freundlich und sage: Herr Polizist, sie haben Recht. Er erklärt mir auch warum es wichtig ist, dass das diese Regeln eingehalten werden. Ich sage: Herr Polizist, Sie haben Recht.
Ich habe vor vielen Jahren nach vielen Momenten der Berührung mit der Polizei irgendwann verstanden, dass Polizist:innen nicht dafür gemacht sind, zu diskutieren. Deren Wertgefüge sind Regeln, diese sind schlichtweg durchzusetzen oder bei kleineren Verstößen zu warnen, oder etwas zu ignorieren. Da passt es nicht, nach Grautönen bei Recht oder Unrecht zu suchen. Man bewirbt sich nicht bei der Polizei, wenn man bei Regeln nach Interpretationsspielraum sucht. Da will man drei Sachen: Regeln durchsetzen, ein Auge zudrücken oder Dinge ignorieren. Das ist das Wesen der Polizei. Und das meine ich keineswegs schlecht. Und von den systemischen Skandalen abgesehen, finde ich die Polizei mittlerweile eigentlich eine gute Sache.

Er schreit weiter, er schaut sich auch um, die Leute, die aus dem Laden kommen schenken ihm Beachtung. Es ist ihm wichtig, Präsenz zu zeigen. Seine Kollegin steht mit ihrem Rad etwas abseits. Sie scheint zu lächeln. Ob sie ihn bewundert oder ob sie ihn peinlich findet, vermag ich nicht einzuschätzen. Ich nicke ihm aber zu. ich sage: ja, Sie haben Recht.

Ich merke wie er immer sanfter wird. Laut, aber sanfter, er hat schon angefangen zu lächeln. Dann sagt er zu mir, Sie wissen aber schon, dass das 100€ kosten könnte, aber ich bin heute sehr gut gelaunt. Ich sage: das finde ich super. Danke.

Dann zieht er weiter.

Es ist eine bemerkenswerte Begegnung.

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Zum Cheatday Mac&Cheese gemacht. 500g Käse und 400g Pasta. Dazu natürlich Sahne und Butter. Außerdem trinke ich zwei Biere.
Danach muss ich mich übergeben. Ich habe mich lange nicht mehr übergeben. Ich bin sowas nicht mehr gewohnt. Nach 4 Monaten Diät kennt mein Körper das Alles nicht mehr.

Merke fürs Nächstemal: beim Cheatday ist das Schönste die Vorfreude. Übertreibe es aber nicht gleich.

[Tagebuchbloggen. Mittwoch 24.2.2021]

Achtzehn Grad und Sonne. Ende Februar.

Der Satz steht jetzt hier auf Wiedervorlage.

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Der Unioner, der ständig versucht meine Stickers abzunehmen, kommt nicht hinterher, aber ungefähr alle drei Tage tut er es dann doch. Jetzt habe ich mir etwas einfallen lassen. Das FCU, das ich ständig überklebe, habe ich mit einem “4:0” überschrieben. Vier zu Null war der Endstand des Derbys im Frühjahr.
Das 4:0 habe ich dann mit einem Hertha Sticker überklebt. Was mich dabei ein wenig ärgert: ich werde vermutlich nie seinen Gesichtsausdruck sehen, wenn er den Sticker entfernt.

Aber ich werde die Gefühle kennen. Die Gefühle.

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Morgen habe ich einen Termin mit der Medienabteilung eines Fussball Bundesligisten aus Berlin.
Jetzt weiss ich nicht, was ich morgen anziehen soll, wenn sich die Kameras auf mich richten. Schuhe, die zum Verein passen, zu meinen Ohrringen oder zu meiner Stimmung? Sportliche Jacke oder eher etwas modisches? Jeans oder eher etwas Schwarzes? Hemd oder Tshirt? Hoodie vielleicht? Mit irgendeinem Statement? Hilfe.
Dann den Bart in Form kriegen, der ist in ziemlicher Natürlichkeit verfranst und die Haare, Hilfe, die Haare, meine Coronafrisur habe ich ziemlich ernst genommen, aber damit kann man nicht mit gutem Gewissen vor die Kameras, sie lassen sich eigentlich nur noch mit einem Haarreif bändigen, aber wie sieht das denn aus, ich werde sehen ob diese neue extra harta Pomade hält, was sie verspricht, aber die Matte hinten, das ist eine Atlantikwelle. Ich werde mir einen Einkaufsbeutel überziehen.

Jetzt kann ich nicht mehr schlafen.

[Tagebuchbloggen. Dienstag 23.2.2021]

Achtzehn Grad und Sonne. Ende Februar.

Den Satz hatte ich gestern ja schon so ähnlich begonnen. Kann ich morgen und übermorgen so ähnlich wiederholen.

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Ich hatte einen langen Kennenlernspaziergang mit einem neuen Mitarbeiter aus Russland. Das mache ich mit allen Neuen. Einen kleinen touristischen Rundgang. Reichstag, Kanzleramt, Spree, Friedrichstraße, Unter den Linden, Brandenburger Tor, Stelenfeld, Potsdamer Platz. Während wir über Projekte reden, ist die Summe der Nebensätze einmal europäische Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts im Schnelldruchlauf.

Ich bringe ihn aus Spass zum Sowjetischen Ehrendenkmal an der Strasse des 17. Juni und sage, then it feels a bit like home. Aber er sagt, alles was er gerade nicht will, ist irgendwas Russisches. Ich kann das nachvollziehen. Als ich aus Südtirol wegzog versuchte ich allem, was südtirolerisch war oder nur annähernd nach alter Heimat roch, zu meiden. Nicht die schlechteste Voraussetzung, um irgendwo anzukommen. Es hat aber natürlich auch mit dem Groll zu tun, mit dem man die alte Heimat verlässt.

Dann reden wir über Heimat. Wiedermal.

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Abends die Podcastaufnahme mit Simon aus England und Patrick aus Quebec. Ein gewisser Nick aus Wisconsin kommt dazu. Er war vor vier Jahren das erste Mal (und ich glaube das einzige Mal) in Deutschland. Seine Familie hat einen bayrischen Hintergrund und wollte zum FC Bayern. Er ist zwischndrin nach Berlin abgehauen und ins Olympiastadion gefahren. Seitdem ist er Hertha Fan. Er weiss alles über Jugendspieler über Faninitiativen über die Vereinsstrukturen. So geht das macnhmal.
Wir haben viel Spaß.

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Mir kocht gegen Ende der Aufnahme noch ein Thema vom Wochenende hoch. Als vor Anpfiff des Spieles das Thema #ihrkoennaufunszaehlen angesprochen wird. Wie sich Dennis Aogo und die Moderatorin einig sind, dass homosexuelle Spieler unterstützt werden sollen und dass diese Kampagne Mut machen soll, bzw. die Unterstützung zusichern soll, falls sich ein Spieler nicht länger verstecken will, sondern sein Comingout haben möchte.

Dennis Aogo macht dann mit einem Satz alles kaputt: ich glaube nicht, dass der Fussball für ein Coming Out bereit ist.

Und alle so: nicken.

Ich habe mich sowas von aufgeregt. Was denkt so jemand denn? Gerade deshalb gibt es eine solche Kampagne um den Kollegen zu signalisieren: wir sind bereit und wenn es Unterstützung braucht, dann sind wir für dich da. Du musst es nicht tun, aber wenn du es willst, dann sind wir für dich da.
Und im nächsten Satz sagt ein Ex-Kollege: ich glaube nicht, dass der Fussball für ein Coming Out bereit ist.

Zum Glück ist mein englisches Vokabular nicht gut genug um solche Wutausbrüche rhetorisch zu untermalen. Und das schlimmste ist: niemand scheint das aufgeregt zu haben.

[Tagebuchbloggen. Dienstag 22.2.2021]

Zwölf Grad und Sonne. Ende Februar.

Ich versuche oft zu verstehen, welche Temperatur ich bevorzuge. Heute würde ich sagen: zwölf Grad. Das ist wirklich total angenehm, mit einer Übergangsjacke und Sneakern herumlaufen. Vor allem weil die Sonne schien. Das ist eigentlich perfekt. Letzen Spätsommer gab es einen ähnlichen Moment. Da waren es einundzwanzig Grad und ein mit Wolken verhangener Himmel. Perfektes T-shirt- oder Hemd-Wetter. Aber wenn dann die Sonne herunterbrennt, dann ist es wieder so: mwah.

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Langer Tag im Büro. Musste die Podcastaufnahme verschieben. Sonst nichts zu berichten.

[Tagebuchbloggen. Sonntag, 21.2.2021]

Ich bin sehr früh wach geworden und habe an einen alten Text weitergearbeitet. Mit der mechanischen Tastatur zu schreiben ist beinahe sinnlich.

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Zum Frühstück schauen wir, wie jeden Sonntag, die neuesten Vlogs von Cecilia. Da wir letztes Wochenende verpasst haben, gibt es diesmal drei Neue Folgen. Sie und ihr Freund bauen gerade ihre Hütte in der Arktis aus. Von 55m² auf 110m². Sie läuft auf einem Holzplateau herum und überlegt ob das Badezimmerfenster nicht vielleicht zu hoch ist. Und der Bruder ihres Hundes ist zu Besuch. Ihr Hund wird dabei eifersüchtig. Später äußert sie sich über das schlechte Licht in einem Hotelbadezimmer. Dass man nie gut erkennen kann, ob das Makeup auch richtig sitzt.
Dann besucht sie eine holländische Goldschmiedin, die seit 27 Jahren in Longyearbyen wohnt. Sie hilft ihr einen Etsy Shop einzurichten, damit die ihre Ware online inn den Süden verkaufen kann.

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Um halb vier beginnt das Spiel. Hertha gegen Leipzig. Hertha spielt eigentlich furios auf. Am Ende steht eine Niederlage von 0:3 auf der Anzeigetafel. Die Saison ist so deprimierend.
Ich glaube, ich werde die ganze Woche keine Hertha Podcasts hören. Morgen werde ich an der Aufnahme des englischsprachigen Podcasts mitwirken, das vielleicht eine therapeutische Wirkung auf mich hat, aber den Rest der Woche werde ich mich anderen Dingen widmen. Ich finde bestimmt etwas, da bin ich ganz zuversichtlich.

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Wir wissen immer noch nicht, wie lange der Legionellenbefall und damit das amtliche Duschverbot in unserem Haus anhält. Morgen ist Montag und ich werde wieder ins Büro gehen, ich werde mich also schon waschen müssen.
Da die Legionellen im Warmwassersystem leben, haben wir beschlossen, das warme Wasser nicht zu verwenden. Verboten ist zwar nur das duschen, aber die Legionellen sind ja trotzdem da, wenn man das warme Wasser aufschaltet. Wir kochen also kaltes Wasser auf. In einer amerikanischen Serie habe ich einen englichen Ausdruck für die sogenannte Katzendusche gelernt. Die Serie handelte von einer Gruppe junger Menschen, die irgendwo gestrandet waren. Sie mussten sich waschen und es hieß: Pits and Tits and Slits.
Das ist so schön.

Das wichtigste dabei: ein Schwamm. Man staunt ja wie viel Schaum und Wasser so ein Schwamm aufnehmen kann.

Pits and Tits and Slits.

[Tagebuchbloggen. Samstag, 20.2.2021]

Am Morgen lese ich wieder aus dem Shettland Krimi vor. Nach dreissig Minuten werde ich müde, lese etwas konfus, verspreche mich. Einmal sage ich “Mutter” statt “Tochter”. K versteht den Satz deswegen nicht und bittet mich, ihn zu wiederholen. Daraufhin lese ich wieder Mutter und nicht Tochter. Erst beim Dritten Mal erkenne ich den Fehler.
Dann fallen mir die Augen zu und ich schlafe noch eine Stunde. Dieses vormittägliche Schlafen am Samstag.

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Wir haben wieder Legionellen in unserem Wassersystem 🙁
Schon bevor wir in diesem Haus wohnten, gab es regelmäßig erhöhte Legionellenwerte. Diese wurden immer wieder durch eine spezialisierte Firma unter den Schwellwert gebracht, aber nach wenigen Jahren erhöhten sich die Werte wieder. Vermutlich liegt irgendwo im Haus eine verwaiste Leitung, in der es keinen Durchfluss gibt und wo die Bakterien fröhlich ihre Kolonien bilden. So nennt man das bei Legionellen: Kolonien. Und Werte misst man in KBE’s, also Kolonien bildende Einheiten. Der Grenzwert liegt bei 100 KBE. Unser Wert liegt bei 17400.

Es hängt wieder ein “Merkblatt zur Legionellensituation in diesem Haus” aus. Wir dachten, jaja, wieder ein Legionellen-Merkblatt. Diesmal hängen aber 3 große A4-Blätter und an mehreren Stellen im Haus verteilt und viele Sätze sind in Großbuchstaben beziehungsweise unterstrichen. Es sieht ernst aus. Am einprägendesten ist dabei wohl der rote Satz, dass das Gesundheitsamt hiermit ein Duschverbot ausgeprochen hat. Ein amtliches Duschverbot. Amtliches Duschverbot, amtliches Duschverbot. Das klingt wie in Stein gemeisselt. Aber auch als wäre es ein Verbot des Ministeriums of Silly Walks.

Das ist natürlich großer Scheiss. Vermutlich leben wir schon seit Wochen mit einer erhöhten Konzentration von Legionellen in der Luft. Worauf ich während einer Pandemie von Lungenviren nämlich am wenigsten Lust habe, sind aggressive Bakterien in der Lunge.

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Wir machen einen Spaziergang an der Karl-Marx-Allee. Es ist sehr schön draussen. Frühlingshaft, bei 13 Grad. Die Sonne scheint zart. Die Karl-Marx-Allee ist überhaupt eine der unterschätztesten Straßen der Stadt. Ich finde gerade die Nordseite mit diesen breiten Wiesen und überbreiten Gehwegen bestens für entspanntes Stadtleben geeignet. Echte Berliner meiden die Straße ja total, wegen des Verkehrs vermutlich, aber es gibt für mich einen Unterschied zwischen Verkehr und Urbanität. Die KMA hat mehr Urbanität als Verkehr. Aber gerade die internationalen Neuberliner haben die Allee adoptiert. Das sind die Leute, die in die Plattenbauten dahinter ziehen, die Altbauten sind ja alle bereits belegt. Am Platz der vereinten Nationen eine Schlange für einen Besichtigungstermin. All diese jungen hippen Leute, die in die Platte ziehen, oder nach Lichtenberg oder Spandau. Es war natürlich nur eine Frage der Zeit.

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Schon seit Wochen denken wir darüber nach, einen Lars von Trier Film zu schauen. Wir haben fast alle Lars von Trier Filme gesehen, nur die letzten beiden Filme und Manderlay nicht.
Was uns in den letzten Jahren davon abhielt ist, dass seine Filme immer so viele und so harte Emotionen heraufbeschwören. Ich habe es immer geliebt, wie seine Filme mich aufgewühlt haben. Auffallend auch, wie ich nach seinen Filmen träume, total wild und intensiv. Sie lösen etwas in mir aus. Etwas, das nicht unbedingt gut ist, aber etwas, das sehr erspürbar ist. Als ich “Antichrist” geschaut habe, saß ich auf dem Sofa, aber ich hatte mich ordentlich angezogen, also Hemd und Jackett. Als Schutzschild. Damit ich dem Ganzen nicht zu sehr als Privatperson ausgesetzt bin, sonder es etwas gefilterter auf mich einwirken lassen kann.

Wir sahen wieder die Trailers zu “The House that Jack built” und “Nymphomaniac”. Eigentlich hatten wir total Lust darauf. Aber die Aussicht darauf, den Rest des Abends aufgewühlt zu sein und danach wild zu träumen, darauf kann ich mich momentan nicht vorbereiten.

[Tagebuchbloggen. Freitag, 19.2.2021]

Heute sehr wenig blogbaren Content erlebt. Eigentlich lief es so ab: Ins Büro fahren, Dinge machen, nach Hause fahren. Über das “Dinge machen” gibt es wirklich nichts spannendes zu berichten.

Zuhause dachte ich dann, Mensch mal mal ein WordPress-Upgrade des Blogs, das geht bestimmt schief und dann haste was zu berichten.
Ging leider gut.
Dann habe ich das ganze Betriebssystem des Server upgegraded. Ging leider auch gut.

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Soeben wurde “Wir Kinder vom Bahnhof Zoo” als Serie auf Prime veröffentlicht. Das werde ich sicherlich schauen. Ich habe damals das Buch natürlich gelesen. Wie alle, die in den Achtzigern groß wurden. Und ich habe es sehr geliebt. Vermutlich hat das zu meiner frühpubertären Berlinliebe beigetragen. Diese Kaputtheit der Leute, dieses romantisierte Mäandern durch diese Scheisswelt. Das Buch war natürlich nie als pädagogischer Text gedacht, sondern er war sensationsgeil, romantisiert, schmutzig, in gewisser Weise auch popkulturell wie es Gangsta-rap heute ist.
Und dennoch wurde das Buch pädagogisch behandelt. Von debn Erwachsenen in Südtirol jedenfalls. Um die böse Welt der Prostitution und der Drogen vorzuführen. Mich hat das Buch aber überhaupt nicht von den Drogen ferngehalten. Im Gegenteil, Drogen wurden für mich magisch.

Den Film fand ich eher schlecht. Zu jener Zeit waren allerdings alle filmischen Umsetzungen von Textvorlagen schlecht. Seit es das Serienformat gibt und Erzählungen damit auch einen größeren Entfaltungsraum bekommen, funktionieren Romane auf dem Bildschirm wesentlich besser. Man braucht ja auch für einen Roman viele Stunden und nicht nur 90 Minuten.
Ich bin sehr gespannt über die Umsetzung, zumal das Drehbuch von Annette Hess geschrieben wurde, die ich zur Zeit als eine der modernsten und innovativsten Drehbuchschreiberinnen hierzulande wahrnehme.
Jetzt nur noch die richtige Zeit dafür finden. Das kann ich nicht so nebenher gucken.