[Freitag, 16.4.2021]

Eine Freundin kam auf einen Kaffee bei mir am Potsdamer Platz vorbei. Sie war auf dem Weg, ihren Mann vom Büro abzuholen und hatte noch etwas Zeit, also trafen wir uns draussen auf einem Plausch. Sie hatte ihre 2 jährige Tochter dabei. Letzten Sommer hatte ich der Tochter ein Schokoladeneis gekauft und seitdem ist sie meine Freundin.

Auch heute bekam sie natürlich ein Eis von mir.

Ihrem Vater erzählte sie nachher: ich habe heute meinen Freund Markus getroffen und er hat mir ein Eis geschenkt. Mama war auch dabei.

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Ausserdem habe ich mir im Büro ein Headset bestellt. Ich hatte mich bisher auf In-Ear Kopfhörer mit eingebautem Mikro beschränkt, weil Headsets mit ihren Bügeln und Mikrophonstangen ja immer Scheisse aussehen. Für so etwas bin ich zu eitel. Weil ich aber fast den ganzen Tag lang über Hangouts kommuniziere, habe ich ständig Plastikstöpsel in meinem Ohr, was jetzt unweigerlich zu wunden Ohren geführt hat. Links ist es sogar schon entzündet.

Das Headset liegt schön weich auf meinen Ohrmuscheln auf. Kein Druck, kein Scheuern, keine Stellen, die sich abends wund anfühlen.

Das wird mich in meinem Leben jetzt immer öfter begleiten, dass ich die Eitelkeit der Bequemlichkeit und der Gesundheit opfern muss.

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Am Abend treffe ich meine Frau am Alex. Wir schlendern den ganzen Weg nach Hause.

[Donnerstag, 15.4.2021]

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Und schon wieder fast Wochenende.

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Heute morgen bin ich wieder in eine Polizeikontrolle geraten. Unweit meiner Wohnung gibt es eine für Fahrradfaherinnen total unnötige und sogar gefährliche Abbiegepflicht. Es ist schwierig, diese Verkehrssituation in einem Text zu erklären, deswegen überspringe ich diesen Teil. Aber man sollte wissen, dass diese Regeln an dieser Stelle von vielen Menschen ignoriert wird. Wie der Großteil aller Verkehrsregeln, wurde die Abbiegepflicht in diesem Teil des Kiezes natürlich wegen Autos eingeführt und weil man bei der Verkehrsplanung traditionell immer an Autos denkt, entstehen total blödsinnige Regeln, an denen sich Fahrradfahrerinnen nicht halten.
Für den Autoverkehr macht die Regel total Sinn aber auf dem Fahrrad begibt man sich in zwei sehr gefährliche Situationen und man wählt daher die ungefährliche Variante, weil man auf dem Rad sofort versteht, dass die Regel für den Fahrradverkehr unsinnig und gefährlich ist.

Das Problem ist. Auch Autos ignorieren diese Regel oft. Das hat sich wohl bis zur Polizei herumgesprochen. Deshalb stand heute die Polizei an besagter Stelle und fischte Auto um Auto raus.
Und natürlich auch mich.

Ich habe gelernt: diskutiere nie mit der Polizei. Siehe dazu auch einen anderen Beitrag. Die Polizei kennt keine Grautöne und sie will recht haben. Ich finde das auch OK. Das ist ihr Job.

Ich grüße den Herrn und sage gleich: ich ahne, was das Problem ist.
Dann antwortet er: wenn Sie wissen, was das Problem ist, warum machen Sie es dann?
Ich antworte: ich könnte das erklären, aber das bringt ja nichts
Er fragt: Warum bringt das nichts?
Ich sage: Weil ich ja etwas Regelwidriges getan habe
Er sagt: Versuchen Sie es doch zu erklären
Ich sage: nein, weil dann diskutieren wir hier nur rum und Sie werden die Regel für mich ja nicht ändern
Er denkt nach und sagt: das stimmt auch wieder

Wir pausieren kurz. Dann sagt er: fahren Sie. Aber das nächste Mal kostet es 30€

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Ich habe jetzt ein eigenes Büro. Eigentlich mag ich kein eigenes Büro. Zum einen, weil ich Einzelbüros so als überholtes Statussymbol für Chefs empfinde aber ich liebe einfach Großraumbüros. Das war immer schon so. Ich mag den Kontakt mit Menschen, wenn ich im Büro bin. Den Austausch, die kurzen Wege, ich weiß, was los ist, die positive Teamdynamik die in den Gruppen entsteht, die ganz anders ist als wenn Leute zu zweit oder zu viert in ihren Hamsterställen sitzen. Zumindest wenn die Leute entsprechend positiv zueinander stehen oder bereit dazu sind. Aber ich weiß schon, das ist immer ein Thema mit unterschiedlichen Farbtönen.

Jetzt Einzelbüro. Weil ich so viele Calls und Telefonate und vertrauliche Gespräche führe, dass ich ohnehin immer in einem kleinen Besprechnungsraum auf dem Sofa sitze, hat man mir jetzt einen Schreibtisch hineingestellt und einen Monitor und eine Tastatur. Das soll jetzt mein festes Büro werden. Dass man mich fragte, ob ich eine mechanische Tastatur haben möchte, hat mich am meisten gefreut. Womöglich bin ich beim Thema Tastaturen etwas verhaltensauffällig. Jetzt habe ich eigentlich zwei Arbeitsplätze. Im Großraumbüro mit mechanischer Tastatur. Und das Gleiche nochmal in meinem neuen Einzelbüro. Mit dem Laptop wandere ich dann hin und her.
Und das Sofa habe ich auch noch da.

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In Herthas Mannschaft und Trainerstab ist Covid ausgebrochen. Morgen wird vermutlich verkündet, dass die nächsten drei Spiele nicht ausgetragen werden dürfen. Das bedeutet, dass wir diese Spiele irgendwann in einer kurzen Zeitspanne alle einmal nachholen müssen. Es sind noch sechs Spiele bis Saisonende. Drei werden wir sicherlich nachholen müssen. Vielleicht auch vier. Diese Spiele werden wir irgendwo unter der Woche reingeschoben bekommen und müssen dann jeden dritten Tag ein Spiel absolvieren. Bis die Knochen brechen. Und wir stehen einem Platz über den Abstiegsrängen.

Würden wir absteigen, wäre es eine dieser Geschichten, die zu Herthas Vereinsgeschichte passen würde.

[Dienstag, 13.4.2021]

Bis vor einigen Wochen hatte ich immer Kabelkopfhörer. Neuerdings habe ich Bluetoothkopfhörer.
Wenn ich aus dem Haus gehe, höre ich immer Podcasts. So auch heute, als ich gutgelaunt die Wohnung verließ, die Treppe hinunter lief, im Innenhof das Fahrrad aufsperrte, durch das Haus hinaus auf die Straße ging, mich auf das Fahrrad schwang und losfuhr. Bis zwei Häuser weiter das übliche Stottern begann, wie man es kennt wenn beim Sprechen die Telefon- oder Internetverbindung vom jemandem abbricht.

Ich dachte nur: schlechte Aufnahme. Als eine Straße weiter das Audio nicht zurückkommt, halte ich an um auf mein Telefon zu schauen. Ich hatte es nicht dabei.

Dieses innere Bild, wie das Handy neben meinem Bett liegt und verzweifelt versucht, mir meinen Podcast durch halb Berlin zu senden.

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Am Abend einen Freund für einen kurzen Plausch getroffen.

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Ah und wir haben wieder eine verliebte Nachtigall im Hof. Ich frage mich manchmal, ob es immer die Gleiche ist und jedes Jahr zurückkomt.

[Montag, 12.4.2021]

Mein Plan, Wahlhelferin zu werden und dadurch in die Impfgruppe 3 zu rutschen, wird vermutlich scheitern. Ich habe erfahren, dass man im Besitz der deutschen Staatsbürgerschaft sein muss, um dafür infrage zu kommen. Damit ist das hinfällig.
Ich wollte schon vor 4 Jahren die Staatsbürgerschaft beantragen um in diesem Land wählen zu dürfen. Das war damals genau wie jetzt, ein paar Monate vor den Wahlen. Aber ich war vier Jahre lang zu faul dafür. Vermutlich ist es mir nicht wichtig genug. Jetzt finde ich einigermaßen lustig, dass wieder Wahlen anstehen und ich mich wieder in der Staatsbürgerschaft eingeschränkt fühle. Meine Verhaltensmuster sind ziemlich unterkomplex. Und dann darf ich nicht Mal bei den Wahlen helfen.

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Gestern habe ich ja AAA-Batterien bestellt. Heute sind sie gekommen. Ich brauchte offenbar aber AA-Batterien. Ich kann mir die Anzahl AAAAAA’s nie merken. Es ist nicht das erste Mal, dass mir das passiert. Ich liebe viele AAAAAA’s beim Schreien. Zwei AA’s sehen seltsam unauthentisch aus.

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In Longyearbyen wird es schon nicht mehr richtig dunkel. Es ist irre, wie schnell das geht. Vor einem Monat, am 8.3. ging das erste Mal die Sonne auf, jetzt Mitte April wird es nachts schon nicht mehr richtig dunkel. Es ist Mitternacht, im Norden sieht man noch die Ausläufer eines Sonnenuntergangs.

Hier die Webcam.

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Eine Freundin hat mir ihre alten Keycaps geliehen. Also Tastenkappen für meine Tastatur. Ich habe ja ein OEM Tastenprofil, das ich eher als breit empfinde und ich wollte Cherry-Profile probieren, ob ich damit besser tippen kann.
Jetzt stellt sich raus: die geliehenen haben das gleiche Profil. Das bedeutet, dass ich bereits Cherry-Profil hatte. Also baute ich alles wieder zurück.
Nun werde ich auf die Keycaps warten, die ich im Netz bestellt habe, die sind in einem altmodischen DSA Profil. Sie kommen von einer obskuren Herstellerin aus den USA, der Liefertermin ist Mitte Mai.

Mittlerweile bin ich mir gar nicht mehr so sicher, ob ich überhaupt neue Keycaps will. Ich habe mich bereits an diese Tasten gewöhnt und habe sie auch sehr zu schätzen gelernt, man merkt, dass sie sehr hart sind, das ist ein sehr schönes Gefühl.

[Sonntag, 11.4.2021]

Heute bin ich das erste Mal ohne Jacke aus dem Haus gegangen. Das war ein seltsames Gefühl. Ein schönes Gefühl, aber ein seltsames Gefühl. Dieser einsame Ausstecher auf zwanzig Grad. Gestern war Regen und zehn Grad, morgen auch wieder. Aber heute: zwanzig Grad und Sonne.

Wir hätten die Gelegenheit nutzen und Fenster putzen können. Aber das fühlte sich sehr nach verschwendeter Zeit an. Deswegen haben wir stoßgelüftet. Alle Fenster geöffnet und etwa eine Stunde lang die ganze Wohnung durchpusten lassen.
Eine Freundin erzählte mir neulich, sie würde jeden Tag die Fenster öffnen um durchzulüften. Ich sage jetzt nicht in welchem Jahr ich das Fenster in meinem Arbeitszimmer das letzte Mal geöffnet habe.
Ich habe nicht das Gefühl, dass es im Nachhinein einen großen Unterschied gemacht hat, ich finde die Luft hier drin ziemlich wie immer. Aber dieses Aufreissen der Fenster und dieses Gefühl, jetzt lasse ich mal die Wohnung mit Frühlingsluft durchfluten, ja für sowas macht man es ja, oder? Für dieses Gefühl habe ich es getan.

Auch die Weihnachtsbeleuchtung haben wir heute abgebaut. Zumindest eine der drei Lichterketten. Die Lichterketten an den Stühlen an der Wand und auf dem Stierkopf haben wir hängen gelassen. Zum einen weil ich sie zu kompliziert verwickelt habe, aber auch, weil sie uns mittlerweile ganz gut als Raumbeleuchtung gefallen. Vor allem der Stier.

Die andere Beleuchtung war allerdings etwas missglückter. Jene Lichterkette war an der Gardinenstange im Wohnzimmer befestigt und wollte ihren Zweck irgendwie nie richtig erfüllen. Daher nahm ich sie ab.
Weil ich zu faul war mir eine Leiter zu holen, versuchte ich sie vom Boden aus abzulupfen, also mit Lupfbewegungen vom Gestänge abzukriegen. Ich hätte es vorhersehen können, dass das nicht funktioniert, ich hätte es vorhersehen können, dass ich die komplette vier Meter lange Gardinenstange samt Gardinen und Schrauben aus der Wand reisse.

Danach erst Mal lange spazieren gegangen.

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Viel Zeit in der Küche verbracht. Restgemüse zusammengeschnitten und in den Ofen geschoben. Außerdem habe ich eine Haferschleimsuppe zubereitet. Dieser Name. Ich suchte im Internet nach alternativen Namen, es geht sicherlich anders, als Nahrung mit Schleim in Verbindung zu bringen, aber andere Bezeichnungen als Haferbrei finde ich nicht und Haferbrei ist eigentlich doch wieder etwas anderes. Der Name sagt vermutlich etwas über die Menschen und ihre Beziehung zum Essen aus. Mehlschwitze. In Südtirol gibt es die Brennsuppe, das klingt auch nicht wesentlich besser. Sicherlich gibt es einen historischen Bezug zur Armut der Leute.
Läge Berlin Frankreich, hieße es bestimmt “Hafergold” oder “Suppe aus dem lieblich sich windenden Loiretal”. Haferschleim. Das könnte eine Suppe aus einem BDSM-Keller sein.

[Tagebuchbloggen. Samstag, 10.4.2021]

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Ich stand auf, tat belanglose Dinge, dann war das Fussballspiel gegen Gladbach, dann tat ich belanglose Dinge und gleich ist Bettzeit.

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Eigentlich wollten wir diese neue Serie “Them” sehen. Eine Horroserie über eine schwarze amerikanische Familie, die im Los Angeles der Nachkriegsjahre in eine weisse Nachbarschaft zieht und dort Horror erlebt. Anfangs denkt man, dass es schlichtweg um Nachbarschaftshorror mit einer sozialkritischen Nuance gehen wird, aber es kommt dann schon etwas klassisch Übersinnliches, das böse Dinge tut, ins Spiel.

Nach etwa 7 Minuten verfingen wir uns in eine Diskussion über den Film “Antebellum”, den wir bereits vor einigen Wochen gesehen hatten. Auch jener Film behandelt das Thema Hautfarbe und wir waren uns damals total uneinig.
Nach wenigen Minuten kam jenes Gesprächsthema wieder hoch und die steigenden Lautstärke unserer Stimmen verriet uns, dass wir das Thema offenbar noch nicht zu Ende besprochen hatten. Da wir von der Serie nichts mehr mitbekamen, war meine Frau so klug, auf den Pause-Knopf zu drücken.

Wir vertraten zwei sehr gegensätzliche Meinungen über die Auswirkungen des Films. Ich werde den Inhalt der Diskussion jetzt nicht im Detail wiedergeben, da es den Rahmen sprengen würde, aber die Essenz des Streitgespräches war, dass für mich der Film lediglich eine Art Jurassic Park mit rassistischem Thema war.
Der Plot des Films geht so: eine erfolgreiche, schwarze Frau wird entführt und findet sich auf einer Baumwollplantage, samt Herrenvolk, Konföderiertenflagge und Sklaven wieder. Am Ende schafft sie es zu flüchten und man erfährt, dass es ein privates Gelände von Rassisten in der Jetztzeit war.
Die Diskussion entflammte sich schon vor einigen Wochen an der Frage, ob es für mich schlimmer gewesen wäre, wenn sich dieses private Gelände in der Vergangenheit befunden hätte oder, dass es in der Jetztzeit angelegt ist. Für mich war es klar, dass es schlimmer gewesen wäre, wenn sie durch die Zeit in der Vergangenheit gelandet wäre. Weil sie dann nach der Flucht ja immer noch diese 180 Jahre vor sich gehabt hätte um sich am Rassismus abzuarbeiten bis dahin, wo wir heute sind. Das Problem ist ja längst noch nicht vorbei, aber es hat sich in den letzten fast zwei Jahrhunderten schon viel getan. Wenn sie in der Jetztzeit flüchtet, kann sie sich in der Gegenwart, mit allen Rechten, die sie als Frau und als Schwarze hat, an den Peinigern rächen.
Meine Frau fand es wesentlich deprimierender, dass diese Plantage in der Jetztzeit angesiedelt war und zwar, weil die Frau mit den daraus resultierenden Traumatas (es passieren sehr schlimme Dinge in dem Film) in der Jetztzeit leben muss und diese Selbstverständlichkeit, dieses selbstbestimmte Leben, das sie sich als schwarze Frau aufgebaut hat viel fragiler geworden ist und die kleinen, beiläufigen, alltäglichen Rassismen im Restaurant, an der Rezeption, beim Einsteigen in ein Taxi, ein ganz anderes Gewicht bekommen.

Im Laufe der nächsten Stunde erfahren wir wieder viel über die Fremd- und Eigenwahrnehmung unserer Hautfarben, aber vor allem auch über Geschlechter und das Selbstverständnis, mit dem wir durch das Leben gehen.
Nach einer Stunde sind wir wieder halbwegs versöhnt und drücken auf den Play-Knopf. Die Serie stand immer noch bei Minute sieben.

Mir gefiel die Serie nicht. Das lag aber mehr an der Unglaubwürdigkeit der Figuren.

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Später habe ich Dinge im Internet bestellt. Tastenkappen für meine mechanische Tastatur, AAA-Batterien, ein Ladegerät für AAA-Batterien, Pflaster, eine medizinische Schere, einen Akku für das Festnetztelefon, eine Pomade, die nach Holz und Patchouli riecht, ein Küchenthermometer, einen Omelettenwender und ein Schneidebrett aus Kunststoff.

[Tagebuchbloggen. Freitag, 9.4.2021]

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Ich habe gehört, dass für den 12.9. Wahlhelferinnen gesucht werden und diese Tätigkeit mit einer vorgezogenen Impfung belohnt wird. Das klingt für mich sehr verlockend. Ende Mai würde ich geimpft werden und im Tausch dagegen stehe ich dann einen Sonntag lang in irgendeinem Wahllokal in Berlin und mache Sachen. Rumstehen oder Zählen oder Kärtchen verteilen. Und es wird sicherlich irgendwas spannendes passieren. Alles im Dienste der Demokratie. Das mag ich total, ich bin weit davon entfernt, überfordert zu sein.

Der Tag fällt auf einen Sonntag. Das einzige Problem könnte sein, dass Hertha spielt, das würde mich sicherlich sehr ärgern. Da die meisten Spiele jedoch am Samstag stattfinden und am Sonntag nur zwei der insgesamt neun Partien, gibt es eine statistische Wahrscheinlichkeit, für die es sich zu hoffen lohnt.

Aber dann: Impfdränglung. Ich möchte kein Impfdrängler sein. Bin ich ein Impfdrängler? Warhscheinlich schon. Aber wenn es der Staat anbietet? Dann immer noch, aber ich kann das schlechte Gewissen auf den Staat abwälzen. Also melde ich mich an.

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Das Herumstehen in der Kälte ist mir gestern nicht gut bekommen. Ich bin sonst nicht anfällig für Kälte, aber gestern hat sich das offenbar anders auf mich ausgewirkt. Als ich nach Hause kam behielt ich den ganzen Abend lang eine kalte Nase. Ich probierte vieles, hielt lange meine Nase mit den Händen fest, setzte mich an den Heizkörper auf den Boden, bedeckte meine Nase mit dem Tshirtkragen und hauchte warme Luft in mein Tshirt hinein, aber es half alles nichts. Erst gegen elf Uhr, als ich einen Früchtetee trank, kam sie auf Temperatur zurück. Kalte Nase, Himmel. Kannste ja keinem erzählen.

Heute bin ich deshalb etwas kränklich. Ich wusste es nur lange nicht. Am Nachmittag bin ich quengelig und als ich merke, dass ich krank bin, beschließe ich Feierabend zu machen und schon geht es mir besser.

[Tagebuchbloggen. Donnerstag 8.4.2021]

Die Entlassung des Torwarttrainers bei Hertha BSC hat nun die Staatsebene erreicht. Die ungarische Regierung bestellt einen Vertreter der deutschen Botschaft in Budapest ein, da sie die Meinungsfreiheit in Deutschland gefährdet sieht. Der Satz ist so schön, man muss ihn wiederholen, damit man auf der Zunge großzügig den roten Teppich ausrollen kann. Ich mache es nochmal. Die ungarische Regierung bestellt einen Vertreter der deutschen Botschaft ein, da sie die Meinungsfreiheit in Deutschland gefährdet sieht.

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Eine Freundin war vor einigen Wochen unter etwas dramatischen Umständen ins Krankenhaus eingeliefert worden und so kam in unserer Telegram-Gruppe die Idee auf, ihr ein Krankengeschenk zu kaufen und ihr dann einmal gemeinsam zu überreichen.

Vor einiger Zeit erlebte ihre Familie einen Wohnungsbrand in dem so gut wie alles verloren ging. Gegenstände, Möbel, Instrumente, Fotos, Bücher. Auch ihre Hertha Trikotsammlung.
Weil sie uns oft Fotos schickte, auf denen sie als kleines Mädchen in einem weissen Hertha-Trikot mit ihren Stars posierte, machten wir uns auf die Suche nach genau jenem Trikot. Und wurden fündig.

Heute dann: eine von uns war mit ihr am Potsdamer Platz verabredet und wir anderen beiden warteten aufgeregt auf einer Parkbank im Tiergarten.

Wie sie dann so ahnungslos auf uns zukam und Sekunde um Sekunde verstand, was da gerade abging.

Wir hatten einander ohnehin ewig nicht mehr gesehen und so standen wir lange in der Kälte herum in einem Coronakreis. Coronakreis, das kann man ja so nennen, dieses seltsame kontaktlose Herumstehen im Freien im Kreis. Ich mag das mittlerweile.

[Tagebuchbloggen. Mittwoch, 7.4.2021]

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Heute bin ich sehr, sehr früh ins Büro gefahren. Das Problem mit dem früh ins Büro fahren ist, dass man dadurch nicht früher wieder aus dem Büro heraus kommt. Es heisst nur, dass man früher ins Büro gefahren ist.

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Am Abend bin ich auf einen alten, lustigen Text in meinem Blog gestossen, den ich schon vor mehr als zehn Jahren einmal auffrischen wollte, aber dann völlig vergessen habe. Er ist sehr schlampig dahingerotzt es ist aber eine ungemein gute Geschichte. Nein, ich verlinke den Text noch nicht. Ich schäme mich ein bisschen dafür, wie schlampig dahingerotzt er daliegt.

Überhaupt bin ich in letzter Zeit immer wieder auf einige alte Texte gestoßen. Indem ich auf Links klicke, die mein Statistiktool als aufgerufene Beiträge erfasst, gelange ich immer wieder auf Texte, die ich total vergessen hatte. Es sind einige gute Sachen dabei. Ich werde sie demnächst mal aufhübschen und in einer Playlist zusammenfassen. Vielleicht lese ich sie auch ein.

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Den ganzen Abend lang habe ich einen Megahunger. Da ich über Ostern vier Tage lang ein bisschen Bier getrunken und auch mehr gegessen habe als sonst, ist mein Appetit wieder zu seinem Sehnsuchtslevel von früher zurückgekehrt. Ich mag das englische Wort “craving”. Wenn ich in den Kühlschrank schaue, dann tut mein ganzer Körper craven, ich stelle mir dieses Craven so vor als kämen zahlreiche cravende Hände aus mir heraus und wollen nach dem Essen greifen um dieses cravende Loch in meiner Körpermitte zu stopfen.

To crave heisst auf deutsch Verlangen, Gier, Gelüste haben. Das geht auch. Verlangen vor allem, da sieht man ehesten Hände aus meinem willenlosen Körper ragen. To crave kommt mir visuell aber etwas besser hoch, vermutlich weil dieses “Raven” drinsteckt und dieses Verlangen in mir etwas rabenartiges hat. Dunkel, bei scheinendem Licht aus dem Kühlschrank. So wie das, öhm, Raben eben tun.