Nur eine Woche weg gewesen und das Gras im Park ist plötzlich kniehoch geworden. Vorletzte Woche ähnelte die Wiese noch einem Tundraboden. Heute kam dann schon die große Mähmaschine. Das ist eine beeindruckende Maschine mit einem tiefen Sound. Ein ganz anderes Kaliber als mein 300-€-Mäher. Die Maschine vom Grünflächenamt ist eher ein kleiner Lastwagen mit eingebautem Schneidewerk und auf der Ladefläche befindet sich der Sammelbehälter für geschnittenes Gras. Ich schaute der Maschine eine ganze Weile bei der Arbeit zu, vor allem das Entleerungsmanöver fesselte mich. Wie die Maschine ihren Sammelbehälter in einen großen Baucontainer umlud. Neben mir standen zwei Schuljungs, die auch ziemlich beeindruckt waren. Sogar meine Hündin machte große Augen.
Abends war ich dann bei der Friseurin. Weil ich in meine Haare so viel Pomade eingearbeitet hatte, wollte ich vorher nach Hause, um sie zu waschen, aber ich kam so spät aus dem Büro raus, dass ich mich verspätete, also fuhr ich direkt zu ihr. Ich weiß nie so gut, ob es moralisch verwerflich ist, mit schmutzigen Haaren zur Friseurin zu gehen, zumal mich diese Friseurin nie zu ihrem Waschbecken bittet. Sie schneidet die Haare einfach im trockenen Zustand. Vor vielen Jahren war ich einmal bei einer Friseurin, die zog sich Plastikhandschuhe an, als sie mir die Haare schnitt. Ich glaube, es lag nicht an mir, weil sie die Handschuhbox prominent auf ihrem Wägelchen platziert hatte und ich an jenem Tag mit frisch gewaschenen Haaren erschienen war. Wie eigentlich immer. Ich fühlte mich dennoch komisch. Aber nachvollziehbar. Ich hätte echt keine Lust, den ganzen Tag mit meinen feuchten Händen in der Kopfbehaarung von anderen Menschen herumzufummeln. Aber ich habe auch einen anderen Beruf gewählt.
Meine Frau wurde heute von zwei Krähen angegriffen. Sie hatte bereits von ihrem Büro aus einen länger währenden Vogellärm wahrgenommen, es gab aber keinen Anlass, sich darüber Gedanken zu machen. Beim Verlassen des Büros wurde sie dann von zwei großen Nebelkrähen attackiert, die es gezielt auf ihren Kopf abgesehen hatten und zwei Mal richtig fest darauf einhackten. Danach legte sie sich schützend ihre Tasche über ihren Kopf.
Nun ist es nichts Ungewöhnliches, in Berlin von Nebelkrähen attackiert zu werden. Aber die Vögel konnten nicht wissen, dass meine Frau ungefähr die größte Krähenliebhaberin südlich von Westeros (Västerås) ist. Lustigerweise passt meine Frau optisch in die Riege der Hitchcock-Schauspielerinnen und hätte die Rolle von Tippi Hedren in Hitchcocks Film „Das Federvieh“ locker übernehmen können. Ich stellte mir die Szene heute ungemein ästhetisch vor.
Seltsam offene Enden heute.
In der Friseurausbildung vor etwa 100 Jahren gehörten Handschuhe ganz selbstverständlich zum Arbeitsschutz . Ganz selbstverständlich hat auch fast niemand welche benutzt. Aber es gab viele Kolleginnen, die Hauptprobleme oder sogar starke Allergien entwickelt haben. Nicht sofort und auch nicht nach 3 Monaten. Insofern ist es eigentlich eher erstaunlich, dass man so selten mal eine Friseurin mit Handschuhen erlebt.
Hautprobleme natürlich
Interessant. Wusste ich nicht. Ich stellte mir auch oft die Frage, wie man mit diesen ständig feuchten Fingern umgeht. Das kann ja nicht gut ausgehen.
„Ich stellte mir die Szene heute ungemein ästhetisch vor.“ – irgendwie löst dieser satz bei mir unbehagen aus. wahrscheinlich weil das so in die richtung geht wie „der tod einer schönen frau ist wahrlich das poetischste thema der welt“. also die ästhetisierung von leiden oder gefahr. für mich war dieser film immer absolut alptraumhaft. tatsächlich kann es, so weiss das internet, zu dieser jahreszeit zu krähenangriffen kommen, weil die jungen flügge werden und die eltern sie beschützen wollen wenn jemand zum nest kommt. als betroffene würde ich mir jedenfalls mehr mitgefühl und weniger ästhetische schwelgerei wünschen. andererseits: lustigerweise kenne ich sogar ein haus, vor dem ein krähenwarnschild steht. Es sieht ungemein finster aus, als müssten dort vampire wohnen, es hat einen turm, und es ist mit kameras gesichert. ich komme aber so viermal wöchentlich dort vorbei, und habe aber niemals eine krähe gesehen, gehört, oder bin auch nicht im entferntesten von einer angegriffen worden. vielleicht warten die krähen dort auf nordisch wirkende blondinen, oder die vampire wollen so vermeiden, dass man zu lange stehen bleibt, um sie hinter den blicklosen fensteraugen auszuspähen, ich weiss es nicht.
Okay ich sollte an dieser Stelle vielleicht hinzufügen, dass meine Frau das Filmplakat von den Vögeln im Profilbild hatte. Tod einer schönen Frau ist jetzt nicht wirklich etwas erstrebenswertes. Aber sie starb in den Film dich nicht, oder?
nein, sie überlebt im Film allerdings nur, weil sie von Helden kurz vor knapp gerettet wird. es muss ja nicht der Tod sein, aber die positive ästhetisierung weibliche leidens als Basis von Kunstwerken (+sagen wir mal, der heilige Sebastian, der hier eine Vorzugsrolle unter den männlichen heiligen hat, denen solche Funktion normalerweise nicht zukommt) hat wirklich etwas leicht ungesundes. als Kontext muss man auch verstehen, dass Hitchcock eine auch eher ungesunde und obsessive Beziehung zu seinen Hauptdarstellerinnen hatte und sie in den Filmen oft anscheinend bewusst körperlich gequält wurden. ich zitiere mal aus dem Guardian:
„She claims he once threw himself on top of her and tried to kiss her while they were travelling in his limousine. The next day on set, while filming the famous phone booth scene in which Hedren’s character is attacked by birds, she says one of the mechanical crows broke the supposedly shatterproof glass, shards of which hit her in the face. She also says that in a scene where her character was attacked by birds in a bedroom she was told the mechanical birds would not work, and that they would have to use live ones.
She allegedly spent five days filming the scene with live birds being thrown at her and attached to her body with elastic bands. Hedren says she broke down when a bird that had been attached to her shoulder almost pecked her in the eye, and she spent the following week in bed, exhausted.
Hedren suspects that Hitchcock was attempting to punish her for rebuffing his sexual advances“
wenn deine Frau Vögel mag, ist es natürlich bei euch leicht anders besetzt, für mich ist es ein sensibles Thema. dass es ein enorm eindrucksvoller Film ist ist wieder ein ganz anderes Thema, aber weil ich Vögel mit ihrer Andersartigkeit sowieso schon gruselig finde, ist so ein Massenangriff für mich eine absolute Horrorvorstellung. Bus jetzt haben mich die Krähen aber nicht erwischt.
allerdings: ich hatte die Rolle vor Jahren als Vorlage für ein Halloween-Kostüm gesehen und das fände ich wiederum toll und total passend. Schlag das doch Zuhause vor. Falls ich das Mal selbst mache, werde ich hier ein Foto einstellen.
Du hast Recht. Auch unser Freund Nicholas Cave ritt lange auf etwas ähnlichem herum. Ich konnte mit „Wild Roses“ (eigentlich mit dem ganzen Murder Ballads Album) nie viel anfangen.
Aber schau hier. Eine Barbie aus „The Birds“:
https://wertoys.com/alfred-hitchcocks-the-birds-barbie-doll-black-label-pop-culture-series-l9633/