[25.6.]

Ich war am Vorabend doch betrunkener gewesen als ich in Erinnerung hatte, oder: betrunkener als ich gedacht hatte. Das merke ich meist erst am nächsten Tag wenn ich im Büro sitze und die Zeit nicht vorangehen will. Irgendwann bekomme ich schlechte Laune und seitliche Kopfschmerzen (Kopfschmerzen an der Seite) und dann fange ich an so deprimierende Musik zu hören mit der ich eine Symbiose eingehe und dann kippt die Laune von schlecht nach schwer, und die Laune bleibt nicht Laune sondern heisst dann tiefes schwarzes Loch, ich werde also zum schweren tiefen schwarzen Loch und dann weiß ich es wieder: so ein Kater der subtilen Sorte.

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Über die Chausseestraße gen Norden geradelt und dort den engen Stellen getrotzt. Ich fahre gerne durch die Chauseestraße, gleich wie ich gerne durch die Friedrichstraße fahre. Die Enge, das Abmessen, diese gewisse städtische Düsterkeit im Schatten der großen Straßen. Wie wir Verkehrer uns als zähe Masse durch die abgedunkelte urbane Kulisse fließen lassen.
Diesmal hatte ich aber keinen Bock auf diesen poetischen Scheiß und nahm den Füßgängerweg (Teer und Schwefel), was es nicht unbedingt besser machte, die Chausseestraße hat nämlicht nicht nur viel Verkehr auf dem Asphalt sondern auch auf dem Fußgängerweg, und bald stieß ich vor dem Hotel Soundso auf eine Menschentraube die das Hotel zu verlassen schien und damit den Fußgängerweg blockierte. Eine Menschentraube japanischer Touristen, Menschen aus Japan, die mir gerade so ungewöhnlich vertraut vorkommen, wegen dieser Murakami-Phase die ich momentan wieder habe, drei Bücher von ihm in einem Rutsch durchgelesen und jetzt gerade beim Vierten, ich lebe gedanklich schon fast in Japan, denke mich an diese, mir mystisch vorkommenden Orte wie Sapporo, hin, und die nächtlichen Fahrten durch Tokyo, die Gespräche mit den Menschen, sie sind mir so deutlich vor Augen und diese ganze japanische Welt, wie bekannt sie auch wirken mag, ja sehr europäisch sogar, aber immer liegt eine gewisse Firnis über den Figuren, über den Landschaften, unantastbar, die man nur mit den Augen betrachten darf, was sie dann für alle, die nicht ungläubige Thomase sind, zu einer Art Überwesen stilidingsen. Und so stieß ich in der Chauseestraße auf die Menschentraube japanischer Touristen und ich war auf einmal in Tokyo, auf dem Fahrrad, und ich wusste mich nicht mehr zu verhalten. Was waren die Regeln, waren sie an Fahrradfahrern gewöhnt, würden sie den Weg freimachen? Von Fahrrädern liest man in den Murakamibüchern ja nie.
Ich bin dann abgestiegen.

2 Comments

  1. Tokio? Alle fahren das gleiche Fahrrad (Damenrad mit lächerlich niedrig eingestelltem Sattel). Fusswegfahren ist normal und ich meine, man eiert dann so um Leute rum und macht dabei einen unbeteiligten Gesichtsausdruck.

    Genau weiss ich es aber nicht mehr.

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