Ich will auch ein Laserschwert

Langsam aber stetig, erreiche ich den Bildungsstandard eines durchschnittlichen Norddeutschen jungen Mannes. Nächsten Herbst wohne ich nun schon seit zwei Jahren in Deutschland, und deswegen wird es an der Zeit, dass ich in Gesellschaft mehrerer Leute auch mal mitreden kann, anstatt bloss mürrisch vor mich hin zu trinken.
Es mag vielleicht witzig sein, als ich vor zwei Jahren auf Wohnungssuche war und der etwas übertrieben coole Vormieter der sich beliebt machen wollte weil er seinen Abstand im Wert von 500EUR zurückbekommen wollte, (obwohl der Makler ihn mehrmals darauf hinwies, dass er keinerlei Anspruch darauf habe) mich ansprach, dass ich doch so sehr seinem Freund ähnle, vielleicht würde ich ihn ja kennen, seinen besten Freund, Fatih Akin, der mache Filme. “Nee, kenn ich nicht, tut mir leid”. Die anwesenden Menschen guckten mich erst etwas verstört an, und fingen dann alle gleichzeitig an zu lachen.
Jaja, das mag witzig sein, aber das nächste Mal würde ich gerne wissen wer Fatih Akin ist, weil ich würde ihm gerne sagen, dass er doch endlich Ruhe geben solle, dass er sich nicht bei mir populär machen solle, und, dass die paar Lampen die er aufgehangen hatte, niemals 500EUR gekostet haben können.

Eine andere grosse Bildungslücke ist Star Wars. Im Laufe der Jahre habe ich zwar mitbekommen was Star Wars ist, und auch kenne ich Fotos von dem kleinen grünen Zwerg mit den langen Ohren, und dass der so eine Art Übervater der Jedis ist (auch wenn ich nicht wusste was ein Jedi sein soll, so eine grüne, kleine ausserirdische Rasse wahrscheinlich), und ja, auch die Laserschwerte kenne ich, jedoch habe ich noch nie einen der Filme gesehen. Nicht weil ich mich vielleicht zu gut fühlte um mir diesen Weltallkrams anzugucken, nein, ganz und gar nicht, ich wollte als Kind schliesslich immer Astronaut werden, aber es gab in unserem Dolomitendorf schlichtweg kein Kino, und auch keines im Umkreis von vielen vielen Kilometern. Und Fernsehen war in meiner Kindheit auch nicht so das Wahre, vor allem abends, wenn es drüben im Wald etwas dunkler wurde. Und irgendwann wurden die Starwarsfilme alter Käse, weil wir guckten dann Rambo und Rocky, und vor allem den Terminator.

Am Sonntag fing ich an, eine dreissigjährige Kulturlücke aufzufüllen: Starwars Episode 1. Gestern war der zweite Teil dran, und heute Abend im Kino, der dritte Teil, die Rache der Sith. Mittwoch, Donnerstag und Freitag kommen der vierte, fünfte und sechste Teil an der Reihe. Die ganze Saga im Schnelldurchlauf sozusagen.
Ich träume jetzt von Laserschwerten und wenn ich mich von der Dame des Hauses verabschiede, dann sage ich “Möge die Kraft mit dir sein”. Ihr Blick verrät mir dann immer, dass es der Kuss war, auf den sie wartete und nicht die Kraft. Ich verwechsle da immer noch was.
Spätestens am Samstag werde ich wissen wie man Darth Vader ausspricht, und warum mich eine Freundin ausgelacht hat, als ich den Namen ihres Rechners, den sie nach diesem Vater genannt hat, ausgesprochen hatte.

Ich küsse euch.

Kommentare (5) zu “Ich will auch ein Laserschwert”

  1. Lassen Sie sich doch einfach hiervon inspirieren (Star Wars braucht’s eigentlich nicht):
    http://www.sueddeutsche.de/kultur/bildstrecke/183/54129/b/0/

  2. Grossartig!

    (ich hab gesternabend ein Foto geschossen, da werden Sie staunen. Muss er nur erst noch entwickeln lassen)

  3. Hey Mek…
    starwars ist nicht nur fernseh kult, wo ich herkomme wurd 2002 eine umfrage gestartet und sehe da es leben 700 500 gläubige Jedis auf diesen Kontinent…. :

    http://www.lauralee.com/news/jedireligion.htm

  4. Und ich dachte schon da drüber seid ihr alle Hobbits. So kann man sich täuschen.

  5. ich zitiere: “dem kleinen grünen Zwerg mit den langen Ohren” wenn das kein hobbit war….

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