Friday 29. October 2004
Die Idee ist gestohlen von irgendjemandem. Tut mir leid, ich weiss nicht mehr von wem, da ich die Seite nicht mehr finde, wo ich das gestern gesehen habe. Blogger lesen Blogger. Ich lese Kid’s Liebe im ICE.
(Die Qualitaet ist natuerlich schlecht, und der Versprecher am Anfang moege mir auch verziehen werden)
Liebe im ICE [ogg; 1084kb]
Friday 29. October 2004
Die Chorproben werden wieder intensiver und nehmen mich voellig in Anspruch. Das Konzert findet am 13. November in der Katharinenkirche statt. Zusammen mit dem Prager Symphonieorchester.
Ich liebe Bach’s Magnificat, aber das erste Stueck, ist zum Singen ein Graeuel. Magnificat, magnificat. Ich kann das GN nicht mehr aussprechen. Wir singen das deutsche GN, also G-N, wie “diagnose” und nicht das italienische GN, wie bei “Gnocca”. Das deutsche GN loest in meinem Rachen, ein fuerchterliches Gefuehl von ankommendem Schnupfen aus. Ich hoere da im Rachen nach einer Weile ein richtiges Knacken, wie wenn man verstopfte Ohren hat, und diese wieder freiblaest (ihr wisst ja, wie beim Fliegen, wenn man das Kiefer so komisch bewegt, damit die Ohren wieder frei werden, ich nenne das blasen, weil ich mir die Nase und den Mund zuhalte und dann puste). Und wenn man, wie gestern Abend, stundenlang “magnificat magnificat mahahahahahagnificat” singt, dann fuehlt sich danach der Rachen wie eine klaeffende Wunde an. Meine Mitsaenger scheinen keine Probleme damit zu haben. Ich bin da wohl der einzige. Vielleicht genetisch bedingt, weil in meiner Familie schon immer viele Gnocchi’s gegessen wurden, dass sich das vielleicht anatomisch irgendwie darauf eingestellt hat. Man isst Gnocchi ja nicht nur, sondern man spricht auch darueber. Also tausche ich einfach die beiden Buchstaben aus und singe jetzt stattdessen “Mangificat”, und das geht tadellos. Und niemand merkt es.
Ach, aber was rede ich. Eigentlich wollte ich ja nur mitteilen, dass der Chorleiter gestern gestern eine verblueffende Entdeckung gemacht hat. Ich bin gar kein Tenor, sondern ein Bass. Und zwar nicht zweiter Bass, also der hoehere, sondern gleich erster Bass, der tiefe eben. Das ist schon etwas merkwuerdig. Wollte ich nurmal so sagen – weil mir das gefaellt.
Monday 25. October 2004
Es gibt diesen Namen, wie der der Kundin die mich eben anrief. Elzbieta. Jedesmal wenn ich diesen Namen hoere dann kriecht mir ein Vatergefuehl zur Brust herauf und ich verspuere ein draengendes Beduerfnis Kinder zu machen, damit ich eine Tochter bekomme die ich so nennen darf. Es gibt Momente, da waere ich ein guter Vater, glaube ich.
Wednesday 20. October 2004
Auch das noch. Heutefrüh um 9 uhr, Erdbeben in der Lüneburger Pampa. Zwar nur 4,5 auf der Richterskala und deshalb nicht zu vergleichen mit einem Beben in Kalifornien, Armenien, Japan oder irgendeinem anderen Ort auf den Sollbruchstellen der Kontinetalplatten, aber trotzdem. Gläser schienen geklirrt zu haben und im Redaktionsgebäude des Spiegels, an der Ost-West-Strasse, wackelten die Akten. Ich hab es zwar verschlafen, aber es ist eine halbe Katastrophe!
Ich fühlte mich sicher in meiner norddeutschen Tiefebene. Hatte alle notwendigen Sicherheitsvorkehrungen getroffen, so wohne ich auf dem höchtsmöglichen Punkt in St.Pauli (lediglich die nächsten 6 Häuser suedlich von mir stehen etwas höher, da die Strasse einen Buckel macht), habe sogar am Tag der Wohnungsentscheidung mich fuer diese Wohnung entschieden, weil die andere Wohnung im Karoviertel etwa 5 Meter niedriger liegt, und wohne deshalb nun auf stolzen 32 Metern über dem Meeresspiegel. Keine Monsterflutwelle kann mir etwas anhaben und schon gar keine Sturmflut. Ich glaube, dass mir nichtmal eine 200 meter hohe Tsunami-welle etwas anhaben kann, da diese erstmal statistisch sowas von selten auftreten, dass ich sie gar nicht in Anbetracht ziehen will, aber auch wenn sie auftreten, dann würde sie irgendwo mitten im Atlantik ausgelöst, und schon an den untieferen Stellen der europäischen Kontinentalplatte deutlich abgebremst werden, und dann muss sie erstmal Lissabon, Bordeaux, und andere Küstenstädte ueberschwemmen, dann vielleicht noch London, Rotterdam und wohl auch Bremerhafen, aber bis sie die Elbmuendung hochgekommen ist und Hamburg erreicht hat, muss sie immer noch die 32 Meter bis auf meinem Berg herrauf überwinden, und das traue ich ihr nun wirklich nicht zu.
Auch bin ich gegen Blitzeinschlag geschützt, da mein Haus zwar auf dem Berg steht, aber nur halb so gross ist wie alle umliegenden Gebäude. Wenn sich daher ein Blitz entladen will, dann trifft er erst die anderen Häuser. Auch gibt es keine grossen und dicke Bäume in die er einschlagen kann, die über mein kleines Häuschen einbrechen könnten.
Windgeschützt ist es da auch, und sollte mal ein richtiger Tornado kommen, dann habe ich meinen Bloggerbunker, ein relativ grosses, fensterloses Zimmer mitten in der Wohnung, worin leicht eine ganze Familie Schutz finden könnte. Und wenn ich mal aufräumen würde, dann sogar zwei.
Also rundum vorgesorgt. Und nun das! Erdbeben! Haette man mir das nicht sagen können? Dann wäre ich nicht in diese Bruchbude eingezogen, die schon wackelt wenn am anderen Ende der Wohnung die Waschmaschine schleudert. Bevor ich nach Hambuich gezogen hab ich mir schliesslich die seismologischen Statistiken der Stadt angesehen und es gab keinerlei Hinweise von tektonischer Aktivität und habe deshalb die architektonische Aktivität dieses Hauses in Kauf genommen ohne mir weitere Gedanken darüber zu machen. Und was nun?
Monday 18. October 2004
Wie kann man sich zu einem Patrioten eines unwichtigen, kleines Berglaendchens entwickeln? Ist es weil man zu lange weg war? Oder weil man sich leicht auf seine Herkunft beziehen kann wenn man sich unverstanden fuehlt?
Mal abgesehen davon, dass ich immer nur Suedtirolaepfel esse, kann ich nichtmal mehr die Etiketten wegschmeissen. Viele solcher Etiketten zieren verschiedene Monitore unserer (und auch der ehemaligen) Firma. Die meisten werden wohl denken es ist ein Qualitaetssiegel der Bildschirme. Das Marienkaefer-Guetesiegel. Zur Schonung der Augen, damit man auch im Alter noch die Feinheiten des Lebens und die Punkte des Kaefers erkennt.
Dabei sind es bloss alberne spielereien eines gelangweilten jungen Mannes, der sich zu bestempeln versucht.

Wednesday 13. October 2004
Da gibt es die Tage an denen man sich dauernd auf die Schuhe pinkelt. An solchen Tagen passiert es dann auch nicht nur einmal, sondern gleich mehrmals. Am naechsten Tag ist alles wieder in Ordnung.
Wednesday 6. October 2004
Mademoiselle Basilikum wurde von Tag zu Tag zickiger. Es fing damit an dass sie mein Singen nicht mehr mochte. Das kann ich noch gut haben, da sie nicht die erste ist, und ich dementsprechend abgehaertet bin. Und dann liess sie sich oefter haengen. Jaja ich weiss, die Sonne fehlt, aber wir koennen dadurch doch nicht alle gleich rumhaengen als haette es jahrelang nur geregnet. Und schon bald wurde alles nur noch schlimmer. Vergass ich sie mal zu waessern, ging sie beinahe ein. Gab ich ihr mal richtig viel, damit sie in durstigen Momenten genuegend Reserven hatte, weigerte sie schlichtweg das Wasser aufzusaugen, und liess einfach tagelang einen zwei Zentimeter hohen Wasserspiegel im Topf liegen. Bis sie gesternabend ploetzlich innerhalb einer Stunde alles aufsog. Heutemorgen wollte ich ihr wiedermal was vorsingen, dann erblicke ich sie schon von Weitem, voellig deprimiert vor sich hinhaengend und schrumpelig, als haette ich ihr das groesste erdenkliche Unrecht getan.
Ich mache da keine faxen. Waehlerische Leute mochte ich noch nie. Und wenn sie glaubt, die Prinzessin spielen zu muessen, dann ist sie bei mir am falschen Ort. Ich zeigte ihr das kleine Kartoffelmesser und drohte ich den Hals durchzuschneiden wenn sie weiter so launisch waere.
Eine Stunde spaeter verging mir die Geduld, schnitt sie in den Mixer, fuegte Knoblauch, Piniennuesse, Olivenoel und Salz hinzu, und zerschlug sie zu koestlichem Pesto. Alle Geduld hat ein Ende.


Tuesday 5. October 2004
Oh, ich wohne jetzt schon seit einem Jahr und einigen Wochen in Deutschland! Welch eine ueberraschende Feststellung. Und dabei spreche ich immer noch ein Deutsch alsob ich gerade aus meiner Berghoehle runter ins Tal gekommen waere. Wie sehr ich mich auch bemuehe, mein Deutsch bleibt komisch und meine Rechtschreibung fehlerhaft. Ich will mich hierfuer entschuldigen. Ich habe schon einmal Besserung versprochen und tuhe dies nochmals. Ich schreibe dieses Tagebuch letztendlich ja auch um diese Sprache zu ueben. Oder vielleicht besser gesagt, sie zu lernen. Dabei faellt mir mein schlechtes Deutsch erst auf seit ich in Deutschland lebe, weil das was wir da in den Alpen sprechen, kann man wohl nicht als richtiges Deutsch bezeichnen. Und nachher habe ich fast ein Jahrzehnt lang kein einziges Wort Deutsch gesprochen. Hier muss ich sagen, dass mir die niederlaendische Sprache nur noch zusaetzliches Wirrwarr in meinen Wortschatz gebracht hat und ich dauernd von irgendwelchen Woertern spreche die niemand versteht. In der Schule bin ich ja nicht mehr richtig gewesen seit ich 14 war, da es mir wichtiger erschien, durch westeuropaeische Metropolen zu ziehen, um Haeuser zu besetzen, Steine zu schmeissen und mir die Birne vom Kopf zu saufen. Ich habe zwar immer viel gelesen und geschrieben, aber ich merke schon dass mir da ein ganzes Stueck an Bildung fehlt. Geschrieben habe ich sowieso immer nur in Kleinbuchstaben, und gelesen eigentlich auch. Um Grammatik und Rechtschreibung habe ich mich nie gekuemmert und das bisschen an Regeln das ich in den paar Schuljahren gelernt habe, gingen mit meinen ersten Joints schon in Rauch auf. LSD und Kokain weckten zwar das Interesse an die grosse Literatur, zogen mir jedoch den letzten vernuenftigen Gedanken durch die Ohren aus dem Hirn heraus.
Jetzt bin ich hier und mache alles wieder gut. Ich will ja noch ein grosser Dichter werden.
Nach einem Jahr in Deutschland sage ich schon nicht mehr “Lass uns frisch gehen” oder “Gib mir die Abstandsbedienung her”, und ich kenne den Unterschied zwischen laufen und gehen. Und ich gehe auch nicht mehr ueber rote Ampeln. Aber das Letzte hat nichts mit Sprache zu tun.
Dann kriege ich das mit der Rechtschreibung auch noch hin.
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Not to translate.
Tuesday 5. October 2004
Wie ich meiner Branchenkollegin vom Grossen Fressen versprochen habe, hier die Fotos von meinem Zwischenstop am Isemarkt, welcher ausartete in einem koestlichen Risotto al Radicchio, den ich heute erst zubereitet habe. Nach vielen Jahren in Holland und Spanien (ich gebe zu, in Spanien habe ich mich nie darum gekuemmert) auf Radicchio verzichtet zu haben, weil ich ihn nirgendwo zu kaufen bekam, machte ich am Donnerstag eine verblueffende Entdeckung, wobei ich nun auch die Erklaerung dafuer habe, warum ich nirgendwo Radicchio finden konnte:
M: Man hat mir gesagt, dass ich hier auf dem Markt Radicchio finde.
V: Radikkio?
M: Ja, wissen Sie, das weinrote Gemuese, schmeckt etwas bitter, wie Loewenzahnblaetter.
V: Raditscho meinen Sie?
M: Haha, uhm. Ja genau. Haben Sie das? Oder wissen Sie welcher Stand das hat?
V: Natuerlich habe ich Raditscho (zeigt auf eine Kiste mit Rotkohl)
M: Nein, ich meine nicht Rotkohl, sondern Radikkio, das man in Italien immer isst. Zum Reis.
V: Ja hier, Raditscho. Risotto mit Raditscho.
Etwas verwirrt laufe ich zur Rotkohlkiste hin, hebe einen Kopf auf, drehe ihn mehrmals und stelle fest, dass er in der Tat etwas anders aussieht als Rotkohl.
M: Ich meine aber die etwas laenglichen roten Dinger.
V: Sie meinen den Trevisano, das ist einfach eine Sorte. Aber den habe ich nicht.
Ich bin voellig verbluefft. Wahrscheinlich bin ich jahrelang einfach an Radicchio voruebergelaufen, mit dem Gedanken es waere Rotkohl. Nachdem ich mich mehrmals vergewissert hatte dass es sich tatsaechlich um Raditscho handelte, bezahlte ich und fuhr weiter.
Die Fotos vom schoenen Isemarkt im Comment.
