rauchen ist gar nicht schlecht

In meinem ganzen Leben, habe ich bisher zweimal aufgehört zu rauchen. Einmal ziemlich erfolgreich. Ich stand frühmorgens auf und dachte mir, Herr Mek, Sie sind völlig daneben, wenn Sie weiterhin soviel qualmen, landen Sie bald ganz tief unter der Erde in einer schweren Kiste mit dicken Nägeln, wo Sie nimmerwieder herauskommen!
Davon war ich so erschrocken, dass ich meinen Tabak unverzüglich in den Mülleimer schmiss und ihn mit Ekligkeiten aus meinem Kühlschrank übergoss, damit ich ja nicht auf die Idee kam, ihn wieder herauszufischen. Danach war ich ein zufriedener Nichtraucher. Vor allem in den ersten Wochen machte es mir richtig Spass, mich an der Theke zu betrinken und dauernd an Zigaretten zu denken. In der Mitte des Abends konnte ich natürlich kaum noch stehen, da ich für jeden zweiten Zug, den ich von einer Kippe genommen hätte, einen Zug aus meinem Whiskeyglas nehmen musste. Aber ich unterhielt mich blendend, und das Nichtrauchen machte mir richtigen Spass. Einige Monate später zog ich dann nach Madrid, bekam einen ungeregelten Lebensrythmus und verfiel erneut der Sucht. Nicht weil ich es nicht mehr aushielt, sondern weil ich mir ab und zu mal, Abends bei Tapas, ein Kippe erschnorrte, weil es einfach sein musste, Abends wenn man draussen sitzt und bei rotem Wein den spanischen Gepflogenheiten nachgeht.
Ich schnorrte immer öfter eine Zigarette, bald mehrmals pro Abend. Bald kaufte ich den freundlichen Spendern eine ganze Schachtel, aus Schuld heraus, und irgendwann konnte ich mir genausogut selber eine Schachtel kaufen. Das war billiger. Nach fünf oderso Schachteln realisierte ich dann, dass ich wieder mit dem Rauchen angefangen hatte, aber ab dem Moment war es mir wieder egal.
Ein weiterer Versuch, einige Jahre später, scheiterte kläglich, schon nach einigen Tagen. Mein Kopf wollte aufhören, aber mein Bauch hatte die hellste Freude am Rauchen und dachte gar nicht daran aufzuhören. Das macht dann keinen Sinn. Ich wartete auf den Moment wo sowohl mein Kopf, wie auch mein Bauch dazu bereit seien.
Das war vor anderthalb Jahren, und der Zeitpunkt ist immer noch nicht gekommen. Nicht dass ich sehnsüchtig auf den Zeitpunkt warte, aber das gab mir einfach das Gefühl, dass ich irgendwann schon aufhören würde, und deshalb getrost weiterrauchen könne.
Mein Problem ist, dass ich ein glücklicher Raucher bin. Und das Problem der glücklichen Raucher ist, dass das Rauchen dann gar nicht schlecht ist.
Britische Wissenschaftler haben vor einiger Zeit ein grossartiges Experiment durchgezogen, wobei sie Ratten und Hamster an Nikotinrauch aussetzten (ich schrieb schon vor einem Jahr einmal kurz darüber, ohne das Experiment genauer zu beschreiben). Das faszinierende an diesem Experiment war, dass die Ratten in kurzer Zeit an Lungenkrebs verreckten, die Hamster jedoch durchschnittlich sogar etwas länger lebten. Ist das nicht toll? Die Erklärung hierfür ist allerdings noch viel toller.
Die Wissenschaftler schlossen daraus, dass die Ratten ein Problem haben, nämlich, dass sie von Rauch in Panik geraten. Ihr wisst vielleicht ja, dass im Mittelalter, oder in welchem Alter auch immer, das erste Anzeichen eines Brandes, fliehende Ratten waren. Ratten kennen Rauch in deren natürlichen Umgebung, und wissen dass sie davon ersticken, oder verbrennen. Rauch verursacht bei Ratten Stress. Hamster hingegen leben in Löchern, zumindest wenn sie in freier Natur leben, und Rauch kennen die nicht. Wo sie dann im Experiment Nikotinrauch ausgesetzt wurden, konnten die gänzlich ohne Vorurteile die positive Wirkung des Nikotins ausnutzen, und lebten dadurch länger.

Die Krebsforschung hat in den letzten Jahren ja grosse Veränderungen durchgemacht, so ist man draufgekommen, dass der Krebs vor allem erstmal im Kopf auftaucht und dann in Verbindung mit körperlichen Schwächen, gewisse Organe anfällt. So sehe ich zB, jemand der unter grossem und untröstlichem Liebskummer leidet (Schmerzen in der Brust), vielleicht noch eine schwächelnde Lunge hat, und zusätzlich auch noch raucht, sehr schnell Lungenkrebs bekommen. Aber das kommt ja nicht vom Rauchen, sondern hauptsächlich von den anderen zwei Problemen.
Heute erst hat mir eine Arbeitskollegin, die früher mal Krankenschwester war, dass bei ihr im Krankenhaus, die meisten der Lungenkrebspatienten gar nicht rauchten, oder jemals viel geraucht hatten.

Das Wichtige beim Rauchen ist nur, dass man glücklich dabei ist. Die Kippe nach dem Essen ist ein erotisches Erlebnis, die Erste am Morgen sowieso, und alle dazwischen lassen die Spatzen von den Bäumen pfeifen.
Sobald man anfängt bei jeder Zigarette zu denken, dass das schlecht ist und dass man aufhören sollte, dann hört man am Besten unmittelbar auf, sonst wird man krank. Im Kopf und in der Lunge, und dann kommt der Krebs dahergelaufen.
Heutzutage bekommt man Lungenkrebs wegen den Kleinstpartikeln von den Abgasen in der Luft (Ja, jetzt laufe auch ich mit der neuen Rage mit), oder vom Stress mit dem schnellen Leben, dem jeder versucht nachzulaufen und nicht einzuholen vermag.
Und wichtig ist richtiges Atmen. Mehrmals pro Tag die Lungen vollkommen leerpressen bis man nur noch röchelt, und dann wieder einatmen bis einem der Bauch fast Platz und dies dreiviermal wiederholen. So wie es Ärzte bei der Kur von einer Lungenentzündung empfehlen.
Dann geht es uns allen wieder gut.

Und ja, dann kann man noch bemängeln, dass das Rauchen stinkt und all die Sachen, oder dass man nach dem Besuch einer Kneipe, sich gleich die Klamotten vom Leibe ziehen muss. Aber das ist doch alles bloss Einbildung. Wir leben heutzutage sowieso in einer krankhaft reinlichen Welt. Fast schon klinisch reinlich, wenn ich an die Nordländer denke, die, wenn sie in den Urlaub fahren und beim Franzosen auf dem Lande, das Baguette direkt in die Hand gedrückt bekommen, ohne Verpackung drumherum, gleich einen wochenlangen Durchfall bekommen, weil plötzlich soviele Bakterien im Körper hausen.
Das geht jetzt weit, ich weiss, aber was bleibt von uns Männern, die erotisch nach Whiskey und Rauch riechen wollen, wenn wir nicht mehr qualmen dürfen? Müssen wir uns dann dreimal Pro Tag in Lavendel-Rosen-Öl baden?

Trotz allen oben genannten Punkten, bleibt es jedoch eine ungesunde Angelegenheit. Bis ich eine Ausrede gegen Herzkranzgefässverkalkung gefunden habe.

UPDATE 30.10.2009: Ich bin, nach 22 Jahren Kette geraucht zu haben, nun seit fast zwei Jahren Nichtraucher und musste feststellen, dass das eine der klügsten Entscheidungen gewesen ist, die ich je getroffen habe. Zudem war es einfacher als ich je gedacht hätte. Einfach keine mehr anzünden, und alles pendelt sich ein.
Was Rauchern vielleicht auch noch deutlich sein soll: solange man raucht, ist einem diese eigenartige Gewohnheit gar nicht bewusst. Als Ex-Raucher verbingt man viel Zeit damit den Kopf zu schütteln und sich zu wundern, dass man das tatsächlich gemacht hat, dieses dauernde am Stengel hängen, die Zeit danach einteilen, dieses noch schnell eine Rauchen, diese eigenartige Abhängigkeit, die gleichzeitig auch Geborgenheit gibt (so lange ich Zigaretten hab…), der man nachgeht und man sich in einer romantisierten Freheit wähnt. Das war mir nie so bewusst, ist aber auch ziemlich Esozeug wie das jetzt so dasteht.

ICQ ist Scheisse

Man verzeihe mir meine ungehobelten Worte, aber: ICQ ist Scheisse. Wer ICQ benutzt, muss sich unbedingt diesen Eintrag durchlesen und sofort etwas anderes suchen.
Ich bin ja nur ein armseliger Chatter, der nicht in der Lage ist, zwei oder drei Gespräche gleichzeitig zu führen, deshalb benutze ich das ICQ sowieso kaum, aber manchmal ist es mir eine willkommene Hilfe, wenn Leute mir ein Musikstück oder eine andere grössere Datei schicken wollen, die keinen Zugang zu FTP haben oder sich mit Computermaschinen nicht sonderlich auskennen, dafür aber das ICQ bedienen können (erstaunlicherwiese ist diese Menschengruppe sehr gross).
Aber wenn AOL/TimeWarner die Frechheit hat von allen über ICQ geführten Gespräche, Musik, Geschichten und sonstwas die Rechte zu verlangen, dann fliegt das ICQ aber augenblicklich von meiner Festplatte.

So weg isses.

Von Blankenese bis…

Ich habe wirklich fast nichts gegen Blankenese. Es ist ja wirklich schön da draussen, fast an der Hamburger Stadtgrenze, weitab von den sündigen Vierteln und kriminellen Schmelzpunkten. Da würde man Kinder grossziehen wollen, und bekäme es vielleicht noch hin, sie vor Drogen und Heidentum zu bewahren. Es gibt nur eine Sache die ich an Bankenese hasse, und das sind nicht die ganzen Reichen, wie jetzt so mancher denken wird, nein, weil Reiche gibt es da draussen gar nicht in übertriebenem Masse, nein in Blankenese wohnen entgegen der gängigen Meinung, eigentlich ganz normale Leute, alte Fischersfamilien halt, die schon seit hunderten von Jahren im pittoresken Treppenviertel wohnen, wie die Schlümpfe in Schlumphausen, weil, wie Sclumphausen sieht es dort ja ein wenig aus, schlimm sind nur die Leute die ganz oben am Elbhang wohnen, in den Villen die man von der Ferne schon sieht, die Häuser da oben, die alle etwas zu gross geraten scheinen, die Leute die alle etwas zu gross geraten scheinen, weil man sie nur aus der Ferne sieht. Nein das ist es nicht. Was mich Blankenese abgrundtief hassen lässt, ist die Tatsache, dass jedesmal wenn ich das Wort Blankenese höre, lese, denke, sage oder rieche, ich einen Ohrwurm bekomme. Wenn ich am Hauptbahnhof stehe und die S1 nach Blankenese sehe, dann stimmt mein Ohrwurmorgan ein:

Denn nun geht sie los uns’re Polonaise
Von Blankenese bis hinter Wuppertal

Dass die Dame des Hauses aus Blankenese kommt, macht die ganze Sache nicht besser. Mittlerweile weiss sie dieses Problem aber ganz gut zu umgehen, wenn sie zB sagt “ich gehe zum Arzt” oder “ich gehe zu meiner früheren Bücherhalle”. Da darf ich nur nicht fragen “nach Blankenese?”, weil dann sind all ihre Bemühungen umsonst gewesen.
Mittlerweile ist es sogar schon so schlimm geworden, dass ich schon bloss beim Wort “Spaghetti a la Bolognese” an Polonaise, und damit Blankenese denken muss und prompt düdelt der Ohrwurm wieder in meinem Kopf herum.

Wirklich sicher bin ich nur bei Mami. Weil die kennt weder Blankenese, noch nennt man bei uns in den italienischen Alpen Spaghetti Bolognese als solche, sondern schlichtweg “Pasta mit Ragu”.

Was ich eigentlich aber sagen wollte, ist, dass ich gesternnacht in Blankenese war, weil in Hamburg zu Ostern an der Elbküste grosse Feuer entfacht werden. Gerne hätte ich solch mystische Erlebnisse wie des Herrn Kid gehabt, stattdessen ärgerte ich mich zwischen Massen von betrunkenen und fröhlichen Menschen herum, während ich in meinem Kopf, Schulter an Schulter, hintereinander, hinter einem doofen Kerl mit einem Plastikhähnchen in der Aktentasche, durchs Studio marschierte. … bis hinter Wuppertal.

(Aber jetzt erstmal schnell los zum Osteressen)

Stabat Mater

Manchmal denkt man, dass künstlerische Werke durch höhere Eingabe entstanden sein müssen. Wo Antonin Dvorak 1875 seine Neugeborene Tochter verlor, begann er die ersten Skizzen für das Stabat Mater zu schreiben. Stabat Mater heisst auf Deutsch übersetzt Die Mutter, sie stand und beschreibt, das Leiden der Maria vor dem Kreuz ihres Sohnes.
Da Antonin Dvorak bekannterweise ein Tscheche ist, und wahrscheinlich viel zu lustig und unbekümmert um in ewigem Verdruss umherzuleiden, wandte er sich bald wieder seinen eher fröhlicheren Werken zu und liess das Stabat Mater eine Skizze sein. Dvorak ist bekannt für seine “Slawischen Tänze”, oder “Symphonie aus der neuen Welt”, und nicht für schwermütige Musik voller Schmerz und Trauer. Vielleicht schlug ihm die Musik zu sehr auf das Gemüt und war es Leid, für immer, mit schweren Knödeln in der Kehle herumzulaufen.
Bis zwei Jahre später, im August 1877, seine elf Monate alte Tochter verstarb. Und einen Monat später, im September, sein dreihjähriger Sohn. Daraufhin vollendete er das Stabat Mater in wenigen Wochen.

Und genauso hört sich das Stück auch an.

Ich war nach unserer Aufführung des Stabat Mater gestern in der Musikhalle sehr angetan. Erledigt und schwermütig, weil wegen des intensiven Probens, seit Tagen nichts anderes mehr in meinem Kopf herumschwirrt als Sätze wie Stabat Mater Dolorosa. Und nachher war ich vom vielen und schweren Wein betrunken. Wenn es solche morbiden Tage wie den Karfreitag schon gibt, dann sollen sie auch richtig knallen.

Ist DAS nicht ein geiles Foto? Die norditalienische Po-Ebene in dicker Luft gehüllt. Die haben wirkliches Pech da, eingekesselt in einer Krone von Alpen und Appenin, vor allem im Winter, geht die schlechte Luft da einfach nicht weg. Autofreie Tage sind, vor allem in Milano, sehr üblich.
Ah, und da nordöstlich vom Gardasee, in der Mitte des Bildes, da wo der Schnee anfängt, da komm ich her. Da ist die Luft noch gut. Natürlich.

(Klick auf das Bild für grössere Ansicht)

Grosse Bühnentechnik
[via Mam]

vingt-trois

Oha! Kardinal Lustiger, der Erzbischof von Paris tritt zurueck. Die Nachricht ist zwar vom Februar, aber das passiert halt, wenn ich meiner Pflicht als guter Kathole nicht nachkomme und www.vatikanradio.org bloss wöchentlich monatlich jährlich lese.
Die Nachricht würde an uns allen vorbeigehen, wie auch die anderen frohen Botschaften aus dem Castel Gandolfo, wäre da nicht dieser Name des Nachfolgers der uns innehalten liesse: Kardinal Vingt-Trois.
Scheinbar langjähriger Vertrauter von Kardinal Lustiger. Ich habe diesem Lustiger ja auch schon nie sonderlich über dem Wege getraut. Seit seinem Amtsantritt ist die Stadt untergraben von einem wuchernden Filz von Freimaurern und geschundenen Adligen, aber jetzt, mit einem Erzbischof der Hauptstadt von Frankreich, der die Zahl 23 in seinem Namen traegt, geht wohl alles ins ewige Höllenfeuer hinunter. Dass die Illuminaten nun öffentlich dem heiligen Vater ins Gesicht spucken, ist ein alarmierendes Zeichen.

Mitte Mai habe ich Audienz bei seiner Eminenz in der Vatikanstadt. Ich werde mich mit ihm beraten müssen.

Ich will ja nicht kleinlich sein und den Leuten fehlenden Humor vorwerfen, oder sie steif und verkrampft bezeichnen, aber wenn ISDN schon vier Buchstaben hat, warum kann man dann nicht auch Analog auf vier Buchstaben herunterbringen, wenn es des Platzes wegen eh schon abgekürzt wird.

3: Hamburg Musikhalle

In Zehn minuten drei Gläser Wein trinken, dann auf die Bühne stürmen und singen. Da brodelt es im Leib. Selten standen mein Körper und Seele sich näher.

(Allerdings muss man in der Pause gleich nachgiessen, weil es nichts schlimmeres gibt als entweichenden Alkohol)

Keine Toten in Lübeck

Keine Toten in Lübeck. Witzigerweise ertappte ich die Hälfte des Chores beim Verlassen der Bühne, wie deren Augen aufgeregt die Publikumsbänke nach schlafenden Gästen durchsuchten. Nein so schlimm waren wir nicht. Ganz im Gegenteil.

Geärgert hat mich nur die gestrige Pflicht eine Weste zu tragen. Nichts gegen Westen, nein ganz und gar nicht. Ich trage liebend gerne schwarze Westen. Schwarzer Anzug, schwarze Weste, schwarze Schuhe, schwarze Haare, schwarze Phantasie. Nunja ganz schwarz ist meine Phantasie zwar nicht, jedoch sehr dreckig, und das ist auch dunkel. Aber ich habe aufgehört Westen zu tragen, nachdem mir Mal nahegelegt wurde, dass Westen nur schlanken Männern gut stünden, weil man sonst gleich dem Onkel von dem und dem gleichen würde. Wie die alten Männer auf Hochzeiten, die sich nach etlichen Gläsern Schnaps, junge und hübsche Mädls zum Tanzen erschnorren. Die Typen mit Schweissperlen auf der Glatze, bei denen die Knöpfe der Weste kurz vor dem Aufplatzen stehen. Die Typen, die beim zweiten Tanz, und vor lauter viel frischem Fleisch in den Armen, schon derartig ins Schwitzen geraten, dass sie zum heimlichen Abtrocknen immer diese riesigen weissen Taschentücher dabei haben.
Und nein, diese Art von Ästhetik liegt mir nun wirklich nicht. Weil ich aus den Bergen komme, werden mir zwar viele Schweinereien verziehen, aber irgendwo liegt eine Grenze, die ich selbst als grenzensprengender Südtiroler nicht überschreiten will.

Das ist nun anderthalb Jahre her. Und gestern war wieder Westentag.
Dass ich wieder zugenommen habe, wusste ich zwar, aber Sachen die man weiss, müssen ja nicht unbedingt wahr sein, und lassen sich deshalb immer votrefflich ins gute Gewissen hinüberschleusen.
Bis man dann wiedermal eine Weste anzieht.

Da ich mit Sport am besten gleich anfangen sollte, hielt ich mein Notenheft vor meinem Bauch und marschierte, wie ein richtiger Komponist, den Saal auf und ab, zerwuschelte mir die Haare, damit das auch alles noch ein wenig glaubwürdiger aussah, machte Streckübungen alsob ich mich entspannen müsste und hielt eine Jacke auf meinem Schoss wenn ich sass.
Und natürlich kam in der Pause auch wieder die fünfzigjährige Sopranistin für ihr tägliches Schwätzchen mit mir. Ich unterhalte mich in der Regel sehr gerne mit ihr, aber genau an diesem Tag brauchte sie nun wirklich nicht zu sagen: “Oha du hast ja ein Bäuchlein bekommen!”.
Beim singen ist es wichtig, dass der Körper entspannt ist und man tief Luft holen kann, damit der ganze Leib zum Klangkörper wird. Wenn ich das tat, dann sah ich die Westenknöpfe in den Knopflöchern verschwinden und zwischen meinem Blickfeld und den Füssen tat sich ein riesiger Ballon auf, der mir beim Pinkeln bald den Blick zum Pimmel versperren würde.
Dass mir die Sopranistin etwas später in den Bauch zwickte und augenzwinkernd sagte: “Keine Angst, das steht dir schon irgendwie” half in dem Moment auch nicht mehr.
Das hatte sie bestimmt auch ihrem Mann mal gesagt, vor dem Schlafengehen, bevor sie in wilde Träume mir Klaus Wussow versinkt.

das Skype dingda

Mal wieder was technisches und trockenes für Zwischendurch.

Ich bin bekanntermassen ein Verfechter von offenen digitalen Standards, und damit ein Gegner von proprietärer Software. Darum benutze ich Linux, Firefox und favorisiere sogar das OGG Musikformat über MP3 wo es nur geht.
Und doch habe ich jetzt ein Programm entdeckt, bei dem ich meine Dogmas ausnahmsweise mal über Bord werfe. Das Programm heisst Skype und ist in etwa das revolutionärste, das momentan an Software so die Runden macht. Skype macht Internettelefonie möglich. Skype ist nichts Neues, aber es hat mich mehr als ein Jahr gekostet um es mal auszutesten. Heute war es soweit.

Rund um das Thema Internettelefonie wird seit einigen Jahren viel geredet, und da hat sich wohl auch einiges getan, wenn auch nicht das, was ich mir unter Internettelefonie vorstelle. So gibt es heutzutage verschiedene Anbieter mit festen Tarifen. Vor allem Gespräche ins Ausland machen die Internettelefonie, für mich jedenfalls, interessant. Wenn ich heute nach Madrid ins Mobilfunknetz telefonieren will, dann bezahle ich 26cent pro Minute. Und das ist doof. Glücksspielnummern rufe ich ja auch nicht an weil die so teuer sind.
Das blöde mit der heutigen Internettelefonie ist bloss, dass die Anbieter für Auslandsgespräche immer noch viel Geld fragen. Übers Internetz nach Wien zu telefonieren ist nur geringfügig billiger als wenn ich dies über das Fesnetz mache. Die Anbieter wollen natürlich verdienen, schon klar, aber diese Internettelefonie habe ich mir ganz anders vorgestellt. So ist das ganze ja nicht revolutionär.
Vor einigen Jahren habe ich mit einem Freund in Südtirol einen Versuch gewagt über das Netz zu telefonieren. Die Idee war, dass ich über meine DSL-Verbindung mittels Kopfhöhrer und Microphon seinen Rechner anwähle und mit ihm sprechen kann. Theoretisch sollte das ganz einfach gehen. Ich brauchte bloss ein Programm, das meine Stimme digitalisierte und diese als TCP/IP-Pakete über das Internet zu seinem Rechner schickte, und er brauchte dann ein Programm, welches diese Pakete wieder in Audio umwandelte. Auf diese Art wollte ich dann auch die Möglichkeit haben, Freunde anzurufen die kein Internet besassen, was damals, und auch heute noch durchaus üblich war und ist. Mein Freund sollte meinen Anruf automatisch an seinen Festnetzanschluss weiterleiten und somit hätte ich zum Ortstarif mit allen Südtirolern telefonieren können. Er hätte mir einmal pro Monat die Rechnung geschickt und mit dem gesparten Geld hätte ich mich besaufen können.
Aus der Idee wurde aber nichts, da das alles viel zu aufwendig war und wir die ganzen Programme aneinanderflicken hätten müssen, so haben wir es irgendwann aufgegeben. Ich telefoniere ja eh kaum, deshalb war es kein ausreichender Anreiz, die Idee zu Ende zu bringen.
Aber so stelle ich mir jedenfalls Internettelefonie vor. Dass man eben Gespräche entweder rein über das Internet führt, und wenn jemand mal kein Internet hat, dass man dann die Gespräche über die langen Abstände von Land zu Land dem Internet überlässt, sich ins das lokale Telefonnetz einschleust und dadurch kaum Geld bezahlt.
Was aus der Internettelefonie bisher aber geworden ist, ist bloss ein System von Telefonanbietern wie es dies bisher auch gab, nur mit leicht günstigeren Tarifen.

Doch dann kam Skype, das eigentlich mehr oder weniger das macht, was ich mir immer darunter vorstellte. Skype ist ein Programm mit dem man andere Leute, die auch Skype haben umsonst anrufen kann. Umsonst, weil man dann mit Leuten telefoniert, die auch gerade das Internetz anstehen haben und zum Programm greifen, wenn es klingelt. Das ist technisch gesehen wie surfen oder Daten auszutauschen, aber dann geht halt deine Stimme übers Netz, anstatt Bilder oder Buchstaben. Kostenlos ist das natürlich nur wenn man eine Flatrate hat.
Mit Skype kann man auch aus dem Internet hinaus in das Festnetz oder Mobilnetz telefonieren. Dafür muss man allerdings bezahlen, weil das dann ja in ein anderes Netz übergeht. Die Tarife sind allerdings lächerlich billig. Es funktioniert momentan nach dem Prepaidprinzip, das wir momentan zB von den Mobilanbietern kennen. Man lädt mit Kreditkarte das Guthaben auf und vertelefoniert das bis es fertig ist. Basta.
Man sitzt dabei halt immer am Rechner, und was mich am meisten stört, ist, dass die Technologie hinter Skype nicht öffentlich ist, aber vom Prinzip her ist es wirklich revolutionär. Es wundert mich sehr wie sich das entwickeln wird.

Falls jemand Skype testen will, meine “Nummer” ist: mek_q_wito

1: Bremen

Ich bin ein Weltmeister darin, aus meinen Fehlern nicht zu lernen. Man könnte meinen ein Katastrophenkonzert wie damals im NDR würde sich nicht mehr wiederholen. Ganz im Gegenteil, ich begang wieder exakt die selben Fehler.
So waren vor Anfang des Konzertes schon wieder meine Noten verschwunden. Diesesmal hatte ich aber zugegebenermassen mehr Glück gehabt, da ich es früher merkte, der Saal also nur mit einem halben Dutzend Leuten gefüllt und ich mich schnell auf die Bühne schleichen konnte. Beim dritten Mal werde ich es wohl gelernt haben.

Jedoch will ich mich gar nicht in den Details des Konzertes verlieren, und nicht die italienische Sopranistin erwähnen, die in ihrem engen, roten Korsett und halb durchsichtigem Kleid, beim Auftauchen auf der Bühne, den Einsatz der Tenöre und Bässe vermasselte.
“Si ridesti il leon di Castiglia” hätte es da tönen sollen. Laut und männlich geknödelt, so wie Verdi es wollte, aber nein nein, bloss offene Mäuler, die die Knopflöcher der Korsage zählten. Witzigerweise, und das ist wirklich kein Scheiss, hatte meine Lieblingsschwuchtel im Bass als einziger den Einsatz nicht verpasst. Mutig sang er ganz alleine den Männerchor, bis der Rest aus der verträumten Zählerei erwachte und langsam langsam in die Noten guckte.
Aber wie schon gesagt, das will ich ja gar nicht erwähnen.

Zu erzählen gibt es auch nichts über Bremen. Viel mehr als das Postgebäude, die Strassenbahn und einige umliegenden Häuser habe ich nicht gesehen. Wie Hans-Georg im vorigen Eintrag schon kommentierte, bleibt bei sowas keine Zeit für Besichtigungen. Er hat Recht behalten.

Erzählen will ich nur von einer älteren Frau im Publikum. Sie sass in der siebten oder achten Reihe. Normalerweise würde mir sowas gar nicht auffallen, aber im zweiten Teil des Konzertes gab es vier Arien von Puccini und Verdi hintereinander, da hatte ich halt viel Zeit in der Nase herumzubohren und das Publikum zu mustern.
Da war diese Frau die schlief. Sie muss wohl alleine gewesen sein, sonst wäre sie wohl von ihrer Begleitung kurz angestossen worden. Es sah ja nicht aus, wie sie da sass, schief im Sessel, den Kopf nach hinten und den Mund geöffnet. Eine Frau aus dem Sopran sagte nachher, sie hätte sie auch zittern sehen, so kurze, krampfartige Bewegungen. Wäre ja kein Wunder, der Pauker vom Krakauer Symphonieorchester war ja ein grosser Bursche, aber selbst gesehen habe ich das nicht. Es wunderte mich nur, dass später, beim Trinklied aus “La Traviata”, wo das Orchester (und auch der Pauker) sich so richtig ins Zeug legten und zusammen mit unserem “godiamo godiamo” einen richtigen Krach produzierten, die Dame immernoch keinen einzigen Murks machte. Spätestens dann hätte sie sich doch bewegen müssen.
Nach dem Finale wurde zehn Minuten lang kräftig geklatscht, das Publikum stand auf, der Lärm schien ewig zu dauern. Die einzige Person die sich nicht rührte, war diese ältere Dame in der siebten oder achten Reihe.
Das Publikum verliess den Saal. Ich war einer der letzten der von der Bühne abging, weil ich ganz hinten in der Mitte stand. Ich behielt die schlafende Dame im Blick, während sich alles um sie herum leerte. Weil sie immer noch keine Bewegung machte und gar nicht daran dachte den Saal zu verlassen, ja wie denn auch, wenn sie von alledem nichts mitbekam, erregte sie die Aufmerksamkeit von einigen anderen Gästen, welche sich der schlafenden Dame annahmen. Ich sah bloss, dass man versuchte sie erfolgslos wachzurütteln. Das Treiben um der Dame wurde nervöser, man legte ihr Finger an den Puls. Der Saal war zu diesem Zeitpunkt schon fast leer. Automatisiert verliess ich die Bühne, weil ich dran war abzugehen. In den Wirren der Gänge hinter der Bühne hörte ich dann Sirenen von Krankenwagen. Ich kleidete mich um, drehte mir eine Zigarette und verliess fünfzehn Minuten später das Gebäude an der Voderseite. Dort standen zwei Krankenwagen. Die Blaulichter waren schon ausgeschaltet. Ein Zeichen das ich aus meiner Kindheit kenne, das bedeutet, dass jede Hilfe zu spät gekommen ist.
Eigentlich gar kein schlechter Tod, sagte eine Dame vom Alt, nachdem ich ihr die Zigarette angesteckt hatte und wir stillschweigend die Ankunft des Notarztes verfolgten. Auch der ohne Blaulicht.
Da hatte sie wohl recht.

Bremen und Lübeck

Seit ich in Hamburg wohne, ist es eines meiner Ziele, Bremen und Lübeck zu besuchen. Gleich ein Doppelziel und unglücklicherweise befinden sich beide Städte auch noch in entgegengesetzter Richtung. Der Einfachheit halber habe ich deshalb zwei Ziele daraus gemacht. Also nochmal:
Seit ich in Hamburg wohne, sind zwei meiner Ziele, Bremen und Lübeck zu besuchen. Ich bin vernarrt in Städte und seit meinem Umzug nach Deutschland faszinieren mich, nach anfänglicher Enttäuschung über den vielen Neubau, genau diese Lücken die die Bombardementen des zweiten Weltkrieges herausgeschlagen haben. Vor allem Hamburg entpuppt sich als wahres städtebauliches Wunder, wenn ich mit alten Karten aus Anfang 1900 durch die Stadt radle und feststelle, dass für Städteplaner die alliierten Bomber ein regelrechter Segen gewesen sein müssen. Nicht dass ich zB die Ost-West-Strasse schön finde, nein ganz im Gegenteil, aber wie würde die westliche Innenstadt und das nordöstliche St.Pauli heute wohl aussehen, wenn die Städteplaner nicht freie Hand gehabt hätten, in dieser Gegend um der Nikolaikirche herum, die als Mittelpunkt für die vier alliierten Angriffskeile diente? Ach, obwohl ich den architektonischen Sündern aus den siebzigern ohne weiteres zutraue, dass die die Ost-West-Schneise auch ohne den Zerstörungen, gewissenslos reingekeilt hätten.
Aber ich schweife ab. Ich wollte immer schonmal nach Bremen und nach Lübeck, und obwohl ich nun schon seit anderthalb Jahren in Deutschland wohne, habe ich es noch nie geschafft dorthin zu kommen, auch wenn es eigentlich nur ein Katzensprung ist. Vielleicht konnte ich mich aber auch nie entscheiden, welche der beiden ich zuerst besichtigen wollte. Die beiden Städte präsentierten sich mir immer als Doppelpack, daher liess ich es wohl immer sein und fuhr stattdessen lieber nach Glückstadt oder Wien.
Jedoch ist es heute soweit. Ich wurde vom Philharmoniachor für ein Konzertwochenende angeheuert. In Bremen und in Lübeck. Heute Bremen, morgen Lübeck. Am Sonntag Hamburg, aber das tuht nichts zur Sache. Also gibts die beiden Städte doch im Doppelpack.
Was ich damit sagen will? Natürlich gar nichts, bloss wiedermal mit meinen Konzerten angeben, und das, obwohl mir beide Konzerte so peinlich sind, dass ich es nichtmal wage jemanden einzuladen, geschweige denn zu sagen was wir da aufführen.
Aber ich komme nach Bremen und nach Lübeck, im Doppelpack. Das zählt.

Der Regen ist mir völlig wurscht. Nach den gestrigen 17 Grad und Sonnenschein kann es meinetwegen auch wieder regnen. Hauptsache die Kälte ist weg.
Ich mag den Regen heute richtig gerne, wie ein warmer Sommerregen, der einen angenehmen Geruch von Veränderung mit sich bringt. Wobei man schon leichtbekleidet, so tut, als würde man die Tropfen gar nicht spüren.

Fleischklumpen

Da nach den Kaminwurzen, der Speck nun auch fertig ist, und damit beinahe der ganze Fleischberg abgetragen, ist nur noch die eine leckere unbekannte Wurst übriggeblieben, die ich mir als besonderen Leckerbissen aufbewahren wollte.

Ich kenne diese Wurst nicht. Weder aus meiner Kindheit, noch von sonstigen Informationskanälen die mir momentan nicht einfallen. Aber da die Wurst im Überlebenspaket meiner Mutter enthalten war, muss es sich einfach um irgendwas traditionelles Südtirolerisches handeln. Bestimmt sone Bergbauerwurst vom Vinschgau, oder pustertaler Delikatesse mit wenig Fett für die neue Generation körperbewusster Knödlfresser wie mich.
Vorhin packte mich der Nachmittagshunger, bei uns auch Merende genannt, da schnitt ich die Wurst aus der Packung heraus und sah erstmal, dass es keine Wurst war, sondern ein geräuchertes Stück Fleisch. Ich war überrascht, konnte es der Form wegen aber nirgendwo einordnen. Rund, zwanzig Zentimeter lang, aus einem einzigen Stück Fleisch. Ein knochenloses Schweinebein, haha. Es roch vortrefflich, wie Speck, aber irgendwie frischer, mit einer leisen Andeutung von Pfefferminze. So schnitt ich mir ein Stueck ab und kaute ein Stück Apfel dazu. Ein wirklich wunderbares Stück Fleisch, dachte ich mir die ganze Zeit dabei, und nam noch ein Stück, während ich versuchte mir ein Bild zu machen was für Fleisch das wohl sein könne. So kaute ich, versunken in tiefster kulinarischen Erotik mit Blick auf die geräucherte Essensware, bis das Stück Fleisch vor mir Form anzunehmen schien. Und prompt spuckte ich es aus meinem Mund! Ein Ochsenpimmel war das! Der Penis einer männlichen Kuh. Ich spülte meinen Mund mehrmals um, drückte die halbe Zahnpastentupe in meinen Rachen und massierte mit der Zunge meinen Gaumen, bis ich das Gefühl losgeworden war, den Schwanz eines Huftieres gekaut zu haben.

Der Schock löste sich aber bald, und ging gleich in Interesse über. Ich war mir der Sache mit dem Pimmel ja nicht ganz sicher. Vielleicht war es auch bloss ein äusserst raffiniert aus einem Kalb herausgeschnittener Muskelstrang. Das würde die konische Form erklären.
Doch die endgültige Antwort konnte nur Frau Mutter wissen. Also nahm ich das Telefon. Ging keiner ran. Natürlich.
Daher setzte ich mich an den Laptop und rief google zu Hilfe. Google, sag mir was zu “Wust Pimmel Südtirol“. Google fand tatsächlich was. Nichts hilfreiches, aber an erster Stelle meine eigene Seite. Huch, schreibe ich wirklich über solche Sachen? Ich schäme mich ja zutiefst.

Dann kam die Dame des Hauses, erblickte die Wurst und rief: “Ah, da habe ich gerade Bock drauf!”, schnappte sich das Messer und schnitt hinein. Ich gesellte mich zu ihr, und sagte ganz geheimnisvoll und unverbindlich, dass es eine äusserst leckere Wurst sei, aber sie solle erstmal reinbeissen. Nein, ich wollte sie nicht warnen, sie sollte ihr Urteil selbst fällen. Ich war mit meinem Peniswahn bestimmt bloss paranoide. Doch sie ist ein gewieftes Mädl und guckte mich mit einem argwöhnischen Blick an: “Sag mir bitte bevor ich reinbeisse, das was du zu sagen hast”.
“Och nee, ich hab mir bloss so meine Gedanken gemacht. Ist aber wirklich leckeres Fleisch.”
Ihr argwöhnischer, mittlerweile böse gewordener Blick klebte an mir wie die klebrige Zunge eines Chamäleons. Ich musste mit der Sprache rausrücken.
“Nunja die Form” sagte ich und machte eine wellenartige Bewegung über den Fleischklumpen. “Erinnert mich halt irgendwie an einen Penis eines grosse Tieres.”
Sie schmiss das Messer hin und nahm einen Meter Abstand von der Anrichte. Dann näherte sie sich behutsam dem Fleisch, begutachtete es kurz, und verliess dann die Küche.
Und nun liegt das Ding da verwaisd herum, niemand will es essen, und meine Mutter nimmt das Telefon immer noch nicht ab.

Gott liebt dich (und auch mich)

Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.
(Joh. 3, 16)

Rebelle: “Gott muss verrückte Leute lieben”
John J. Rambo: “Warum?”
Rebelle: “Weil er so viele davon gemacht hat”
(Rambo III, 53. min.)

Sklaventum


50 %


My weblog owns 50 % of me.
Does your weblog own you?

Aha, das ist also der Weg womit sich die Maschinen zur Weltherrschaft erschleichen wollen. Ich danke dem Herrn Nase.

Da ich heute einen freien Tag habe und sonst niemand zuhause ist, und alle anderen mit denen ich so umgehe arbeiten oder sonstwie beschäftigt sind, und die Leute denen ich meine frohe Nachricht per Email geschrieben habe, nicht darauf reagieren, und es mir peinlich ist die Menschen auf der Strasse darüber anzusprechen, weil die das eh nicht verstehen würden, muss mein Weblog halt wieder herhalten:

Ich habe Rosa zurück! Mein Laptop wurde kuriert und nun ist sie alle Zickigkeiten los.

Jetzt habe ich wieder Umläüte und kann endlich normal surfen wie in den alten Tagen.
Die eine 100mHz Kiste kommt jetzt wieder in die Serverecke.

personalabteilung

Den treueren Lesern dieser Seite ist mein beruflicher Frust und mein staendiger Kampf um eine Anstellung bekannt. Ich bin ein freigevoegelter Zeitarbeitler und mein karger Lohn geht erstmal durch einen Spamfilter bei einer Fremdfirma, welche die grossartige Leistung vollbracht hat, mich zu bemitteln, und jetzt noch weiterhin meine Urlaubstage, Krankmeldungen und Stundenzettel verwaltet. Nach dem Spamfilter fliessen noch die paar gereinigten Geldscheine heraus, wie das schlanke Gemuese bei Bonduelle, in mein Bankkonto hinein. Ich soll ja nur das feinste bekommen.
Jetzt ist es soweit. Nach einem halben Jahr Versprechungen der Firma, musste ich mit Kuendigung drohen, damit der Vertrag zustande kommt. Deshalb rief mich letztens eine unfreundliche Dame der Personalabteilung an:

p: ich braeuchte noch Ihre Schulzeugnisse und Ihre Arbeitszeugnisse.
m: oh, tut mir Leid, die habe ich nicht. Ich habe noch nie in Deutschland gearbeitet. In anderen Laendern sind Arbeitszeugnisse nicht ueblich. Ich habe Referenzen angegeben.
p: was reden Sie da fuer einen Unsinn. Ich habe auch im Ausland gearbeitet, und habe sehr wohl Zeugnisse bekommen.
m: also es tut mir wirklich Leid, jedenfalls gibt es sowas nicht in dern Laendern wo ich gearbeitet habe. Wo haben Sie denn gearbeitet?
(es kommt keine Antwort)
p: Also ich kann Ihren Vertrag nicht zustande kommen lassen wenn Sie mir keine Zeugnisse vorlegen koennen.
m: Also ich bitte Sie, ich arbeite schon seit einem Jahr in dieser Firma, was sollen da Zeugnisse noch bewirken?
p: Sie sollten einfach froh sein, dass Sie ueberhaupt eine Anstellung angeboten bekommen haben. Die Firma stellt nicht mehr viele neue Leute ein.
m: Ich bitte Sie, ich bekomme den Vertrag weil ich sonst kuendige.
p: Wie sieht es mit Schulzeugnissen aus?
m: Wenn Sie meinen Lebenslauf durchnehmen, dann werden Sie sehen, dass ich mit 16 das letzte Mal auf der Schule gewesen bin. Das war Pflichtschule, ich glaube kaum, dass das relevant sein sollte.
p: Ohne Schulzeugnisse kann ich nichts fuer Sie tun.
m: Ach jetzt reiten Sie aber auf Burokratie herum. Ich habe in den letzten 15 Jahren noch nie irgendwo meine Schulzeugnisse vorlegen muessen. Das dauert mehrere Wochen bis ich die habe. Die muss ich aus Italien beantragen.
p: Ohne Zeugnisse keinen Vertrag.
m: Also ich werde das mal mit meinem Vorgesetzten besprechen.
p: Sie koennen sich auch gerne an meinen Vorgesetzten wenden (gemeines lachen)
m: Nein, ich klaere das ganz diplomatisch.
p: Wer ist denn Ihr Vorgesetzter?
m: Herr X
p: Nein, Herr X ist ihr Teamleiter, Sie muessen sich an den Herrn Y wenden.
m: Herr Y ist der Vorgesetzte meines Vorgesetzten, kommen sie, sie wollen das doch nicht auf Bereichsleiterebene hochspielen lassen.
p: Herr Y ist Ihr Vorgesetzter.
(Ich lege auf)

Mein Vorgesetzter war an dem Tag nicht da, deshalb schrieb ich der Sekretaerin meines Bereichsleiters, eine aeltere Dame, die mir sehr zu Herzen gewachsen ist, und schildere ihr die Situation, mit der Frage, was ich nun am Besten tun koennen. Diese wiederum leitet die Mail samt Rechtschreibfehler weiter an den Bereichsleiter, der scheinbar sofort flucht und den Satz “Ach die sollen sich nicht so anstellen!” ausruft und ein klaerendes Gespraech mit dem Vorgesetzten des Vorgesetzten der Personaldame beantragt.

Irgendwie witzig. Vielleicht hat sie es auch verdient, wer weiss. Jedoch habe ich auch vernommen, dass sie einen riesigen Stress hat und voellig ueberfordert ist, mit Bergen von Arbeit, die sie alle selbst erledigen muss. Wer weiss, vielleicht habe ich alles nur noch schlimmer gemacht.
Deshalb schrieb ich ihr ein paar Tage spaeter eine freundliche Mail, uebersaet mit smileys, mit der Bitte, mir mitzuteilen ab wann ich mit dem Vertrag rechnen kann, damit ich mich darauf einstellen kann, es ginge ja um finanzielle Sachen.
Darauf kam ein Einzeiler:

“Ich werde Herrn Y mitteilen sobald Sie Ihren Vertrag abholen koennen.”

Sie macht es mir nicht leicht. Und sichselbst auch nicht.

Mail aus Wien

Fuer euch Leser, die ihr ja hauptsaechlich Deutschlaender seid, mag die folgende Mail meiner Schwester vielleicht gar nicht so ungewoehnlich klingen. Berlin ist doch nur eure Hauptstadt.
Man muss aber bedenken, dass fuer uns Suedtiroler, Berlin eine weit entfernte, grosse Stadt im fernen Norden ist, die man aus schwarzweissen Kriegsfotos kennt, wo in unseren Koepfen eigentlich noch ne Mauer drumrum gebaut ist und wo andauernd Strassenschlachten gekaempft werden. Natuerlich haben wir auch mitbekommen, dass jetzt da die grosse Politik gemacht wird, und sicherlich kennen wir auch die grossen Museen vom Namen her. Aber es bleibt etwas exotisches und entferntes. Auch wenn ich in ’93 in Berlin gewohnt habe. Und daran aendert sich auch nichts dass ich jetzt in Hamburg wohne.
So klingt es jedenfalls, wenn meine Schwester Sigrid mir aus Wien schreibt:

was haelts du davon, uns alle, uebernaechstes oder ueber-uebernaechstes
wochenende, in berlin zu treffen um ordentlich abzufeiern?

Ja klar. Sowas wie Lass uns am Samstag bei Rosie’s treffen aufn Bier. Die tausendirgendwas Kilometer machen fuer sie auch nicht mehr den Unterschied.
Fuer mich ist diese Mail, alsob dem Hamburger Jansen, seine studierende Schwester Marie in Zuerich schreibt: Lass uns in zwei Wochen in Paris treffen.

Klar, macht man doch.