rauchen ist gar nicht schlecht
Thursday 31. March 2005
In meinem ganzen Leben, habe ich bisher zweimal aufgehört zu rauchen. Einmal ziemlich erfolgreich. Ich stand frühmorgens auf und dachte mir, Herr Mek, Sie sind völlig daneben, wenn Sie weiterhin soviel qualmen, landen Sie bald ganz tief unter der Erde in einer schweren Kiste mit dicken Nägeln, wo Sie nimmerwieder herauskommen!
Davon war ich so erschrocken, dass ich meinen Tabak unverzüglich in den Mülleimer schmiss und ihn mit Ekligkeiten aus meinem Kühlschrank übergoss, damit ich ja nicht auf die Idee kam, ihn wieder herauszufischen. Danach war ich ein zufriedener Nichtraucher. Vor allem in den ersten Wochen machte es mir richtig Spass, mich an der Theke zu betrinken und dauernd an Zigaretten zu denken. In der Mitte des Abends konnte ich natürlich kaum noch stehen, da ich für jeden zweiten Zug, den ich von einer Kippe genommen hätte, einen Zug aus meinem Whiskeyglas nehmen musste. Aber ich unterhielt mich blendend, und das Nichtrauchen machte mir richtigen Spass. Einige Monate später zog ich dann nach Madrid, bekam einen ungeregelten Lebensrythmus und verfiel erneut der Sucht. Nicht weil ich es nicht mehr aushielt, sondern weil ich mir ab und zu mal, Abends bei Tapas, ein Kippe erschnorrte, weil es einfach sein musste, Abends wenn man draussen sitzt und bei rotem Wein den spanischen Gepflogenheiten nachgeht.
Ich schnorrte immer öfter eine Zigarette, bald mehrmals pro Abend. Bald kaufte ich den freundlichen Spendern eine ganze Schachtel, aus Schuld heraus, und irgendwann konnte ich mir genausogut selber eine Schachtel kaufen. Das war billiger. Nach fünf oderso Schachteln realisierte ich dann, dass ich wieder mit dem Rauchen angefangen hatte, aber ab dem Moment war es mir wieder egal.
Ein weiterer Versuch, einige Jahre später, scheiterte kläglich, schon nach einigen Tagen. Mein Kopf wollte aufhören, aber mein Bauch hatte die hellste Freude am Rauchen und dachte gar nicht daran aufzuhören. Das macht dann keinen Sinn. Ich wartete auf den Moment wo sowohl mein Kopf, wie auch mein Bauch dazu bereit seien.
Das war vor anderthalb Jahren, und der Zeitpunkt ist immer noch nicht gekommen. Nicht dass ich sehnsüchtig auf den Zeitpunkt warte, aber das gab mir einfach das Gefühl, dass ich irgendwann schon aufhören würde, und deshalb getrost weiterrauchen könne.
Mein Problem ist, dass ich ein glücklicher Raucher bin. Und das Problem der glücklichen Raucher ist, dass das Rauchen dann gar nicht schlecht ist.
Britische Wissenschaftler haben vor einiger Zeit ein grossartiges Experiment durchgezogen, wobei sie Ratten und Hamster an Nikotinrauch aussetzten (ich schrieb schon vor einem Jahr einmal kurz darüber, ohne das Experiment genauer zu beschreiben). Das faszinierende an diesem Experiment war, dass die Ratten in kurzer Zeit an Lungenkrebs verreckten, die Hamster jedoch durchschnittlich sogar etwas länger lebten. Ist das nicht toll? Die Erklärung hierfür ist allerdings noch viel toller.
Die Wissenschaftler schlossen daraus, dass die Ratten ein Problem haben, nämlich, dass sie von Rauch in Panik geraten. Ihr wisst vielleicht ja, dass im Mittelalter, oder in welchem Alter auch immer, das erste Anzeichen eines Brandes, fliehende Ratten waren. Ratten kennen Rauch in deren natürlichen Umgebung, und wissen dass sie davon ersticken, oder verbrennen. Rauch verursacht bei Ratten Stress. Hamster hingegen leben in Löchern, zumindest wenn sie in freier Natur leben, und Rauch kennen die nicht. Wo sie dann im Experiment Nikotinrauch ausgesetzt wurden, konnten die gänzlich ohne Vorurteile die positive Wirkung des Nikotins ausnutzen, und lebten dadurch länger.
Die Krebsforschung hat in den letzten Jahren ja grosse Veränderungen durchgemacht, so ist man draufgekommen, dass der Krebs vor allem erstmal im Kopf auftaucht und dann in Verbindung mit körperlichen Schwächen, gewisse Organe anfällt. So sehe ich zB, jemand der unter grossem und untröstlichem Liebskummer leidet (Schmerzen in der Brust), vielleicht noch eine schwächelnde Lunge hat, und zusätzlich auch noch raucht, sehr schnell Lungenkrebs bekommen. Aber das kommt ja nicht vom Rauchen, sondern hauptsächlich von den anderen zwei Problemen.
Heute erst hat mir eine Arbeitskollegin, die früher mal Krankenschwester war, dass bei ihr im Krankenhaus, die meisten der Lungenkrebspatienten gar nicht rauchten, oder jemals viel geraucht hatten.
Das Wichtige beim Rauchen ist nur, dass man glücklich dabei ist. Die Kippe nach dem Essen ist ein erotisches Erlebnis, die Erste am Morgen sowieso, und alle dazwischen lassen die Spatzen von den Bäumen pfeifen.
Sobald man anfängt bei jeder Zigarette zu denken, dass das schlecht ist und dass man aufhören sollte, dann hört man am Besten unmittelbar auf, sonst wird man krank. Im Kopf und in der Lunge, und dann kommt der Krebs dahergelaufen.
Heutzutage bekommt man Lungenkrebs wegen den Kleinstpartikeln von den Abgasen in der Luft (Ja, jetzt laufe auch ich mit der neuen Rage mit), oder vom Stress mit dem schnellen Leben, dem jeder versucht nachzulaufen und nicht einzuholen vermag.
Und wichtig ist richtiges Atmen. Mehrmals pro Tag die Lungen vollkommen leerpressen bis man nur noch röchelt, und dann wieder einatmen bis einem der Bauch fast Platz und dies dreiviermal wiederholen. So wie es Ärzte bei der Kur von einer Lungenentzündung empfehlen.
Dann geht es uns allen wieder gut.
Und ja, dann kann man noch bemängeln, dass das Rauchen stinkt und all die Sachen, oder dass man nach dem Besuch einer Kneipe, sich gleich die Klamotten vom Leibe ziehen muss. Aber das ist doch alles bloss Einbildung. Wir leben heutzutage sowieso in einer krankhaft reinlichen Welt. Fast schon klinisch reinlich, wenn ich an die Nordländer denke, die, wenn sie in den Urlaub fahren und beim Franzosen auf dem Lande, das Baguette direkt in die Hand gedrückt bekommen, ohne Verpackung drumherum, gleich einen wochenlangen Durchfall bekommen, weil plötzlich soviele Bakterien im Körper hausen.
Das geht jetzt weit, ich weiss, aber was bleibt von uns Männern, die erotisch nach Whiskey und Rauch riechen wollen, wenn wir nicht mehr qualmen dürfen? Müssen wir uns dann dreimal Pro Tag in Lavendel-Rosen-Öl baden?
Trotz allen oben genannten Punkten, bleibt es jedoch eine ungesunde Angelegenheit. Bis ich eine Ausrede gegen Herzkranzgefässverkalkung gefunden habe.
UPDATE 30.10.2009: Ich bin, nach 22 Jahren Kette geraucht zu haben, nun seit fast zwei Jahren Nichtraucher und musste feststellen, dass das eine der klügsten Entscheidungen gewesen ist, die ich je getroffen habe. Zudem war es einfacher als ich je gedacht hätte. Einfach keine mehr anzünden, und alles pendelt sich ein.
Was Rauchern vielleicht auch noch deutlich sein soll: solange man raucht, ist einem diese eigenartige Gewohnheit gar nicht bewusst. Als Ex-Raucher verbingt man viel Zeit damit den Kopf zu schütteln und sich zu wundern, dass man das tatsächlich gemacht hat, dieses dauernde am Stengel hängen, die Zeit danach einteilen, dieses noch schnell eine Rauchen, diese eigenartige Abhängigkeit, die gleichzeitig auch Geborgenheit gibt (so lange ich Zigaretten hab…), der man nachgeht und man sich in einer romantisierten Freheit wähnt. Das war mir nie so bewusst, ist aber auch ziemlich Esozeug wie das jetzt so dasteht.



