ein verregneter Sommer

(Erschienen in der Anthologie nr.2 von Kaffee.Satz.Lesen im Mairisch Verlag, Hamburg)

I.
Es plätscherte draussen schon seit vielen Tagen, als ich plötzlich und unangekündigt meinen Unmut verlor, in jener Nacht in der es auf einmal dämmerte, nachdem ich zweimal zu tief in ihre verregneten Augen geschaut hatte und schon weinselig dahinnieselte, noch der festen Überzeugung, ich liesse das mit der Liebe jetzt mal sein und widmete mich den richtigen Dingen, für ein standfestes Bein, die Lacher auf meiner Seite und ein anständiges Rückgrat auf meinem Arsch. Stattdessen verschob ich mein Wunschdenken auf Weihnachten zweitausendirgendwas, als ich sie auf ihre roten Lippen küsste.

II.
Wir verbrachten die Tage in grau. Für mich war sie Regen. Die grosse Schwingtür zum Balkon stand oft offen, während es draussen regnete, die Gardinen wehten im Wind, und sie sass inmitten meines grossen Zimmers auf dem Boden, den Rock ausgebreitet, barfuss, und zeichnete. Sie sprach nie viel, auch nicht, wenn wir alleine waren. Sie mochte diese Gewissheit, mich da zu haben, dass ich auf dem Sofa sass und schrieb, dass ich sie hin und wieder danach fragte, ob sie einen Tee wolle, wobei sie immer nickte, oder wenn wir stundenlang im Bett lagen, nackt, an die Decke starrten, während es draussen plätscherte, sie mit ihrem Kopf auf meinem Bauch lag und gedankenverloren meinen Penis streichelte wie ihr eigenes Haar und ihn dann in den Mund nahm. Bis ich kam. Und danach verträumt lachte, weil das alles war, was sie wollte, als sei ihr kleines Glück erfüllt. Dieses verregnete Beisammensein ohne viele Worte, bei dem Sex oft spielerisch naiv wurde. Auch wenn sie mich anrief, sprach sie von der Sehnsucht, ihren Kopf auf meinen Bauch zu legen, mir zuzuhören wie ich eine Melodie summe, ihren Kopf streichelnd aus dem Fenster schaue, und dabei einzuschlafen.
Sie besuchte mich fast jedes Wochenende, unsere Städte lagen drei Stunden voneinander entfernt. In den Tagen dazwischen schrieben wir uns Mails, Dutzende täglich. Sie war glücklich darüber, in meinem Bett schlafen zu können, ihre Alpträume verschwänden, wenn sie bei mir schliefe, ihre Alpträume, die sie immer quälten, sie nachts oft mehrmals aus dem Schlaf rissen. Wenn es ganz besonders schlimme waren, rief sie mich an und wir redeten lange, über ferne Länder, über lustige Menschen, die wir kannten, und meistens sagte sie, sie wolle ihren Kopf auf meinen Bauch legen und manchmal schlief sie damit ein. Nur “Gute Nacht” sagen, das durfte ich nie, weil ich sie dann alleine gelassen hätte, in ihrem dunklen Zimmer, in weiter Ferne.
Tagsüber wollte ich, dass sie mir von ihren Träumen schrieb; alles aufschreiben sollte sie, nicht vergessen was sie nächtens plage, nie davor weglaufen, als hätte ich Ahnung davon. Jeden Vormittag kam erst ihre Guten-Morgen-Mail und eine halbe Stunde später ihr Alptraum. Immer geordnet, als sei es ab jetzt ihre tägliche Aufgabe, wie das Zähneputzen, mit der Betreffzeile “mein heutiger Alptraum”. Und oft folgten darauf im dreissig-Minuten-Takt eine oder zwei, manchmal gar drei oder vier weitere, mit der selben Überschrift. Anfangs antwortete ich oft auf ihre Schilderungen der schlechten Träume, versuchte mich damit auseinanderzusetzen, natürlich ohne Erfolg. Aber das schien sie nicht zu kümmern, sie schrieb und schrieb, und es schien ihr Freude zu bereiten diese Mails für mich zu schreiben, als täte sie es gar nicht für sich selbst, sondern als ob sie sich in dieser Rolle gefiele, diese Aufgabe zu erledigen.
Nach sieben Wochen brach sie die Routine. In der Betreffzeile der ersten Mail am Morgen stand: “Kein Alptraum heute?”. Kein weiterer Text. Ich weiss noch, wie unpassend ich das Fragezeichen fand, als sei sie erstmal verwundert gewesen und müsse erst lange darüber nachdenken, bevor sie sich freuen könne. Die Alpträume kehrten dann auch am zweiten Tag nicht zurück und auch nicht am dritten Tag. Am vierten Tag schrieb sie, jetzt seien sie weg.
Meine Freunde mochten sie. Auch wenn sie nie ein besonderes Verhältnis zu jemandem aufbaute. Sie nahm keinen Platz ein, machte sich schmal, verhinderte jegliche Unannehmlichkeit, indem sie in den Ecken sass, wenig sprach, um nichts Falsches zu sagen und doch den Eindruck erwecdkte, unentwegt an allem teilzunehmen. Und immer wurde sie ausdrücklich eingeladen, wenn es eine Feier gab, oder wenn Freunde auf der Bühne spielten, “nimm SIE auch mit”, weil sie so selbstverständlich dazugehörte, so plötzlich, als sei sie schon immer da gewesen, und doch ging es immer über mich, immer sollte ICH sie einladen, nie wäre jemand auf den Gedanken gekommen, sie selbst anzurufen, obwohl sie mit den Frauen die Nummern ausgetauscht hatte, weil man sich wiedermal sprechen wollte, die Neue, sie war doch so nett, sie sollte dabei sein, und sie kam immer, sie war glücklich, mit mir auf Konzerten den Klängen zu lauschen, in dunklen Ecken den Menschen und gefärbten Lichtern auf der Bühne zuzusehen, die Hüfte im Rhythmus zu wiegen und im Rotweinnebel zu versinken.

III.
Als wir einmal betrunken waren, in einer Nacht mit argentinischem Tango auf einem dieser antiken roten Sofas sassen und mich eine fatalistische Laune ergriff, weil eben alles so vergänglich war, und weil ich plötzlich wusste, dass ich sie nicht wirklich liebte, sondern nur dem Regen in ihren Augen verfallen war, da sagte ich es ihr, unüberlegt und dahingeworfen zwischen Aschenbecher und Martini, dass ich sie nicht lieben könne, dass sie mich trotz ihrer langen Beine und ihrer sinnlichen Lippen eigentlich unglücklich mache. In wenigen kargen Sätzen nur, als hätte sie das ohnehin wissen müssen, wegen der Art, in der wir uns liebten, wie wir die Tage verfliessen liessen, wie unverbindlich und vergänglich unsere Worte immer waren.
Und so hob ich mein Glas und prostete im Stillen auf das verschwundene Glück in die Leere hinein, weil das mit dem Glück ja eh immer so eine Sache ist, die gerade bei Schönwetter wieder abzieht, und mir nicht gegönnt war und mich dabei fröhlich machte, als würde ich gerne darüber lachen.
Sie veränderte ihre Haltung nicht, führte das Glas Martini langsam zu ihrem Mund und sah weiterhin den tanzenden Paaren zu.
Als ich mich, innerlich noch prostend, in meiner schwermütigen, fröhlichen Rotweinmelancholie zu ihr umdrehte, konnte ich förmlich sehen wie ihre Augen plötzlich anschwollen und ihr Gesicht in einer Flut von Tränen ertrank. Ich erschrak, wie ich sie so vor mir sah, wie ihr ganzes Glück, das sie zu haben glaubte, in ihren Augen zerbrach und den Mascara samt ihrem unbeschwerten Zeichnen bei mir Zuhause, aus ihrem Gesicht schwemmte, als sei ein Gewitter losgebrochen. Ich wollte nach meinen gesprochenen Worten schnappen, sie zurückholen. Doch als ich danach griff, hielt ich bloss ihren Körper, der willenlos geworden war und sich gegen nichts mehr wehrte, in den Händen. Sie war untröstlich, wendete ihr Gesicht von mir ab und ich bereute meine Worte.
Doch warum eigentlich? – Weil ich die Worte besser hätte wählen können? Weil ich auf einen anderen Augenblick hätte warten sollen, weil wir zu viel getrunken hatten und ich sie nicht traurig machen wollte? – Weil es die Wahrheit war.
Ich nahm sie mit raus, weg von den Scherben, hinaus in den Regen, zog sie an den nächtlichen Grachten entlang, ich redete nicht, weil es dann doch nichts gab, was ich hätte zurückziehen können, hätte sollen, lief nur neben ihr her, während sie stampfend voranschritt, mit gesenktem Kopf, vor Wut, vor Tränen, mir alle dreissig Meter mit beiden Fäusten an die Brust schlug, auf den Rücken, wie ich halt gerade stand. Auf den Brücken hielt sie manchmal an, schaute in das Wasser, spuckte ihren Blicken hinterher, sagte dann nichts. Nichts, ausser lautem Schluchzen. Und ich schaute ihren Blicken nach.
Nach etlichen Brücken und Grachten und Gassen kamen wir uns dann wieder näher, hielten einander irgendwann wieder die Hände, wärmten einander.
Und lagen später nebeneinander im Bett, nackt, weil wir immer nackt im Bett lagen, starrten an die Decke, als ob alles, was man sich nicht zu sagen hatte, dort oben verschwinden würde, in den Zwischenräumen der Löwen und Rosen im Stuck. Ich streichelte ihre Brust, küsste ihre linke Warze, sie lächelte, und weinte, ich sagte bloss, sie solle das alles nicht so schwer sehen, dass Liebe bloss vergänglich sei, in ein paar Tagen, Wochen, könnten wir wieder an den Grachten spazieren, ohne Schmerzen, weil sie sich vielleicht in jemanden verguckt hatte, der sie eher lieben würde als ich es je tun könne. Sie nickte und wir hielten einander fest, als wäre alles wieder gut, und morgen wäre alles, wie es nun mal sein würde. Sie drehte sich um, mir den Rücken zugewandt, drückte sich an mich heran und so lagen wir eine ganze Weile und hörten einander beim Atmen zu, obwohl es eher ihr Herzklopfen war, das ich an ihrer Brust spürte, dem ich lauschte.
Dann zog sie ihre rechte Pobacke hoch, griff nach meinem Penis und legte ihn dazwischen. Ich hatte gleich eine Erektion und hielt mich an ihrem Hüftknochen fest. Sie presste ihren Hintern in meinen Schoss.
An einem regnerischen Tag hatte sie mir mal gesagt, dass sie Flieder mochte, Flieder, wegen der ganzen weissen oder roten Punkte in all dem wilden Grün, weil es eigentlich bloss ein Strauch sei, der sich fühle wie eine wunderschöne Blume und ein grosser Baum zugleich, und trotzdem nicht zu wissen scheine, wofür er sich nun entscheiden solle. Flieder mache sie immer glücklich. Ich drückte sie mit der Brust nach unten aufs Bett, legte mich auf sie und drang in sie ein.
Einen Flieder würde ich ihr pflanzen, für ihren Garten, der in Wirklichkeit lediglich ein winziger, zubetonierter Innenhof war, den sie halt Garten nannte, weil sie Basilikum und Rosmarin in einer Vase wachsen liess und man sich bei Schönwetter darin sonnen konnte. Ja, einen Flieder würde ich ihr kaufen. Das Gesicht leicht zur Seite geneigt stöhnte sie mir leise zu, ich solle meinen Penis hinten rein tun, in den Anus, weil das nicht so weh tue: das erregte mich und ich zögerte keinen Augenblick, suchte behutsam nach der richtigen Öffnung und drang schliesslich dort ein, wobei ich mich wieder über sie hinweg legte, meine Arme unter ihr hindurch, sie fest an meinen Körper drückte, und dann überflog mich dieser Gedanke, wie komisch das doch sei, dass es sie hinten weniger schmerze als vorne, welch eine verblüffende Sexyness sie manchmal in wenigen Worten zu Tage legen konnte, wie gerne ich eigentlich mit ihr schlief, und ich ihr das deshalb sagte, im Rausch des Aktes –
“Du erregst mich so sehr.”
“Ich weiss, warum genau?”
“Wie du mich von hinten haben willst.”
“Vorne geniesse ich zu viel von dir. Das ertrage ich nicht.”
Ich glaube, ich verstand es nicht sofort. Ich keuchte noch etwas und erschlaffte dann augenblicklich.
Sie weinte.
Mir war zum Heulen.

IV.
Das nächste Wochenende sagte ich ab, ich könne sie nicht empfangen, ich sei anderweitig verpflichtet. An der Bar, diesen merkwürdigen Schatten in meiner Brust wegzuspülen. Am Tag darauf kam morgens eine E-Mail. In der Betreffzeile stand “Mein heutiger Alptraum”. Ich drückte auf den Antwortknopf und verharrte lange Minuten mit den Fingern an der Tastatur, bekam aber keine einzige Taste eingedrückt. Da liess ich die Antwort ausbleiben.
Wir telefonierten ab und an. Ich wies sie ständig ab. Ich könne an jenem Wochenende nicht, an jenem auch nicht. Dann stand sie eine Woche später vor meiner Wohnungstür. Ich liess sie herein, sie setzte sich auf das Sofa und zündete sich eine Zigarette an, nervös zitternd, schaute zu Boden. Draussen regnete es. Erst als ich sie fragte, wie es ihr denn so gehe, hob sie zögernd ihre Stimme und wollte wissen, was sie falsch gemacht habe, fragte aber nicht, als ob ich ihr eine Antwort darauf geben solle, sondern leise und mit aufkommender Feuchtigkeit in ihren Augen, als wolle sie nur hören, dass ich sie sehr wohl immer noch liebte, als solle ich sagen, ich wolle es noch einmal versuchen, es sei bloss eine Laune von mir gewesen.
Aber meine Erklärungen trafen weder sie noch den Punkt, weil meine Erklärungen den Regen beschrieben, den sie immer mit sich herumtrug, diese grauen Tage, die ich immer so liebte, für die ich sie so hasste, weil am Ende immer nichts übrig blieb – von mir. Sie stand auf, umarmte mich, ich erwiderte die Umarmung, entwand mich kurz darauf wieder und setzte mich auf das Sofa.
Sie blieb dort stehen und weinte, griff sich mit einer Hand ins Gesicht zog ihr Kleid aus, und das bisschen das sie noch darunter trug, ohne, dass ich es wirklich merkte. Und so stand sie da, mitten in meinem Zimmer, nackt, und sah mich an, als solle ich sie nehmen, als sei sie ganz die Meine, ich müsse sie nur wollen.
Ich hielt es nicht mehr aus. Und bat sie, zu gehen.
Der kleine Fliederstrauch, den ich ihr zwei Monate später hatte schicken lassen, kam zurück. Die Karte, die daran baumelte, war zwar rot, liess mich aber nichts Erfreuliches ahnen. Ich liess einige Stunden verstreichen, bevor ich sie las und erfuhr, dass “ich” ihr Alptraum sei.
Danach öffnete ich die Balkontüren, in der Hoffnung, der Regen hätte endlich aufgehört.

ein-zwei-drei

den Samstag am 6. Mai
den hält man schon mal frei
‘s wird geben viel Geschrei
und Kuchen noch dazu

liebes Tagebuch #1

“Du bist ein Kopfmensch der mit dem Arsch denkt”

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liebes Tagebuch, nachdem ich mich heute durchs Oscar Wildes Biographie las und auf den Namen McNeill stiess, mir dabei auffiel, dass ich das als EMSIEH Neill las, merkte ich, dass Bloggen ungesund ist.

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Ausgiebig gegähnt, richtig ausgiebig, aus freudiger Fäule und mir dabei das Kiefer verrenkt. Frühstück durch den Mixer getrieben.

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gemixtes Brot ist irgendwie… interessant.

Berge des Wahnsinns – und ein Stöckchen

mit sowas kann man mir ja eine ungeheuere Freude bereiten. Wenn düstere und melancholische singende Sägen, Akkordeon und Splatter-Bass auf Texte von von uralten Gottheiten und verlorenen Seelen treffen, wenn nämlich die Tiger Lillies und Alexander Hacke, Texte von H.P.Lovecraft inszenieren.
Ich weiss nicht ob es noch Karten gibt, aber beeilt euch besser, denn weg gehen sie bestimmt.

Und weil wir schonmal bei der Musik sind, greife ich bein Stöckchen zu, das mir der Herr Paulsen in die Hand gedrückt hat. Ich kann dem netten jungen Mann ja nicht wiederstehen und werde seine Fragen beantworten. (Falls jemand nachher das Stöckchen aufhebt, ersetzt dann bitte das Wort “Track” durch irgendetwas anderes, ich war zu faul dafür, danke.):

01. ein track … aus deiner frühesten kindheit!
Da muss ich mal die Zeit ganz weit nach hinten drehen und lande dann bei “He, ho, spann den Wagen an”. Kein richtiges Lied im Sinne von , jedoch bin ich der Überzeugung, dass mich dieses Lied emotional geprägt hat.
02. ein track … den du mit deiner (ersten) großen liebe verbindest.
Das Lied der Schlümpfe. Ich liebte meine erste Lehrerin.
03. ein track … der dich an einen urlaub erinnert.
J.S.Bach – Sicut locutus est (Magnificat)
04. ein track … von dem du in der öffentlichkeit eigentlich nicht so gerne zugeben möchtest, dass du ihn eigentlich ganz gerne magst.
Da dies hier ja keine Öffentlichkeit ist, kann ich es getrost zugeben: Manowar – Heart of Steel.
Wenn richtige Männer wie ich ein bisschen wehleidig werden.
05. ein track … der dich – geplagt von liebeskummer – begleitet hat.
Ne me quite pas (nicht wegen dem Text, obwohl sich das schon verwandt anhört, sondern wegen der Musik) – Die Version von Ute Lemper.
06. ein track … den du in deinem leben vermutlich am häufigsten gehört hast.
Nick Cave and the Bad Seeds – The Ship Song. (klingt noch zehnmal schöner, wenn man meine 45rpm Maxi Single auf 33rpm laufen lässt)
07. ein track … der dein liebstes instrumental ist.
Divine Comedy – Lilies Theme.
08. ein track … der eine deiner liebsten bands repräsentiert.
Einstürzende Neubauten – Schwarz (oder Sehnsucht. Vielleicht einfach beide)
09. ein track … in dem du dich selbst wiederfindest oder in dem du dich auf eine gewisse art und weise verstanden fühlst.
Manowar – Heart of Steel (Mek, nicht schon wieder..)
10. ein track … der dich an eine spezielle begebenheit erinnert (& welche das ist).
Ramones – Sheena is a Punkrocker.
Das erste Konzert in meinem Leben. Ramones in Belluno. Mein erster richtiger Pogo, bei dem ich mir meiner Lederjacke zerriss und sich die Sohle meines rechten Springerstiefels löste. Beim ersten Ton nach dem one two three four von Sheena is a punkrocker, brach hinten die Naht meiner Jacke. Boah war ich ein harter Pogista.
11. ein track … bei dem du am besten entspannen kannst.
Entspannen? Ich mache das nie mit Musik.
12. ein track … der für eine richtig gute zeit in deinem leben steht.
C.C.C.P. – Valium, Tavor, Serenase
13. ein track … der momentan dein lieblingssong ist.
Seit ich die Karten oben in der Hand halte: The Tiger Lillies – Send in the clowns
14. ein track … den du (d)einem besten freund widmen würdest.
Element Of Crime – Ohne dich (geht das Leben geradeaus und die Sonne im Kreis)
15. ein track … bei dem du das gefühl hast, dass ihn außer dir niemand gerne hört.
BodyCount – High in the Sky
16. ein track … den du vor allem aufgrund seiner lyrics magst.
Tom Waits – Alice
17. ein track … der weder deutsch- noch englischsprachig ist und dir sehr gefällt.
CSI – Inquieto
18. ein track … bei dem du dich bestens abreagieren kannst.
Milva – Luce
19. ein track … der auf deiner beerdigung gespielt werden sollte.
Wenn ich mein Requiem bis dahin nicht zu Ende komponiert habe, dass muss Nick Cave herhalten, mit “Lay Me Low”.
All man and beast will mourn / When I go / They’ll bang a big old gong
20. ein track … den du zu den besten aller zeiten rechnen würdest.
Gianni Lindo Ferretti – Maciste Contro Tutti (in allen verschiedenen Versionen. Ein Epos)

weltfrieden hört sich so an

Der Herr Verweiler hat aus mirvorgelesen. Vom Jubelabend am Millerntor. Das leidenschaftliche Stück Musik stammt von ihm selbst, grazil gespielt auf der Blockflöte, grossartig. Die beste Version von “You’ll never walk alone” die ich jemals gehört habe. Damit könnte er in der Gegengeraden unter Umständen ein wenig untergehen, aber mit einem Mikro oder einem Megaphon davor, kriegen wir das schon hin.

Ich verneige mich und sage Danke. Sehr schön.

hallo Hamburg

Betrunkene Autoren. So was Ähnliches wie ne Lesung.

Am Freitag. 20:00 Uhr FC St. Pauli Clubheim,
Auf dem Heiligengeistfeld 1 (direkt neben dem Stadion)
Eintritt: 5,- Euro

i’m taken

taken, taken, wie sehr mich das immer amüsiert, wenn Menschen sagen sie seien genommen, aus dem Markt gezogen, glückliche gackernde Hühner beim Kragen aus dem Sortiment gepflückt und zum Festtagsschmaus verbraten anstatt zu frittierten Nuggets zwischen zwei pampigen Brothälften geschnipselt.

wäh

Wäh, was fand ich in Holland Karnemelk immer eklig. Wie Milch die man zu lange in der Sonne hat stehen lassen, tagelang, um sie danach in den Kühlregalen der Läden zu stellen und als wertvolles Milchprodukt zu verkaufen. Wäh, was hasste ich Karnemelk. Wäh, und ich hasste auch meinen Kollegen, der eklige Klugscheisser, der immer eine kleine Tüte Karnemelk von Albert Heijn bei sich hatte und sie in einem Schluck austrank, nachdem er sein langweiliges Käsebrötchen gegessen hatte, das er sich immer bis Punkt zwölf Uhr aufgespart hatte. Diese fantasielosen roten Tüten, am Design der Albert Heijn-Milch angelehnt, nur rot, wäh, wie kommt man bloss auf die Idee verfaulte saure Milch in Rot zu verpacken.

Und was ich noch viel mehr hasse, sind diese internationalen Verpackungen. Wenn ich dann beispielweise meine kürzlich liebgewonnene Buttermilch trinke, die mich an ganz besonders harten Katertagen stärkt und diese verdammten internationalen Verpackungen immer mit der ganzen verdammten Wahrheit rausrücken. Weil ich nach dem Trinken die dreisprachige Beschreibung lese, auf der dann steht:

Buttermilch
Karnemelk
Burreue

Bäh, was hasse ich diese klugscheisserische Mehrsprachigkeit.

wenn der Somnambule mit dem Alligator…

Wir lieben ihn ja am meisten wenn er in seinem Cafe niveauvoll herumjammert, aber trotzdem freute es uns damals ohnegleichen, als wir erlebten wie ein kleiner bissfreudiger Alligator ihn mit einigen lustigen Momenten bescherte.
Ich wollte diese Geschichte schon lange lesen, hatte aber immer Schwierigkeiten sie musikalisch zu unterlegen (Ian Curtis hat nie auf meine Mail geantwortet in der ich um Erlaubnis bat, seine Musik dem gesprochenen Text beizulegen und anschliessend im Internet zu veröffentlichen), deshalb habe ich mich zu einem pragmatischen Anpack entschlossen und fing vor einem Jahr an, eifrig die vier Schnappi-Akkorde auf meinem Klavier zu üben. Auswendig.
Und heute kann ich endlich voller Stolz die vier Minuten und siebzehn Sekunden über Kids wundersame Erfahrung mit dem rockigen Krokodil präsentieren.

Drüben bei Blog:Read.

Rumpelgestielze

Ich bin seit drei Wochen so uninspiriert wie eine kaltgefronene Forelle. Dabei höre ich seit drei Wochen die ganze Zeit Oasis. Und wenn ich die gerade nicht höre, dann summe ich doch wenigstens eines deren Lieder. Halbfröhlich und uninspiriert vor mich hin. Das war schon immer so. Jedenfalls seit ich Oasis kenne. Und das ist schon länger als mir lieb ist.
Jetzt weiss ich nur nicht ob es an der Band liegt, dass ich uninspiriert durch die Gegend laufe, oder an meiner uninspirierten Gemütslage, dass ich immerzu gerade Oasis höre.

Zum Test sollte ich ab morgen vielleicht andere Musik hören. Und weil ich schon dabei bin: die Oasis CDs in Stücke zerhacken und aus meinem Haushalt verbannen. Für immer.

mein erster Wochenenddienst

Endlich ungeniert an meinem eigenen Bürotisch den Sack kratzen dürfen wenn es juckt.

[Ich frage mich warum Horrorfilme immer in alten, ächzenden Häusern gedreht werden, wobei tausende leerstehende Quadratmeter klinischer Büroflure und -Räume dreimal so gespenstisch wirken. (Das allgegenwärtige, leise hohe Summen, das man unter der Woche nie hört weil die Arbeitswelt ihre aufgeregte Geräuschkulisse aufzieht, macht mich wahnsinnig)]

mek wito Superstar

Wenn ihr heute Abend nicht aufpasst, dann erscheine ich nach Neun plötzlich und unangekündigt auf euren Fernsehern.

Wie gerne würde ich jetzt sagen es handele sich um ein Interview mit mir, in dem man mir schmeichelnde Fragen über meine Schreibe stellt, wo man mich umschwärmt, aus meinen Geschichten zitiert und mich fragt was ich mit diesem und jenem Satz gemeint habe und ob Südtiroler Speck nicht vielleicht meine Metapher für den Weltfrieden sei.

Es würde mir auch schon reichen, würde man meine Risottogerichte loben. Ein Satz nur und ich wäre glücklich: “Sehr geehrter Mek Wito, Ihr Risotto ist pu-rer Sex. Jetzt können Sie wieder gehen”. OK das sind zwei Sätze, aber mehr brauche ich gar nicht.

Stattdessen war es so, dass ich Anfang Januar zum Zollamt ging, um eine Uhr abzuholen die ich ende November, über eBay, aus Singapur ersteigert hatte. Weihnachtsgeschenk – es war schon Januar geworden.
Drin beim Amtsschalter überfiel mich ein aufgeregtes Trio mit Kamera und Stabmikrophon. Eine blonde junge Dame fragte mich ob ich mich bei der Paketabholung filmen lassen würde. Mein Haar sass scheisse, deshalb zögerte ich ein wenig, jedoch versicherte sie mir, dass meinem Haar wirklich nichts auszusetzen sei. Also sagte ich zu.

Daraufhin durfte ich mich endlich der Schalterdame zuwenden:
“Hallo, ich möchte gerne meine Drogen abholen”

Licht aus, Kamera aus. Die blonde Dame kreidebleich.
“Nein, das geht so nicht, das ist eine seriöse Reportage. Nochmal von vorne bitte”.
“Die Drogen soll ich also nicht erwähnen?”
“Genau”.
Danach ging es einfacher. Ich wusste welche Person Deutschland im Zollamt sehen wollte: den etwas verärgerten jungen Mann, das unschuldige Opfer das sich in den Wirren der Plagiatmafia aus Singapur verstrickt hatte. Ein Thriller ohnegleichen.

Wer bei diesem Wetter nichts besseres zu tun hat, kann sich heuteabend also auf Kabeleins um 21:15 das K1 Magazin sehen. Mek Wito zeigt Deutschland wie schlecht die Welt da draussen ist.

Und beim Rausgehen sah ich dann, dass mein Haar wirklich scheisse sass.

dialog

KIND (hat Angst): Mama, das grosse schreckliche Wort macht mir Angst.
MUTTER (hat keine Angst): Das kann nicht sein.
KIND: (hat grosse Angst): Doch Mama, schau wie es sich regt!
MUTTER: Aber es ist doch tot!
KIND: Aber ich will kein totes Wort auf meinem Zimmer.
MUTTER: Hier ist ja alles tot.
KIND: Oma nicht.
MUTTER: Aber das Wort schon.
KIND: Das Wort hatte aber auch nen Sprachfehler.
MUTTER: Na und? Deine Geburt war auch ein Fehler.
KIND: Meine Geburt war eine Hilfe!
MUTTER: Auch ein Fehler.

(POLIZIST kommt zur Tuere herein)
POLIZIST: Hallo. Ich habe gehoehrt, hier gaebe es einen Mord.
MUTTER: Ja, manchmal.
POLIZIST: Also heute nicht?
MUTTER: Spaeter vielleicht.
POLIZIST: Dann warte ich.
KIND: Und was nun?
POLIZIST: Du bist zu klein, du sollst noch keine Schicksalsfragen stellen.
KIND: Faschist!
POLIZIST: Haben sie gehoert gnaedige Frau? Sie sollten ihrem Kind Respekt vor der Staatsmacht beibringen.
MUTTER: Kommt, lasst uns schweigen.
KIND: Genau.
POLIZIST: Und warten
MUTTER: Worauf denn?
POLIZIST: Auf den Mord.
MUTTER: Achja.

(TOTE OMA steht auf und schreit:)
TOTE OMA: Ich war es!
MUTTER: Nein ich.
POLIZIST: Was denn?
TOTE OMA: Der Mord.
POLIZIST: Aha. An wen denn?
TOTE OMA: An das tote Wort.
POLZIST: Wie alt war es denn?
TOTE OMA: Um die 52.
POLIZIST: Wie schrecklich. Es konnte also nicht mal die Fruechte der Rente pfluecken.
TOTE OMA: Ach Schnauze, es hat seinen Lebtag nie gearbeitet.
POLIZIST (entsetzt): Ein Parasit?
TOTE OMA: Behindert. Es hatte einen Sprachfehler.
POLIZIST: Wie schrecklich.
TOTE OMA: Und jetzt hau ab. Wenn sich jemand umbringt rufen wir dich.
POLIZIST: Aber ich bin doch ein Diener des Volkes.
TOTE OMA: Jaja, das sagen sie alle, auch das Tote Wort hat das gesagt.
KIND: Ja und dann wars zu nichts zu gebrauchen.
TOTE OMA: Karriere wollte es machen! In Brechts Buechern grandios auftreten.
KIND: Gross und eine gescheiterte Existenz zugleich war es.
TOTE OMA: Und wie das Schicksal so nun mal spielt bringen sich solche Existenzen ums Leben.
POLIZIST: Womit dann?
TOTE OMA: Es hat sich rueckwaerts geredet.
POLIZIST: Mit Sprachfehler?
TOTE OMA: Mit Sprachfehler.
POLIZIST: Wie schrecklich.
TOTE OMA (Kneift dem POLIZISTEN in den Hintern): Sag mal Bulle, kannst du auch noch was anderes als Fragen stellen?
POLIZIST: Ich diene!
TOTE OMA: Wem?
POLIZIST: Dem Volke.
TOTE OMA: Den Dienern?
POLIZIST: Wenn man das so nennen will…
TOTE OMA: Ich will dich nicht!
POLIZIST: Aber gnaedige Frau, ich diene doch dem Volke.
TOTE OMA: Ich bin ein Individuum und kein Volk.
POLIZIST: Mehrere Individuen machen ein Volk.
TOTE OMA: Ein Individuum macht noch keinen Sommer.
POLIZIST: Die Schwalbe macht das Volk.
TOTE OMA: Unsinn, der Storch macht das Volk.
KIND: Also bin ich kein Volk?
TOTE OMA: Du bist ein Individuum mein kleines, der Storch kam bei dir nur einmal.
KIND: Ich wurde gar nicht vom Storch gebracht.
TOTE OMA (mit boesem Blick ans KIND): Ach nee?
KIND: Mein Stiefvater hat meine MUTTER gevoegelt.
TOTE OMA: Na, also doch Voegel.
MUTTER: Komm lass uns schweigen. Ik bekomme Minderwertigkeitskomplexe wenn ihr so frei und ungezwungen redet waehrend ich das nicht kann.
POLIZIST: Ich werde weiter reden.
TOTE OMA: Egoist.
KIND: Fascist.
POLIZIST: Ich bin kein Faschist.
(TOTE OMA zieht ihre Pistole raus und schiesst den POLIZISTEN in den Kopf, danach die MUTTER und dann das KIND. Am Ende sichselbst.
TOTE OMA ligt auf dem Boden und spricht einige unverstaendliche Worte)

[Mek Wito, 1992, Südtirol.
Ich habe in meinem Leben ja nie was besonderes erreicht, aber über einen unscheinbaren Zufall und einigen hunderten Umwegen, wurde dieser kurze Text ins polnische übersetzt und erschien dort in einem kleinen Literaturblatt
]

ja, ich auch vier

Jaja, als Letzter des ganzen Bloggerhaufens da draussen, bekomme ich das Stöckchen natürlich gleich in dreifacher Form zugeworfen. Ich würde jetzt gerne jammern, wie ungerne ich das immer mache, ausser es gibt was tolles oder hilfreiches dazu zu berichten, aber weil Frau Mai so nett ist, der werte Kid mich einen Hengst genannt hat und weil ich von DonDahlmann ein Kind haben möchte, mache ich mit:

Vier Jobs die ich mal hatte:
# Apfelpflücker
# Schlossführer
# Hilfskoch des Hilfskoches
# Apfelpflücker

Vier Filme, die ich mir immer wieder ansehen kann:
# Breaking the waves (Lars von Trier) – ab der Szene auf der Jacht muss ich ausschalten. Da wird der Film unerträglich für mich. Was mich zum Glück immer wieder vergessen lässt wie ungeheurlich schlecht der Film endet.
# Der Mieter (Roman Polanski)
# Lady Zara – Corset Sisters
# Sense and Sensibility
# Horny Bitches
# The Terminator (nur den ersten Teil)
# Jim Jarmusch (eigentlich alles was der so gedreht hat)

Vier Städte in denen ich gelebt habe:
# Milano
# Utrecht
# Wien
# Madrid

Vier TV Shows die ich liebe:
# oh hier hab ich es schwierig
# ich sehe nämlich kaum fern
# aber früher in Holland, da guckte ich immer:
# “Goede tijden, slechte tijden”

Vier Plätze an denen ich Urlaub gemacht habe:
# Geesthacht
# Wedel
# Lemmsahl-Wellingstedt
# kleiner Vorort von Lüneburg (Name vergessen)

Vier Sachen, die ich gerne esse:
# Risotto (jeglicher Art und immer)
# Selbstgemachten Pesto (am besten ohne Nudeln)
# Südtiroler Tirtlen (demnächst teste ich die mal mit erotischer Sauce)
# Käse mit irgendwas
# Dönermitalles
# den Braten meiner Oma (möge sie in Ruhe frieden, aber sie hätte den Hinterbliebenen schon erklären können wie sie diese braune Sauce zu den zarten Rinderstücken mit in Rosmarin marinierten Ofenkartoffeln hinbekommen hat, bevor wir sie in jenes Loch hinabhievten)

Vier Seiten, die ich täglich besuche:
# Ole
# Fragmente
# Zwilobit
# Melone

Vier Plätze, an denen ich jetzt lieber wäre:
# unten im Restaurant (vier mal lieber als hier)

Vier Leute, die diese Fragen auch beantworten sollen:
Oje, gibt es überhaupt noch wen?
# oh: die Frau ohne Flugangst hat noch nicht. (Glück gehabt) nee, hatte schon.
# Robstar!
# Anne hatte noch nicht. Ich bezweifle allerdings ob sie Lust auf sowas hat, aber ich muss ja.
# bei der Lichtblickerin habe ich es auch noch nicht gesehen.
# Und dann Emma. Das ist der Vorteil frische Blogs zu kennen. Dann wird man nämlich die Stöckchen los.

Seelenzähler

In der Zwischenzeit möchte ich allen hier mitlesenden Bloggern nahe legen, dass es seit einigen Wochen einen wirklich sauberen und guten Besucherzähler gibt, der keine dubiosen Sachen mit euren Daten und den Daten eurer Besucher macht. Von Meister Dirk “Blogger.de” Olbertz ins Leben gerufen und entwickelt.

Wer also der zwielichtigen Counter mit Popups, merkwürdigen Javascripts oder anderen Widrigkeiten müde ist, sollte sich den Blogscout-Counter ins Weblog einbauen. Der kann alles was alle anderen Zähler auch können. Nur besser.