Meine Frau möchte das Tages-WC etwas aufgeräumter gestalten, in ihr gärte daher die Idee, einen kleinen Einbauschrank darin zu verbauen. Mit meinen neuerdings entwickelten handwerklichen Fähigkeiten, würde ich diesen natürlich bauen, also tranken wir heute unser Freitagabendbierchen im 2qm großen Tages-WC, besprachen gemeinsam die Gestaltung und nahmen schließlich auch das Aufmaß ab.
Das Tages-WC ist eigentlich mein Beautytempel. Das wusste meine Frau bisher nicht. Ich wusste das auch nicht. Aber jetzt wissen wir es beide. Das Tages-WC befindet sich nämlich genau neben der Wohnungseingangstür. Es ist die letzte Etappe vor der Außenwelt. Deswegen haben sich dort mein Bartöl, meine Parfüms und meine Pomaden angesammelt. Das große Badezimmer befindet sich hingegen ganz hinten am anderen Ende der Wohnung. Ich will da nicht jedes Mal hin, wenn ich das Haus verlasse. Im Tages-WC vorn hängt ein Spiegel, für mich reicht in der Regel ein kurzer Blick hinein. Sitzt das Haar? Habe ich Haferflocken im Bart? Habe ich Flecken auf dem Hemd? Zwar wasche ich mich im hinteren Badezimmer, aber meine Beautyroutine kommt erst vor Verlassen der Wohnung und sie ist üblicherweise sehr kurz: ein erbsengroßes Knäuel Pomade in den Händen, das ich in den Haaren verreibe, und dann zweimal Pfft Pfft mit einem der Parfüme (zurzeit „Leder 6“ von Schwarzlose Berlin). Danach verlasse ich das Haus.
Zugegebenermaßen ist die Ablage, auf der sich meine Beautyutensilien befinden, ziemlich zugemüllt. Es befinden sich Einkaufstüten, Reinigungsprodukte und sogar ein Ast darin, den meine Hündin einmal nach Hause geschleppt hat. Dass ein Teil davon ein Beautyaltar ist, lässt sich auf den ersten Blick nicht erkennen. Auch nicht auf den zweiten Blick, wenn ich ehrlich bin.
Meine Frau wollte nun alle Tüten, losen Fläschchen und Döschen in einem Schrank verstauen. Aber. Sie wusste es nicht. Ich wusste es auch nicht. Der Gedanke daran, dass meine Utensilien in einem Schrank verschwinden würden, störte meinen Beautyvibe. Ein wesentlicher Bestandteil meines Beautytempels sind nämlich die schönen Fläschchen und Döschen. Auf den metallenen Pomadendosen von Reuzel prangt ein schönes Schwein und auf den Pomaden von Tenax ein Nashorn. Ich mag die schwarze Kugel auf der Molton-Brown-Flasche und das mysteriöse Schwarzlose-Fläschchen. Ich will das alles nicht hinter einer Schranktür verstaut haben. Es gehört zu meiner Beautyroutine, wie kurz sie auch sein mag, dass ich auf schöne Döschen und Fläschchen schaue.
Deswegen haben wir das jetzt umgeplant. Unter dem Schrank spare ich 22cm aus. Dort lege ich einen dunklen Korkstreifen aus und beleuchte ihn dahinter mit einem LED-Strip. Das Ganze wird dann wahrscheinlich ziemlich religiös aussehen, aber so ist das eben mit Tempeln.
Immerhin weiß ich jetzt auch, dass ich einen Beautytempel und eine Beautyroutine habe.

Dachte erst Schuhwichse – das Rasierdings brachte mich dann zum Nachdenken und selbstverständlich LESEN! Ich habe auch eine Liebe zu schönen Döschen etc. pp. In den noch zu bauenden Schrank gehören Sachen, die man auch irgendwie braucht aber kein solcher Hingucker sind.