Gestern Abend traf ich einen ehemaligen Mitarbeiter auf ein paar Drinks. Wir arbeiteten ’18-’19 zusammen in einem ursprünglich mit DHL-Geld gegründeten E-Commerce-Unternehmen, mit dem die DHL vornehmlich Prototypen für Kühl-Lieferungen testen wollte. Ein Jahr, nachdem ich an Bord gekommen war, wurde die Firma an einen autoritären Logistiker aus Niedersachsen verkauft, der zuerst die ganze Geschäftsführung rausschmiss und danach den Marketingchef und mich in die erste Führungsebene nachrücken ließ. Der neue Geldgeber wollte sein eigenes Logistiksystem testen, das für unsere Zwecke völlig unausgereift war, und forderte entgegen unserer Ratschläge Änderungen am Geschäft, wonach wir ein halbes Jahr später 120 Leute entlassen und die Firma schließen mussten.
Mit den meisten aus meinem Team blieb ich noch lange in Kontakt. Wir trafen uns weiterhin gelegentlich auf ein Bierchen, die Treffen wurden dann aber seltener und die Runden kleiner. Irgendwann waren alle in neuen Firmen untergekommen und hatten wieder neue Teams, mit denen sie Bier trinken gingen. Ich treffe bisweilen noch einzelne. So auch ihn. Er kommt aus dem Iran und natürlich beschäftigt ihn der Krieg. Anfangs gab es viele Trumpfans unter den Exiliranern, das hat sich aber rasch wieder gelegt. Seine Familie lebt glücklicherweise im fernen Osten des Landes, dort findet der Krieg nicht statt.
Wir redeten über eine App, die er entwickelt hat. Er erzählte mir von seiner Geschäftsidee. Technisch ist das Projekt abgeschlossen, die Schwierigkeit ist jetzt, Kunden zu finden. Ich empfahl ihm, sich einen Partner zu suchen, der Sales oder Marketing kann. Am besten beides. Jemand, der von Restaurant zu Restaurant geht und die Menschen von der App überzeugt. Er fragte mich, ob nicht ich sein Partner werden möchte. Ich entgegnete aber, dass ich kein guter Vertriebler bin. Es liegt nicht in meiner Persönlichkeit, etwas zu verkaufen. Am Ende verblieben wir aber so, dass ich mir Gedanken dazu machen würde.
Heute feierte Sabine ihren 60. Geburtstag. Bei sich zu Hause im Märkischen Viertel, mit Freunden und einem kleinen Buffet. Sehr nett. Benny und seine Frau waren da und Tanja mit ihrem Freund. Und viele andere Menschen, die ich aber alle nicht kannte. Sabine wollte keine Geschenke, falls aber jemand nicht ohne Geschenke kommen wolle, dann könne man ihr Pflanzen für den etwas leeren Balkon mitbringen. Natürlich standen auf dem Balkon dann ungefähr so viele Pflanzen wie Menschenpaare. Ich entschied mich für Sonnenblumen. Der Winter war schließlich lang und dunkel gewesen.
Gegen 16:00 Uhr machten wir einen Rundgang durchs Viertel. Das Märkische Viertel kennen die meisten Menschen ja nur aus der Zeitung oder von Sido. Ich hatte sie letztes Jahr schon einmal besucht und natürlich entspricht das Viertel den vielen Klischees. Was man mit dem MV allerdings nicht so direkt in Verbindung bringt, sind die vielen, direkt daran angrenzenden Grünflächen. Eigentlich liegt das MV in einer Art grünem Biotop. Wir spazierten durch Feuchtgebiete und verwachsene Landschaften mit Schilf oder Eichen.
Am frühen Abend kam ich dann wieder zurück. In meiner Straße erkannte ich am Straßenrand meine Frau. Sie saß in einem dieser hölzernen Parklets, die man in Berlin überall gebaut hat. Sie saß dort mit der Hündin in der frühen Abendsonne. Dort hatte sie auf mich gewartet, weil sie ja wusste, dass ich kommen würde. Sie sagte, ich solle das Auto parken, und dann würden wir einen Aperitif trinken gehen.