Die eine Nacht hier war dunkel und sehr klar. Ich betrat um etwa 3 Uhr das Badezimmer und stand unter dem Dachfenster in der Dachschräge. Jupiter leuchtete da am Himmel, so hell, wie er in Berlin nie zu sehen ist, darunter Sirius und daneben der Orion mit Rigel und dem immer leicht rötlichen Beteigeuze. Der Himmel war geöffnet, dahinter der milchige Schleier unserer Galaxie. Auch Castor und Pollux waren da. Und Capella müsste der andere Stern gewesen sein. Das ganze Wintersechseck über mir. Wie ich da mitten in der Nacht unter diesem klaren Himmel stand. Sie hätten mich holen können und ich hätte keinen Widerstand geleistet.
In den anderen Nächten heulte der Sturm. Auch tagsüber. Die Nachbarin und ich versuchten einen längeren Morgenspaziergang mit den Hunden. Der Sturm blies mir Wasser und Sand ins Gesicht. Nach 15 Minuten kehrte ich um. Sie lief aber noch weiter. Die Hunde nahm ich aber mit.
Vorgestern gingen wir zu Fuß durch Dünen und Wald nach Ahrenshoop. Das sind anderthalb Stunden pro Richtung, in denen man durch eine erstaunlich abwechslungsreiche Landschaft läuft. Die Travelling Lady hat einen unfassbar geraden Rücken. So etwas möchte ich auch. Immer, wenn ich hinter ihr lief, fiel mir meine schlechte Haltung auf, und sofort drückte ich meine Schultern nach hinten und streckte meine Brust nach vorn raus, so wie sie das macht. Es half immer nur kurz. Wenn ich die Travelling Lady nicht mehr sah, vergaß sich meine schlechte Haltung wieder und mein Körper kehrte zu seiner Ausgangsposition zurück.
Gestern Nachmittag gönnten wir uns den Spa-Bereich des naheliegenden Dorint-Hotels. Zuerst ging ich nur schwimmen, nachdem ich aber ohnehin fast unbekleidet war, war es mir auch egal, mit baumelndem Gemächt in den Nacktbereich zu gehen und zu saunieren. Es war fast niemand da. Danach fühlte ich mich wie ein Lämmchen. Rein und reingewaschen, erholt und klar in meinen Gedanken. Ich saß auf dem Sofa und fühlte mich erleuchtet. Bis ich mir ein Bier öffnete. Nach dem Bier wurde das Lämmchen, als das ich mich fühlte, gegrillt. Und ich schlief ein.
Am Abend versuchten wir zu grillen. Würste, Rind und auch Lamm. Die Metapher mit dem Lamm ist nur zufällig und deswegen keine Metapher. Die Travelling Lady hat die Ausstattung und die Kompetenz für das Grillhandwerk. Es war aber so stürmisch draußen, dass die Kohle nur einseitig und stellenweise Feuer fing. Also verlegten wir das Ganze in die Küche, wo sie das Fleisch in einer Pfanne zubereitete. War trotzdem super gut.
Hatte ich schon von Silvester berichtet? Wir aßen Raclette und unterhielten uns. Auch schauten wir aus Interesse Youtube-Videos von den Feiern in anderen Ländern. Australien und Dubai. Zwar bewundere ich ungerne diese seltsame Künstlichkeit Dubais, aber ich empfand es dennoch als bemerkenswert, dass die Show dort gänzlich ohne Feuerwerk auskommt. Es ist eine Lasershow, völlig friedlich, ein bisschen kitschig, es beeindruckte mich aber, wie der uns bekannte Effekt des Jahresausklanges auch schlichtweg mit einer Lichtshow funktioniert. Diese einfache Erkenntnis gefiel mir als Böllerhasser. Der Rest war aber – nunja.
Wir schauten auch Dinner for One. Es ist das zweite Mal in meinem Leben, dass ich den Sketch sehe. Das erste Mal war vor etwa 20 Jahren, als ich nach Deutschland kam und von dieser Nationaltradition hörte. Meine damalige Freundin zeigte mir den Clip auf Youtube, aber ich konnte zugegebenermaßen wenig damit anfangen. Zwar verstand ich den Gedanken hinter dem Clip und fand die Idee mit dem vorgegaukelten Kammerspiel und der zunehmenden Trunkenheit ganz nett, aber erst diesmal konnte ich mich für die Theatralik bzw. die Choreografie und den erstaunlichen Minimalismus begeistern.
In der Empfehlungsliste tauchten auch weitere Versionen des Sketches auf, z. B. eine für das Schweizer Fernsehen gedrehte Version, auch eine in Schweizer und in Kölscher Mundart. Und viele Parodien. Ich wollte die sofort alle schauen. Alle. Der Neugierde wegen. Es ist sicherlich interessant zu sehen, wie andere Kulturkreise, Menschen und Epochen, den Stoff umsetzen. Sicherlich auch etwas entlarvend, nicht immer gut, aber auf alle Fälle interessant. Jedoch bin ich der Einzige in der Runde, der sich dafür begeistern kann.
Zu allem Überfluss wurde in diesem Monat ein sechsteiliges Prequel zu „Dinner for one“ gedreht. Mit Moritz Bleibtreu, Frederic Lau. Uff. Jetzt weiß ich nicht. Die Kritiken sind allerdings nicht so schlecht, wie ich dachte.
Meine Frau und ich fuhren heute wieder zurück nach Berlin. Da ich am Sonntag wieder nach Hamburg muss, möchte ich ein bisschen Zeit in meinem Home verbringen. In meinem Bett schlafen, morgens die übliche Runde mit der Hündin drehen, mit meiner Frau einen Film oder eine Serie schauen, ein bisschen hängen, in der Küche mit Musik, etwas kochen.
Mal sehen, wie 2026 wird.



