[Di, 13.1.2026 – Moin, Aliens, das große Bäm]

In Hamburg war früher weniger Moin. Man wird hier ständig angemoint. Ich bilde mir ein, dass das vor zwanzig Jahren noch nicht der Fall war. Überhaupt scheint mir die ganze Stadt norddeutscher geworden zu sein. Früher empfand ich die Stadt als sehr deutsch, also normaldeutsch, im Vergleich zu München zumbeispiel, aber das kann auch damit zusammenhängen, dass ich gerade aus Madrid zum ersten Mal nach Deutschland zog und alles deutsch für mich war, sodass ich die Nuancen noch nicht gut kannte. Dennoch wurde nicht so viel gemoint, das bin ich mir sicher. Für mich fühlt sich die Stadt auch allgemein wesentlich norddeutscher an, anders als Berlin, das spanischer und britischer geworden ist, polnischer auch, Hamburg wurde hingegen norddeutscher. Das ist nicht schlecht, im Gegenteil, Norddeutschland war schon immer mein favorisierter, germanophoner Landstrich.

#

Vorgestern am Berliner Hauptbahnhof war etwas passiert. Der ganze westliche Bereich des Untergeschosses wurde gesperrt. Zwei oder drei Dutzend Polizisten waren aufgetaucht, sie sperrten dann auch die oberen Etagen des westlichen Bereiches ab. Es sollte verhindert werden, dass man hinunterschauen konnte. Unten neben dem haltenden ICE war ein Zelt aufgebaut. Es waren aber keine Sanitäter da, auch keine Feuerwehrleute. Nur massenweise Polizisten. Meine Frau schrieb, dass Zelte immer Spurensicherung bedeuten. Die Polizisten gaben natürlich keine Auskunft, auch die Polizeiticker berichteten nicht davon. Wir wurden alle etwas unsanft weggejagt, sie waren richtig unentspannt. Ich hatte den Tagesspiegel auf Refresh, auch RBB24, aber niemand berichtete davon. Auch später am Abend nicht, auch Montag nicht und auch heute nicht. Vielleicht sind Aliens gelandet.

#

Gestern lag ich auf dem Bett und schaute Pluribus auf dem Telefon. Es wundert mich, dass ich keine Nackenschmerzen davon bekommen habe. Ich bin mir noch nicht sicher, wie mir die Serie gefällt. Das langsame Erzählen funktioniert für mich durchaus, sogar das Repetitive und die konsequent niemals gekürzte Bandansage „we need a little space“ fügen sich in diesen langsamen, optischen Lo-Fi-Beat ein. Ich frage mich, wie das Drehbuch für die Serie geschrieben ist. Ich lernte, dass man grob pro Filmminute eine Drehbuchseite rechnet. Die Drehbuchseiten von Pluribus dürften ziemlich leer aussehen.

Es gab auch ein paar wirklich gute Momente. Aber dennoch warte ich noch auf ein großes Bäm. Die ganze Serie scheint mir auf einen großen Knall hin zu traben. Die ganze Unruhe, die ganze Vorahnung. Gleich lege ich mich ins Bett und schaue die letzten beiden Folgen. Bis Mitternacht bin ich damit durch. Falls das große Bäm noch kommen sollte, kann ich vielleicht nicht mehr einschlafen.

Nun.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

To respond on your own website, enter the URL of your response which should contain a link to this post's permalink URL. Your response will then appear (possibly after moderation) on this page. Want to update or remove your response? Update or delete your post and re-enter your post's URL again. (Find out more about Webmentions.)