Als ich jung war, fuhr ich gerne schwarz. Als ich älter wurde, kaufte ich mir gelegentlich ein Ticket. Je älter ich wurde, desto öfter kaufte ich mir ein Ticket. Irgendwann hörte ich jemanden sagen, dass es vernünftiger sei, entweder immer schwarz zu fahren, oder immer ein Ticket zu kaufen. Wenn man beides ein bisschen tut, dann gibt man viel Geld für Tickets aus und wird trotzdem ab und zu erwischt. Das leuchtete mir ein. Weil ich mittlerweile etwas älter geworden war, fuhr ich also nicht mehr schwarz.
In Berlin kostet ein Fahrschein jetzt 4€. Vor noch wenigen Jahren lag der Preis bei 2,10€. Im Mai erhalte ich ein Jobticket, für den April bestellte ich mir ein Abo, und in der Zwischenzeit kaufe ich brav jeden Tag zwei Karten. Gestern Abend hatte ich aber einen beruflichen Termin in Mariendorf. Ich war ein wenig abgelenkt, ich hörte den Podcast „Berliner Zimmer“ mit Judith Gridl und Klaus Rathje in einer sehr aufschlussreichen Folge mit Roswitha Quadflieg, die ein paar beeindruckende Bücher über ihre Familienmitglieder geschrieben hat. Darüber redet sie in der Folge. Davon war ich so gebannt, dass ich vergaß, mir ein Ticket zu kaufen.
Mit dieser Einleitung erübrigt es sich, zu erwähnen, dass dann Kontrolleurinnen in den Abteil stiegen.
Heute früh war ich dann ein wenig schusselig unterwegs. Nicht wegen der Strafe, sondern wegen der Hundelogistik. Normalerweise trödle ich morgens unendlich lange vor der Kaffeemaschine und dem Computer. Wegen des neuen Jobs muss ich mit der Hündin aber schon um 7 Uhr eine Runde drehen. Weil ich zu Hause dann trotzdem immer noch trödelte, geriet ich heute in plötzliche Eile. In der S-Bahn fiel mir schließlich auf, dass ich meine Lesebrille vergessen hatte. Ohne Brille kann ich mittlerweile keine Buchstaben mehr auf dem Telefon erkennen. Daher hörte ich in der Bahn ziemlich viel Schrott, bevor ich den richtigen Podcast erwischte. Mit dieser miesen Sehschärfe konnte ich aber unmöglich in die Firma fahren, deswegen nahm ich einen Umweg zum Drogeriemarkt, um mir eine billige Lesebrille zu beschaffen. Problem dabei: Finde mal ein D‑M auf deinem Telefon, wenn du keine Lesebrille hast. Ich arbeite jetzt in Moabit und kenne das Angebot der Geschäfte dort noch nicht, aber auf der Karte erkenne ich Moabit immerhin grob an der Stadtstruktur. Im Norden Ring und Wasser und unten der Tiergarten. Irgendwo in der Mitte die beiden parallel laufenden und dann abknickenden Straßen mit dem kleinen Park dazwischen.
Genau da, unweit des Knicks, gab mir Maps eine rote Markierung, ein D‑M. Fuhr ich also hin. Nächste Hürde: Finde eine Lesebrille in Sehstärke 2,5, wenn du nicht lesen kannst. Lifehack: Nimm eine beliebige Brille aus dem Regal und setze sie auf. Hat dann geklappt.

Habe mal Blindverkostung mit Lesebrillen unterschiedlicher Hersteller und Discounter gemacht. Gewonnen haben durchweg die Lesebrillen von dm. Selbst eine auf meine Sehstärke differenziert angepasste, angefertigte von Fielmann konnte die dm-Lesebrillen nicht überflügeln. Seither kaufe ich nur noch dort Brillen!
Ich auch. Der einzige Nachteil ist die Auswahl an ausgefallenen Exemplaren. Je länger ich Lesebrillen trage, desto anspruchsvoller werde ich beim Design.
Ja, ausgefallen sind die Gestelle nicht, keine fancy stylishen Modelle darunter – allerdings hatte ich mir in der Vergangenheit immer mal Lesebrillen mit Hingucker-Gestellen online gekauft, die dann wie bereits erwähnt, nicht die Qualität bei den Gläsern hatten und mir zudem auch gar nicht so toll standen, wie erwartet. Bei dm gibt es so zwei Modellvarianten, die saisonal in verschiedenen Gestellfarben daherkommen, es sind immer die mit den größeren Rahmen, die ein weiteres Sichtfeld ermöglichen. Gibt es aktuell eine mit tief dunkelblauem Rahmen und Schildpatt-farbigen Bügeln, die sieht unspektakuläre seriös aus, hat sich neulich ein Herr auch bei dm geholt, weil er die bei/an mir gesehen hatte und so gut fand. Bei den günstigen Preisen kann man sich dann auch schon mal öfter eine holen und hat dann wenigstens ein bisschen farbliche Variationsmöglichkeit.