Ich fuhr nur kurz mit dem Fahrrad über den Bürgersteig. Nur kurz. Das mache ich dort jeden Tag, wenn ich von der Johannisstraße komme, um zur Reinhardtstraße zu gelangen. Sonst müsste ich mich mit dem Rad gefährlich auf der anderen Seite in der Friedrichstraße in den Autoverkehr einreihen. Dort, wo es keinen Fahrradweg gibt. Ich bin nicht der einzige, der das so handhabt. Offenbar weiß das auch die Polizei. Heute wartete ein Dutzend Polizistinnen auf der anderen Straßenseite und zogen Straßenrowdys wie mich aus dem Verkehr.
Durch meine langjährige Geschichte mit der Polizei weiß ich mittlerweile, dass man mit denen nicht diskutieren kann. Das meine ich gar nicht despektierlich. Menschen in Polizeiuniform haben schlichtweg einen anderen Blick auf die Dinge. Sie sind dafür da, die Einhaltung von Regeln durchzusetzen. Das ist deren Aufgabe. Sie denken sich die Regeln nicht aus, sie führen nur aus. Wenn du dich für den Beruf der Polizistin entscheidest, dann tust du das nicht, weil du gerne diskutierst, sondern du tust das, weil du gerne die Einhaltung von Regeln durchsetzt. Es hat mich Jahrzehnte gekostet, bis ich das verstanden habe. Seitdem sage ich: Sie sind im Recht, ich habe eine Widrigkeit begangen, wie lautet meine Strafe?
Wenn man das sagt, werden Polizisten butterweich. Danach kann man auch über die Sinnhaftigkeit von schlechten Regeln plaudern.
Und wenn man Glück hat, bleibt es bei einer Verwarnung. Heute hatte ich kein Glück. Ich konnte immerhin mit Karte zahlen, das ging alles schnell: 25 Euro, zack, und ich konnte weiterfahren. Als hätte ich einen Kaffee gekauft. Transaktional, kein Drama. Ich hoffe, sie setzen das Geld gut ein. Eine Suche im Netz ergibt, dass das Geld in die Landeskasse fließt und nicht zweckgebunden ist. Es wird dann für allgemeine öffentliche Ausgaben eingesetzt, wie Straßenbau, Schulen, soziale Projekte oder für die Verwaltung. Vielleicht bauen sie ja Fahrradwege in der Friedrichstraße.
Ich hatte meinen Frieden.
Am Wochenende steigt die Temperatur nicht nur auf 39 Grad, sondern möglicherweise auf 41. Samstag und Sonntag. Ich bekomme jetzt schon Beklemmungen. Gegen Mittag surfte ich verschiedene Vergleichsportale wegen Klimageräten an. Mobile Splitgeräte, weil Splitgeräte besser kühlen und mobile, weil ich noch kein festes Konzept dafür habe, wo ich so ein Ding hinstellen will. Es gibt da diese „Portasplit“-Geräte, die mir ein Nachbar empfohlen hat. Daraufhin grub ich mich in ein Rabbit Hole ein, aus dem ich nur mit einiger Mühe wieder herauskam. Jetzt weiß ich aber alles über Klimaanlagen. Am Nachmittag bezog ich meine Frau mit ein. Dass wir uns so ein mobiles Splitgerät kaufen müssen. Sie war unentschlossen. Gegen vier Uhr entschied ich mich, auf den Kaufen-Knopf zu drücken. Doch dann musste ich feststellen, dass das Gerät inzwischen ausverkauft war. Also suchte ich nach anderen Portalen, auf denen ich die Geräte in den letzten Stunden gesehen hatte, allerdings waren sie auch dort ausverkauft. Auch auf Amazon und irgendwelchen shady chinesischen Shops. Kurz darauf las ich auf Heise.de, dass alle Portasplit‑Geräte deutschlandweit weitestgehend ausverkauft seien. Es gab sogar eine Seite namens Braucheklima.de, die ein tüfteliger Entwickler zusammengebaut hat, auf der alle Baumärkte gelistet sind, die solche Portasplits verkaufen. Ein Grüner Punkt würde Verfügbarkeit signalisieren. Aber die Karte zeigte ganz Deutschland in Rot.
Nun.
Das löste ein wirklich komisches Gefühl in mir aus. Ich dachte die ganze Zeit, mich in einem Rabbit Hole befunden zu haben, nur um dann festzustellen, dass ich eigentlich in einem vollen Stadion stand.
