[bajen]

Was man über Schweden wissen muss ist vielleicht, dass es zwei Buchstabenkombinationen gibt, die auf Autokennzeichen verboten sind. Dies sind die Wörter “Fan” und “Baj”. Schwedische Kennzeichen bestehen ja aus drei Buchstaben. Das erste Wort heißt auf schwedisch “Teufel” und das zweite Wort heißt “Scheiße”. Nun kann ich mir schwer vorstellen, dass man das Wort Teufel noch für öffentliche Provokation gebrauchen kann. Scheiße hingegen hat durchaus noch Potential.

Was man über Berlin wissen muss ist vielleicht, dass alle in Berlin zugelassenen Autos mit einem “B” beginnen und, wie in Deutschland üblich, dahinter noch zwei Buchstaben folgen.

Was man über meine Frau wissen muss ist vielleicht, dass sie aus Schweden kommt und, dass sie mir solche Sachen erzählt wie von dem Verbot von den genannten Buchstaben. Ob die Geschichte stimmt habe ich in all den Jahren nie geprüft, ich glaubte ihr bisher blind. Außerdem sollte man über sie wissen, dass sie über einen sehr maliziösen Humor verfügt.
So saßen wir vor einigen Jahren beim Kauf des Autos zusammen beim Händler, der uns nach unserem Wunschkennzeichen fragte. Ich hatte keinen Wunsch, ich finde Initialien auf Autokennzeichen Käse, ich finde es auch Käse mich in irgendeiner Weise über mein Auto auszudrücken. Meine Frau hingegen sagte ungerührt, sie hätte gerne “AJ”.
“Seriously?” morste ich ihr mit meinen Augenlidern zu “du willst BAJ auf unserem Auto stehen haben?”. Sie nickte unbekümmert.

Als ich das erste mal mit meinem Auto nach Schweden fuhr stoppte mich eine ernste Polizistin an der Grenze. Woher ich käme. Berlin, sagte ich. “With this car?” sagte sie mit einigem Entsetzen. Mein Auto ist ein Up und hat 59PS. Ich sagte ganz stolz “Yes and it has 59 horses!”. Sie nickte ernst. Sie lief einmal begutachtend um den Wagen herum. Dann sagte sie “You know, you have Baj on your license plate.” Das war keine Frage. Ich sagte nichts. Sie sagte aber auch nichts. Danach ließ sie mich fahren.

Gestern parkte ich an einer Raststätte südlich von Halmstad. Gegenüber war gerade eine Familie aus ihrem Van gestiegen. Der Vater zeigte auf mein Autokennzeichen. Die ganze Familie lachte.

Ein paar Stunden später stand ich an einer dieser spukigen Selbstbedienungszapfanlagen im schwedischen Wald. Ich bekam den Tankvorgang nicht ans Laufen. Der Automat nahm meine Karte zwar an, wollte aber etwas von mir das ich nicht verstand. Dann kam eine Frau herangefahren. Sie war weit über sechzig Jahre alt, hatte sehr struppiges Haar und war an beiden Armen großflächig tätowiert. Ich fragte sie ob sie englisch spreche (eine überflüssige Frage in Schweden) und mir helfen könne. Das tat sie. Sie war recht freundlich. Dann wollte wissen woher ich käme. Ich sagte, ich käme aus Berlin. Ich sage immer ich käme aus Berlin, im Ausland sind Berliner beliebter als Deutsche. Außerdem will ich ja nicht, dass man einen Bayern in mich hineininterpretiert. Sie sagte, du hast Baj auf deinem Auto stehen. Dann fing sie an zu lachen. Sie hatte oben nur einen Zahn. Sie kriegte sich vor Lachen gar nicht mehr ein. Sie lachte so ausgiebig, dass ihr Zahn oben zu wackeln schien. Mir machte das Angst.

In meiner angeheirateten Familien nennt man mein Auto liebevoll Bajen. Das ist Baj mit Artikel. Schweden machen das so. Sie haben keine Artikel, aber sie hängen irgendwas hinten dran. Bei Baj ist es ein -en. Bajen ist nett gemeint. Ich fasse es auch als nett auf.

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