Meine Frau hat große Pläne für die Verschönerung unserer Wohnung. Ihre Pläne erfordern jedoch immer meine tatkräftige Unterstützung. Alles, was Kraft und Maschinen verlangt, wird direkt in meine Aufgabenliste geschrieben. Ich fühle mich sehr geehrt davon, wenn ich sehe, was sie mir alles zutraut. Ich strenge mich natürlich an, die handwerkliche Erwartung an mich zu erfüllen. Vielleicht macht sie das aber auch mit Absicht. Ich habe sie nach 17 Jahren noch nicht ganz durchschaut.
Aber ihre Ideen sind gut. Ich werde jetzt eine Schiebetür in der Küche bauen, damit wir diesen seltsam ungenutzten Raum dahinter besser nutzen, bzw. ein Aufbewahrungssystem hinstellen können, wodurch das sogenannte Kühlklo leerer wird, das jetzt mit sehr vielen Küchenutensilien, Werkzeug und Bettwäsche vollgestellt ist. Das Kühlklo ist ein völlig überflüssiger Raum, es ist eher eine Art Waschküche, aber ohne Waschmaschine. Es ist ein eigener WC-Raum mit Waschbecken. Der Raum hat ein Fenster und ich finde ein Klo mit Fenster totale Raumverschwendung. Ich möchte das Waschbecken entfernen und die Toilettenschüssel ins Badezimmer umziehen, denn dieser Raum eignet sich perfekt als kleines Gäste- bzw. Penséezimmer.
Auf dem Rückweg nach Hamburg nahm ich wieder den Flixtrain. Die Fahrt sollte um 18Uhr beginnen. Zuerst war der Zug nur 45 Minuten verspätet, dann 60, dann 75, dann 139 Minuten. Ich kenne jetzt das gesamte Sortiment von Relay auswendig. Wolf Haas hat ein neues Buch geschrieben. Das scheint mir irgendwie entgangen zu sein. Ich finde es ja gut, dass er sich jenseits der Brenner-Romane ein Renommee aufgebaut hat und als ernsthafter Autor gilt, dessen Bücher sogar bei Relay am Hauptbahnhof verkauft werden. Ich fand die Brenner-Romane ausgesprochen gut, das war wirklich eine neue Erzählstimme da draußen, nach dem vierten Teil, fand ich es aber auch langsam auserzählt. Seine anderen Bücher habe ich hingegen nie gelesen. Ich fand bereits die Titel ein wenig prätentiös, und was ich aus den Inhaltsangaben und den späteren Buchbesprechungen entnahm, interessierte mich zu wenig. Allerdings freut es mich, dass komplexere Schriften auf Bahnhöfen ausliegen.
Nach 130 Minuten fuhr der Zug jedenfalls im Berliner Hauptbahnhof ein, und wir konnten endlich losfahren. Irgendwann, irgendwo in einer finsteren Gegend zwischen Berlin und Hamburg, blieben wir schließlich stehen und es kam die Ansage durch, dass eine Weiche gefroren sei und sich die Weiterfahrt auf unbestimmte Zeit verzögern würde. Unbestimmte Zeit ist nie ein gutes Zeichen. Ich hatte mir Pluribus auf das Telefon heruntergeladen. Weil mein Buch, ein isländischer Thriller, mich überhaupt nicht thrillt, hatte ich immerhin eine hervorragend besprochene Serie zu schauen. Ich finde sie bisher mittelmäßig. Mich nervt vor allem die schlechte Laune der Hauptdarstellerin. Aber diese globale Persönlichkeit finde ich als Denkansatz interessant. Bisher komme ich nicht darumhin, sie als Metapher zu LLMs bei Künstlicher Intelligenz zu sehen. Ich hoffe, es steckt jedoch mehr dahinter.
Wegen der Weiche hingen wir kurz vor Salzwedel fest. Nach 45 Minuten konnten wir weiterfahren. In Uelzen standen wir aber wieder außerplanmäßig. Fast eine ganze Stunde lang. Wegen eines Polizeieinsatzes, bei dem der Zug überprüft werden musste, aufgrund eines Unfalls, der auf der Strecke offenbar geschehen war. Die ganze Zeit war ich positiv überrascht davon, wie gechillt die Leute die ganze Zeit geblieben waren. Wir näherten uns aber Mitternacht und Hamburg war immer noch weit entfernt. Die Bahnen würden dann nicht mehr fahren. Die Passagiere waren hauptsächlich junge Leute, viele im Schüleralter. Es begann eine Unruhe.
Um 00:45 Uhr kamen wir schließlich in Hamburg Hbf an. Ich hatte schon im Oktober eine schlechte User Experience mit dem Zug. Es wäre cool, wenn mein Glückskonto jetzt voll gefüllt ist.