[Sonntag, 25.9.2022 – Dammsmühle]

Heute waren meine Frau und ich wieder mit der Nachbarin von gegenüber spazieren. Sie läuft normalerweise sehr lange Routen, sie fragte diesmal mich, welche Route ich denn laufen möchte. Ich wählte die Wälder der Dammsmühle südlich von Wandlitz aus. Ich hatte mich vor fünf oder sechs Jahren mal dort hin verirrt. Damals lief ich alleine durch den Wald und stiess unerwarteterweise auf diese verwahrloste Schlossruine am See.
Ich fand das damals ziemlich gruselig. Ich war die einzige, wahrnehmbare Menschenseele. Der See war verwachsen, die Pfade matschig, das Schloss beobachtete mich mit seinen entglasten Fenstern, als ich mich langsam näherte.

Etwas erstaunt war ich später, als ich den Wikipedia Eintrag zur Dammsmühle las. Man wähnt sich hier ja ziemlich am Ende der Zivilisation an einem abgelegenen Waldstück. Aber das Haus hat offenbar eine bewegte Geschichte. Zum einen logierte Napoleon bereits auf dem Gelände, später trafen sich Willem Zwo und der Zar Nikolai Zwo, dann kam die Rote Armee, danach die Stasi, die das Schloss bis zum Niedergang der DDR benutzte, danach traten dort Kalkbrenner, Doro Pesch und sogar Iron Maiden auf. Es klingt alles, wie aus einer anderen Welt. Ausserdem wurden dort Horrorfilme gedreht.

Die Fotos auf Wikipedia beschönigen den Zustand. Vor Ort ist alles wesentlich verwahrloster.

Ein Jahr später besuchten meine Frau und ich die Ruine wieder. Wir fanden heraus, dass das Gelände in die Hände von neuen Eigentümern gewandert war, die dort einen öffentlichen Ort mit einem Cafe, Übernachtungsmöglichkeiten und Veranstaltungsräumen schaffe wollte.

Heute, etwa fünf Jahre später, sah es immer noch sehr ruinös aus. Zwar wurde der vordere Teil der Fassade gestrichen, aber mehr auch nicht. Es gab allerdings erstaunlich viele Menschen, und deren dazugehörigen Autos, die im Wald auf dem Weg zum Schloss geparkt waren. Die letzten beiden Male waren wir die einzigen.

Von der Schlossruine liefen wir dann einen längeren Umweg am See, zurück zum Auto. Seltsamerweise zeigte der Schrittzähler nur 10000 Schritte an. Der Hündin machte das riesige Freude, sie schnüffelte und rannte. Für Waldwanderungen kauften wir letztes Frühjahr eine lange, aufrollbare Leine. Die klassischen Schleppleinen finden wir im Wald eher ungünstig, weil man überall hängenbleibt und das Tier ständig uns Menschen darin verheddert.

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Meine Unterlagen haben ich leider nicht in Ordnung bringen können. Aber wenigstens sieht der Arbeitsplatz jetzt etwas besser aus. Etwas besser.

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