meine drei Weissen Haare
Man ist heutzutage ja gerne jung und frisch und meinetwegen auch dynamisch und all den Kram. Weil mich diese Eigenschaften jedoch nie sonderlich ausgezeichnet haben, ausser, dass ich vielleicht einmal jung gewesen bin, aber das ist ja eher biologisch bedingt als charakterlich, war ich immer mächtig stolz auf mein volles, pechschwarzes Haar. Ein Zeichen der Jugend, ohne Zweifel. Die Fülle meines Haares verdanke ich wohl den Genen meiner beiden Grossväter die beide sehr alt geworden sind und denen bis ins hohe Alter kaum, wenn überhaupt, eine Glatze wuchs.
Da ich kein sogenannter jungebliebener bin, brauche ich nach etlichen Gläsern Gin ohne Tonic (Gin lässt mich ganz besonders altern) nur ganz kurz mit der Hand durch mein Haar zu fahren und ich sehe sofort aus wie zwanzig. Oderso. Manchmal kommt mir das gelegen, meistens ist es mir aber egal. Aber es geht mir heute gar nicht um die Fülle meines Hauptes, sondern um die Farbe, denn Schwarz ist immer modisch, Schwarz passt zu jedem Anlass und es macht überdies auch noch schlank. Eine gute Farbe.
Seit drei Wochen trage ich jedoch auf meinem Haupt drei Weisse Haare mit mir herum. Zwei vorne links an der Schläfe und eines in der Mitte. Als ich eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte fand ich mich plötzlich mit drei weissen Haaren vor. Wie Pilze die aus dem Boden schiessen, so müssen die nachts aus meinem Hirn gesprossen sein. Ich starrte in den Spiegel und nach dem Anblick der drei weissen Haare erstarrte ich. Mek, Mek, dachte ich mir, da tragen Sie nun die Narben Ihrer Sorgen auf dem Haupt und jedem zur Schau. Jetzt ist aber was los, gleich fängt das Entsetzen an. Mequito, halten Sie sich fest, gleich werden Sie sich an den Spiegel schmeissen und in Eile, aber vorsichtig, die drei Haare sortieren, daran reissen und anschliessend ein Bier kippen, damit das ganze augenblicklich vergessen sein wird. Das Alter, das Alter, noch fünf Haare mehr und man schaufelt Ihnen schon das Grab!
Stattdessen geschah gar nichts. Ich starrte weiter in den Spiegel und merkte wie ich völlig regungslos meine drei neuen Gesellen begutachtete. Ich drehte mich ein wenig nach links, strich die beiden Haare an der Schläfe etwas nach hinten und probte einen mafiösen Blick. Gar nicht übel, dachte ich mir so, könnte man durchaus Schauspieler werden. Ich versuchte noch einige Legungen mit dem weissen Haar in der Mitte, sah jedoch gleich, dass es am besten sass, wenn ich es mit dem Scheitel nach rechts warf, ganz lässig und frech in die andere Richtung der anderen beiden Haare, ein bisschen rebellisch sozusagen, es muss ja nicht alles gleich geordnet sein wenn man älter wird.
Dann fielen mir meine Anzüge ein und ein kurzer Schreck kam hoch, um Himmels Willen, passt Weiss denn überhaupt zu Schwarz?
Weil ich meinem Alter nach völlig würdelos dastand, zog ich mir erstmal die Hose hoch und lief ins Schlafzimmer einen Anzug aus dem Schrank zu holen und testete die Farbkombination. Ich war sehr angetan, es stand mir wirklich gut. Schwarz macht mit Weiss einen äusserst aufgeräumten Eindruck. Der Mann der mich aus dem Spiegel anguckte war ein sehr weiser Kerl, der Sartre und Mann und Eco gelesen hatte, dreimal um die Welt gereist war und alle dunklen Abgründe des Lebens mit eigenen Augen gesehen hatte.
Ich zog den Anzug den Rest des Tages nicht mehr aus. Ich war ein neuer Mann geworden.
Mittlerweile habe ich eines der drei neuen Haare verloren. Zum Glück nur eines der beiden an der Seite, das ist gut, weil sich die beiden überiggebliebenen Haare wenigstens nicht symetrisch zueinander verhalten.
Denn wenn man schon altert, dann wenigstens mit Stil.

Modeste schrieb:
Eine dezente Versilberung des Haupthaars, liebe Mek, macht Männer ja nur schöner, so dass die Prophezeiung, das dritte Haar werde Ihnen ganz hervorragend stehen, ein frommer Wunsch und keine fiese Verwünschung darstellt.
| 20. September 2005 — 09:26 | Permalink |
dharma schrieb:
Schwarzes Haar mit vereinzelnd weißen Strähnen, kann beim Mann sehr anziehend wirken, besonders wenn es dichtes schwarzes Haar ist. Das hat was! Also Mek keine Angst, das kommt mit der Zeit und kann auch einige Vorteile mit sich bringen!!!
| 20. September 2005 — 10:56 | Permalink |
mek schrieb:
Ein Dank für die aufmunternden Worte. Ich mache mir jetzt schon Sorgen darüber, dass sich ein weiteres weisses Haar nicht mehr auffinden lässt. Ein Alptraum, genau jetzt wo ich Mitgleid der grauen Panther geworden bin und Freude daran gefunden habe, im Supermarkt den hübschen Omis zuzuzwinkern.
| 20. September 2005 — 20:53 | Permalink |
kid37 schrieb:
Ich bin natürlich befangen, würde aber trotzdem sagen: Crystal Clooney ist die ultimative Haartönung. Seit ich die nehme, lassen Frauen mich im Supermarkt sogar vor.
| 20. September 2005 — 23:40 | Permalink |
mek schrieb:
Und die Blogstats nicht zu vergessen.
Crystal Clooney ist super, danke für den Tip. Jetzt habe ich auch die Erklärung für meinen Bauch. Crystal Fischer war wohl nicht fürs Haar gedacht.
| 21. September 2005 — 11:59 | Permalink |
isabo schrieb:
Achachach. Es ist ein Elend. In Blond fallen die grauen Haare ja nicht so auf, aber als mir eines Tages eine Friseurin sagte “da kommen ja schon die ersten grauen Strähnen”, da hätte ich sie gern für zwei Stunden mit Ulrich Meier zusammen in einen Aufzug gesperrt, denn das ist ungefähr das Schlimmste, was ich mir vorstellen kann. Schlimmer als graue Strähnen.
Was sind schon drei Haare?
| 21. September 2005 — 17:10 | Permalink |
brittbee schrieb:
Mek, Du wirst hinreissen aussehen mit grauem Schopf. Lebenserfahren und seriös ;-)
Und Sie, Herr Kid, lassen die Damen vor um ihr schönes Haar noch mal in Ruhe von hinten betrachten zu können. Ich weiss es genau.
| 21. September 2005 — 19:27 | Permalink |
mek schrieb:
Nunja, drei Haare vermehren sich bestimmt. Statistisch gesehen sind anderthalb davon weiblich.
Ich habe aber Frieden damit. Überdies sind graue Strähnen bei Frauen auch sehr attraktiv. Und lass uns bitteschön von weiss sprechen und nicht von grau. Weisshaarige Eminenzen sind wir, keine grauen Mäuse.
| 21. September 2005 — 19:30 | Permalink |