Bach Bach immer nur Bach
Als ich als kleiner Junge Sonntags in der Dorfkirche saß und der Sohn des Kapellmeisters (der heute als berühmter Organist zwischen Paris und New York Musikerherzen höher schlagen läßt) damals als verkanntes Genie zwischen Wirtshaus und Orgelempore mit seinen unendlichen Bachfugen die Bauersleut in den Wanhsinn trieb, war ich Bach von der ersten Fuge an verfallen. Nun erlag ich als Kind schon der Musik wenn Lieder gesungen oder wenn auf den Festen die Ziehharmonika gequetscht wurde, aber der sonntägliche Kirchenbesuch blieb viele Jahre der wöchentliche Höhepunkt meines kulturellen Lebens. Bis der Sohn des Kapellmeisters in Paris die Pfeifen pfeifen ließ.
Man sagt, Musik treffe gewisse Adern tief drin im Seelenleben, als hätte man Saiten im Rumpf gespannt, die dann mitschwingen, wenn einem das Lied gefällt. Als ich als Kuhhirte auf den Wiesen saß und allzuviel Zeit übrig hatte, auf Gräsern zu kauen und über die wichtigen Dinge des Universums nachzudenken, stellte ich den Bezug zwischen der Stimmung die die Musik erzeugt, und der Stimmung dieser immaginären Saiten in meinem Seelenleben her. Nun verstand ich noch nicht ganz den Unterschied zwischen der Stimmung einer Saite und einer Gefühlsstimmung, aber ich glaubte mir selbst erklärt zu haben warum mich manche Musik so sehr berührte: die für mich schöne Musik hatte eben die selbe Stimmung wie die Saiten in meiner Seele.
Dies traf auf alle Musik zu die ich hörte — bis auf Bach. Bei Bach blieb immer ein merkwürdiges Gefühl übrig, dass diese Theorie nicht stimme, das Gefühl, dass es nicht die ganze wahre (absolute, endgültige) Wahrheit sei. Und seit heute weiß ich auch warum:
Die Musik von Bach besteht nicht nur aus Stimmung, sondern auch aus Formen!
Ein beeindruckendes Filmchen das mir das Universum erklärt hat.

wuestenfloh schrieb:
Danke für Text und Link
| 12. April 2007 — 09:38 | Permalink |
Fundburö - coderwelsh/synchron./ schrieb:
[...] War ich Bach von der ersten Fuge an, mit kleinen Wellen und Strudeln (Apfel, Birne, Vanille Eis Ice Baby), mit Kieselsteinen auf dem Grund einer kleinen Forelle in meiner Mitte. Eine Portion Darjeeling in der Hand jonglierend ziehe ich meiner Wege entlang. Denke der Sessel ist doch eher unbequem. Male auf Papier: Rechtecken und Quadraten mit schwarzem Fineliner Stabilo Point 88. Die kosten unterschiedlich viel. Das kleinste ist am teuersten Teuerste. Danke vielmals. Huphup Achtung hier kommt ich, Bahn frei Kartoffelbrei! In meine Tasche Ausdrucken sich befinden wirtschaftlicher Art und literarischer Weise. Neulich einen schönen Beispielsatz für “Entweder ohne oder” gefunde, ich weiß nicht mehr wo. Ähnlich: Zwar ohne Aber. Klingelt das Telefon ist Herr Schalk am (anderen) Ende. Ende. [...]
| 12. April 2007 — 11:04 | Permalink |
mek schrieb:
Freut mich, dass es Sie freut. Die jungen Leser hier verstehen das vermutlich alles nicht.
| 12. April 2007 — 14:13 | Permalink |
fabe schrieb:
öhh… irgendwas ist bei mir(?) komisch mit den trackbacks… jedenfalls hat den “kommentar” da oben das system geschrieben. seisdrum.
| 12. April 2007 — 16:17 | Permalink |
mek schrieb:
Bei mir taucht es als Pingback auf, nicht als Trackback. Mir passiert das aber auch dauernd, ohne dass ich verstanden habe warum. Ich habe beschlossen, dass man da nichts dagegen machen kann. Seitdem geht es mir besser.
Versuchen Sies auch mal.
(Mit Pingbacks von Ihnen kann ich übrigens prima leben)
| 12. April 2007 — 17:26 | Permalink |
fabe schrieb:
ja, ich dachte mir auch wir lassen das netz einfach mal machen, schön das sie das genauso sehen (mit dem “sie” stehe ich neuerdings übrigens ein wenig auf kriegsfuss…)
| 12. April 2007 — 22:23 | Permalink |
marcel weiss schrieb:
Glenn Gould hat mal gesagt: “Es gibt 2 Gruppen von klassishcen Komponisten: Bach und alle anderen.”
Bach ist sehr groß.
| 20. April 2007 — 15:01 | Permalink |
Opa schrieb:
Ja, der Glenn, ein guter Mann.
Ähnliches hat er auch über Pianisten gesagt. Beethoven z.B. klingt bei ihm sehr nach Gould und weniger nach Ludwig ;-)
| 21. April 2007 — 18:01 | Permalink |
marcel weiss schrieb:
:)
Alles was Gould gespielt hat, hatte dann eine gehörige Portion Gould.
Unerreicht: Goulds ’81er Einspielung von Bachs Goldbergvariationen. Hach..
| 22. April 2007 — 10:18 | Permalink |
Opa schrieb:
Unerreicht auch die Lieblosigkeit, mit der er mit dem Toronto Symphony Orchestra unter Karel Ancerl Beethovens Es-Dur Klavierkonzert niedermacht. ;-)
Bei den Goldberg Variationen, dem Wohltemperierten und Bachs Klavierkonzerten 1 bis 7 stimme ich Ihnen natürlich zu, obwohl ich selbst nur Mundharmoka spiele. Auch bei Strauss. Chopin hat er wohl bis auf eine einzige Sonate ganz ignoriert.
Musikalische Grüße aus St. Pauli :-)
| 24. April 2007 — 22:47 | Permalink |
marcel weiss schrieb:
Deswegen sagte ich ja, dass alles was Gould gespielt hat, eine gehörige Portion Gould hatte. Mal im Guten, mal im Schlechten. Wenn er was nicht mochte, hat er das in der Einspielung zum Ausdruck gebracht. Hehe
Kennen Sie, werter Opa, Thomas Bernhards ‘der Untergeher’? Großartiger Roman über Gould und so. Lesenswert.
| 25. April 2007 — 10:12 | Permalink |
marcel weiss schrieb:
P.S.: Hier sollte mal die Uhr gestellt werden.
| 25. April 2007 — 10:12 | Permalink |
mek schrieb:
Auftrag erledigt (sommer)
| 25. April 2007 — 11:41 | Permalink |
Opa schrieb:
Dank an beide Herrn :-)
| 25. April 2007 — 12:19 | Permalink |