londonbeben
Thursday 7. July 2005
Leider war es eine Frage der Zeit: Londonleben berichtet.
Langsam aber stetig, erreiche ich den Bildungsstandard eines durchschnittlichen Norddeutschen jungen Mannes. Nächsten Herbst wohne ich nun schon seit zwei Jahren in Deutschland, und deswegen wird es an der Zeit, dass ich in Gesellschaft mehrerer Leute auch mal mitreden kann, anstatt bloss mürrisch vor mich hin zu trinken.
Es mag vielleicht witzig sein, als ich vor zwei Jahren auf Wohnungssuche war und der etwas übertrieben coole Vormieter der sich beliebt machen wollte weil er seinen Abstand im Wert von 500EUR zurückbekommen wollte, (obwohl der Makler ihn mehrmals darauf hinwies, dass er keinerlei Anspruch darauf habe) mich ansprach, dass ich doch so sehr seinem Freund ähnle, vielleicht würde ich ihn ja kennen, seinen besten Freund, Fatih Akin, der mache Filme. “Nee, kenn ich nicht, tut mir leid”. Die anwesenden Menschen guckten mich erst etwas verstört an, und fingen dann alle gleichzeitig an zu lachen.
Jaja, das mag witzig sein, aber das nächste Mal würde ich gerne wissen wer Fatih Akin ist, weil ich würde ihm gerne sagen, dass er doch endlich Ruhe geben solle, dass er sich nicht bei mir populär machen solle, und, dass die paar Lampen die er aufgehangen hatte, niemals 500EUR gekostet haben können.
Eine andere grosse Bildungslücke ist Star Wars. Im Laufe der Jahre habe ich zwar mitbekommen was Star Wars ist, und auch kenne ich Fotos von dem kleinen grünen Zwerg mit den langen Ohren, und dass der so eine Art Übervater der Jedis ist (auch wenn ich nicht wusste was ein Jedi sein soll, so eine grüne, kleine ausserirdische Rasse wahrscheinlich), und ja, auch die Laserschwerte kenne ich, jedoch habe ich noch nie einen der Filme gesehen. Nicht weil ich mich vielleicht zu gut fühlte um mir diesen Weltallkrams anzugucken, nein, ganz und gar nicht, ich wollte als Kind schliesslich immer Astronaut werden, aber es gab in unserem Dolomitendorf schlichtweg kein Kino, und auch keines im Umkreis von vielen vielen Kilometern. Und Fernsehen war in meiner Kindheit auch nicht so das Wahre, vor allem abends, wenn es drüben im Wald etwas dunkler wurde. Und irgendwann wurden die Starwarsfilme alter Käse, weil wir guckten dann Rambo und Rocky, und vor allem den Terminator.
Am Sonntag fing ich an, eine dreissigjährige Kulturlücke aufzufüllen: Starwars Episode 1. Gestern war der zweite Teil dran, und heute Abend im Kino, der dritte Teil, die Rache der Sith. Mittwoch, Donnerstag und Freitag kommen der vierte, fünfte und sechste Teil an der Reihe. Die ganze Saga im Schnelldurchlauf sozusagen.
Ich träume jetzt von Laserschwerten und wenn ich mich von der Dame des Hauses verabschiede, dann sage ich “Möge die Kraft mit dir sein”. Ihr Blick verrät mir dann immer, dass es der Kuss war, auf den sie wartete und nicht die Kraft. Ich verwechsle da immer noch was.
Spätestens am Samstag werde ich wissen wie man Darth Vader ausspricht, und warum mich eine Freundin ausgelacht hat, als ich den Namen ihres Rechners, den sie nach diesem Vater genannt hat, ausgesprochen hatte.
Ich küsse euch.
Endlich regnet es wieder und man kann wieder ruhigen Gewissens drinnen sitzen und sich nicht gezwungen fühlen, draussen am Treiben aller jungen und gutaussehenden Menschen mitzumachen müssen. Zwar war ich am Wochenende mehrfach verhindert und hätte nichtmal hinaus gekonnt wenn ich gewollt hätte, aber wenn man in Eile über das Schulterblatt radelt und sich beim Anblick der sommerlichen Menschenmassen vorkommt als hätte man keinerlei soziales Leben mehr, dann beruhigt mich doch der Gedanke, dass wir südlich vom Brenner sehr wohl wissen, warum wir nicht in die Mittagssonne gehen.
Ich schwöre ich habe heutefrüh auch nicht gelacht, als auf der Arbeit die Kollegen nacheinander mit rotleuchtenden Köpfen hereintröpfelten. Schwierig war es allerdings schon.
Weil ich gestern die Generalprobe um 14:30 verschlafen habe und dabei nicht einmal eine vernünftige Entschuldigung auf Lager hatte, bot sich ausnamsweise einmal die Möglichkeit dem Chor samt Orchester zuzuhören.
Das Foto ist natürlich schlecht und langweilig, aber es zu posten, gehört zur Dokumentationspflicht dazu.

Danach kam das Konzert und natürlich war das wunderbar und grossartig und perfekt vorgetragen, aber sowas habe ich ja schonmal gesagt. Das Stück ist ausgereift. Jetzt können wir in den Vatikan.
Wie geht’s? Gut, Danke, und Dir? Ja, auch.
Wie geht’s? Gut, und Dir? Ja, gut.
Hallo, sie geht’s? Gut, danke, Dir auch? Ja.
Ich hasse diese Floskeln.
Kollege im Vorbeilaufen:
“Hi, wie geht’s?”
“Gut, danke, ich habe Krebs.”
Der Kollege ist schon bei der Tür und hat meine Antwort gar nicht registriert.
Auch ich habe jetzt das Brandenburger Tor gesehen. Hier der Beweis:


Die Geschwister 0815 im Dienste Ihrer Majestät.
Es hat sich viel geändert in Berlin, vor allem um den Helmholtzplatz herum. Damals gab es direkt am Platz noch keine einzige Kneipe, wobei es jetzt dem Hamburger Schulterblatt zu ähneln beginnt. Von der Betriebigkeit her. Ganz so schlimm, dass das Gefühl aufkommen könnte, man wäre nicht cool genug, war es zwar nicht, aber man hat schon ein ganz anderes Gefühl wenn man heutzutage dort vorbeispaziert. Ich kam mir richtig alt vor. Obwohl es die ganz normale Entwicklung ines sogenannten “coolen” Viertels ist, wie man es in vielen Städten sieht. Es wundert mich immer, dass die Coolness, welche die Leute dort an den Tischen verbreiten, auf ein Lebensgefühl basiert, das den Grossteil der dort Anwesenden verschrecken würde.
Dass die Schliemannkneipe in Schliemanncafe umbenannt wurde, trifft wohl den Zeitgeist.
Aber was soll es, mir gefiel es auch gut so.
Zu meiner Überrasschung wurde ich in einem noch ziemlich authentischen besetzten Haus in Mitte untergebracht. “Besetzt” ist natürlich das falsche Wort, weil es seit der Leipziger Linie keine neuen besetzten Häuser mehr gibt, aber es war eben ein Haus wie ich es noch kenne. Zwar legalisiert, aber Stahltüren, improvisierte Badezimmer und Küchen, grosse “unoptimierte” Wohnflächen, schrille Farben, bröckelnder Putz. Ich wurde in meinem schwarzen Anzug gar nicht argwöhnisch begutachtet, sondern gleich freundlich begrüsst. Und eigentlich fand ich es wieder äusserst schön, nach einer Lagerfeuerparty auf der Baulücke nebenan, in einem schmuddelig, jedoch geschmackvoll hergerichteten Gästezimmer auf einem hohen Podest, neben antiken und authentischen Kohleofen zu schlafen, wo man die Spuren der vorigen Gäste noch deutlich sehen konnte.
Schlafsack drüber und einschlafen. Am offenen Doppelfenster. Ich pennte wie ein Stein.
Sonst viel gelaufen, in wunderbarer Begleitung meiner Schwester, der Dame des Hauses und zwei weiterer jungen Wiener Damen. Tausende Kilometer müssen das gewesen sein, so fühlen sich jedenfalls meine Blasen an, und heiss ist es gewesen, wie an einem Sommertag.
Ich hätte noch lange bleiben können.
Er ist mir in letzter Zeit richtig sympathisch geworden, und obwohl mir seine Ansichten zum Teil immer zuwider waren, und immernoch sind, glaube ich, hat er letztendlich mehr richtig gemacht, als ich immer glaubte.
Jetzt ist er dahin. Das ewige Licht leuchte uns. Oder so.
In meinem ganzen Leben, habe ich bisher zweimal aufgehört zu rauchen. Einmal ziemlich erfolgreich. Ich stand frühmorgens auf und dachte mir, Herr Mek, Sie sind völlig daneben, wenn Sie weiterhin soviel qualmen, landen Sie bald ganz tief unter der Erde in einer schweren Kiste mit dicken Nägeln, wo Sie nimmerwieder herauskommen!
Davon war ich so erschrocken, dass ich meinen Tabak unverzüglich in den Mülleimer schmiss und ihn mit Ekligkeiten aus meinem Kühlschrank übergoss, damit ich ja nicht auf die Idee kam, ihn wieder herauszufischen. Danach war ich ein zufriedener Nichtraucher. Vor allem in den ersten Wochen machte es mir richtig Spass, mich an der Theke zu betrinken und dauernd an Zigaretten zu denken. In der Mitte des Abends konnte ich natürlich kaum noch stehen, da ich für jeden zweiten Zug, den ich von einer Kippe genommen hätte, einen Zug aus meinem Whiskeyglas nehmen musste. Aber ich unterhielt mich blendend, und das Nichtrauchen machte mir richtigen Spass. Einige Monate später zog ich dann nach Madrid, bekam einen ungeregelten Lebensrythmus und verfiel erneut der Sucht. Nicht weil ich es nicht mehr aushielt, sondern weil ich mir ab und zu mal, Abends bei Tapas, ein Kippe erschnorrte, weil es einfach sein musste, Abends wenn man draussen sitzt und bei rotem Wein den spanischen Gepflogenheiten nachgeht.
Ich schnorrte immer öfter eine Zigarette, bald mehrmals pro Abend. Bald kaufte ich den freundlichen Spendern eine ganze Schachtel, aus Schuld heraus, und irgendwann konnte ich mir genausogut selber eine Schachtel kaufen. Das war billiger. Nach fünf oderso Schachteln realisierte ich dann, dass ich wieder mit dem Rauchen angefangen hatte, aber ab dem Moment war es mir wieder egal.
Ein weiterer Versuch, einige Jahre später, scheiterte kläglich, schon nach einigen Tagen. Mein Kopf wollte aufhören, aber mein Bauch hatte die hellste Freude am Rauchen und dachte gar nicht daran aufzuhören. Das macht dann keinen Sinn. Ich wartete auf den Moment wo sowohl mein Kopf, wie auch mein Bauch dazu bereit seien.
Das war vor anderthalb Jahren, und der Zeitpunkt ist immer noch nicht gekommen. Nicht dass ich sehnsüchtig auf den Zeitpunkt warte, aber das gab mir einfach das Gefühl, dass ich irgendwann schon aufhören würde, und deshalb getrost weiterrauchen könne.
Mein Problem ist, dass ich ein glücklicher Raucher bin. Und das Problem der glücklichen Raucher ist, dass das Rauchen dann gar nicht schlecht ist.
Britische Wissenschaftler haben vor einiger Zeit ein grossartiges Experiment durchgezogen, wobei sie Ratten und Hamster an Nikotinrauch aussetzten (ich schrieb schon vor einem Jahr einmal kurz darüber, ohne das Experiment genauer zu beschreiben). Das faszinierende an diesem Experiment war, dass die Ratten in kurzer Zeit an Lungenkrebs verreckten, die Hamster jedoch durchschnittlich sogar etwas länger lebten. Ist das nicht toll? Die Erklärung hierfür ist allerdings noch viel toller.
Die Wissenschaftler schlossen daraus, dass die Ratten ein Problem haben, nämlich, dass sie von Rauch in Panik geraten. Ihr wisst vielleicht ja, dass im Mittelalter, oder in welchem Alter auch immer, das erste Anzeichen eines Brandes, fliehende Ratten waren. Ratten kennen Rauch in deren natürlichen Umgebung, und wissen dass sie davon ersticken, oder verbrennen. Rauch verursacht bei Ratten Stress. Hamster hingegen leben in Löchern, zumindest wenn sie in freier Natur leben, und Rauch kennen die nicht. Wo sie dann im Experiment Nikotinrauch ausgesetzt wurden, konnten die gänzlich ohne Vorurteile die positive Wirkung des Nikotins ausnutzen, und lebten dadurch länger.
Die Krebsforschung hat in den letzten Jahren ja grosse Veränderungen durchgemacht, so ist man draufgekommen, dass der Krebs vor allem erstmal im Kopf auftaucht und dann in Verbindung mit körperlichen Schwächen, gewisse Organe anfällt. So sehe ich zB, jemand der unter grossem und untröstlichem Liebskummer leidet (Schmerzen in der Brust), vielleicht noch eine schwächelnde Lunge hat, und zusätzlich auch noch raucht, sehr schnell Lungenkrebs bekommen. Aber das kommt ja nicht vom Rauchen, sondern hauptsächlich von den anderen zwei Problemen.
Heute erst hat mir eine Arbeitskollegin, die früher mal Krankenschwester war, dass bei ihr im Krankenhaus, die meisten der Lungenkrebspatienten gar nicht rauchten, oder jemals viel geraucht hatten.
Das Wichtige beim Rauchen ist nur, dass man glücklich dabei ist. Die Kippe nach dem Essen ist ein erotisches Erlebnis, die Erste am Morgen sowieso, und alle dazwischen lassen die Spatzen von den Bäumen pfeifen.
Sobald man anfängt bei jeder Zigarette zu denken, dass das schlecht ist und dass man aufhören sollte, dann hört man am Besten unmittelbar auf, sonst wird man krank. Im Kopf und in der Lunge, und dann kommt der Krebs dahergelaufen.
Heutzutage bekommt man Lungenkrebs wegen den Kleinstpartikeln von den Abgasen in der Luft (Ja, jetzt laufe auch ich mit der neuen Rage mit), oder vom Stress mit dem schnellen Leben, dem jeder versucht nachzulaufen und nicht einzuholen vermag.
Und wichtig ist richtiges Atmen. Mehrmals pro Tag die Lungen vollkommen leerpressen bis man nur noch röchelt, und dann wieder einatmen bis einem der Bauch fast Platz und dies dreiviermal wiederholen. So wie es Ärzte bei der Kur von einer Lungenentzündung empfehlen.
Dann geht es uns allen wieder gut.
Und ja, dann kann man noch bemängeln, dass das Rauchen stinkt und all die Sachen, oder dass man nach dem Besuch einer Kneipe, sich gleich die Klamotten vom Leibe ziehen muss. Aber das ist doch alles bloss Einbildung. Wir leben heutzutage sowieso in einer krankhaft reinlichen Welt. Fast schon klinisch reinlich, wenn ich an die Nordländer denke, die, wenn sie in den Urlaub fahren und beim Franzosen auf dem Lande, das Baguette direkt in die Hand gedrückt bekommen, ohne Verpackung drumherum, gleich einen wochenlangen Durchfall bekommen, weil plötzlich soviele Bakterien im Körper hausen.
Das geht jetzt weit, ich weiss, aber was bleibt von uns Männern, die erotisch nach Whiskey und Rauch riechen wollen, wenn wir nicht mehr qualmen dürfen? Müssen wir uns dann dreimal Pro Tag in Lavendel-Rosen-Öl baden?
Trotz allen oben genannten Punkten, bleibt es jedoch eine ungesunde Angelegenheit. Bis ich eine Ausrede gegen Herzkranzgefässverkalkung gefunden habe.
Oha! Kardinal Lustiger, der Erzbischof von Paris tritt zurueck. Die Nachricht ist zwar vom Februar, aber das passiert halt, wenn ich meiner Pflicht als guter Kathole nicht nachkomme und www.vatikanradio.org bloss wöchentlich monatlich jährlich lese.
Die Nachricht würde an uns allen vorbeigehen, wie auch die anderen frohen Botschaften aus dem Castel Gandolfo, wäre da nicht dieser Name des Nachfolgers der uns innehalten liesse: Kardinal Vingt-Trois.
Scheinbar langjähriger Vertrauter von Kardinal Lustiger. Ich habe diesem Lustiger ja auch schon nie sonderlich über dem Wege getraut. Seit seinem Amtsantritt ist die Stadt untergraben von einem wuchernden Filz von Freimaurern und geschundenen Adligen, aber jetzt, mit einem Erzbischof der Hauptstadt von Frankreich, der die Zahl 23 in seinem Namen traegt, geht wohl alles ins ewige Höllenfeuer hinunter. Dass die Illuminaten nun öffentlich dem heiligen Vater ins Gesicht spucken, ist ein alarmierendes Zeichen.
Mitte Mai habe ich Audienz bei seiner Eminenz in der Vatikanstadt. Ich werde mich mit ihm beraten müssen.
Der Regen ist mir völlig wurscht. Nach den gestrigen 17 Grad und Sonnenschein kann es meinetwegen auch wieder regnen. Hauptsache die Kälte ist weg.
Ich mag den Regen heute richtig gerne, wie ein warmer Sommerregen, der einen angenehmen Geruch von Veränderung mit sich bringt. Wobei man schon leichtbekleidet, so tut, als würde man die Tropfen gar nicht spüren.
Aha, das ist also der Weg womit sich die Maschinen zur Weltherrschaft erschleichen wollen. Ich danke dem Herrn Nase.
Fuer euch Leser, die ihr ja hauptsaechlich Deutschlaender seid, mag die folgende Mail meiner Schwester vielleicht gar nicht so ungewoehnlich klingen. Berlin ist doch nur eure Hauptstadt.
Man muss aber bedenken, dass fuer uns Suedtiroler, Berlin eine weit entfernte, grosse Stadt im fernen Norden ist, die man aus schwarzweissen Kriegsfotos kennt, wo in unseren Koepfen eigentlich noch ne Mauer drumrum gebaut ist und wo andauernd Strassenschlachten gekaempft werden. Natuerlich haben wir auch mitbekommen, dass jetzt da die grosse Politik gemacht wird, und sicherlich kennen wir auch die grossen Museen vom Namen her. Aber es bleibt etwas exotisches und entferntes. Auch wenn ich in ‘93 in Berlin gewohnt habe. Und daran aendert sich auch nichts dass ich jetzt in Hamburg wohne.
So klingt es jedenfalls, wenn meine Schwester Sigrid mir aus Wien schreibt:
was haelts du davon, uns alle, uebernaechstes oder ueber-uebernaechstes
wochenende, in berlin zu treffen um ordentlich abzufeiern?
Ja klar. Sowas wie Lass uns am Samstag bei Rosie’s treffen aufn Bier. Die tausendirgendwas Kilometer machen fuer sie auch nicht mehr den Unterschied.
Fuer mich ist diese Mail, alsob dem Hamburger Jansen, seine studierende Schwester Marie in Zuerich schreibt: Lass uns in zwei Wochen in Paris treffen.
Klar, macht man doch.
Nur mal so: GeoURL ist nach einigen hundert Jahren Neuentwicklung, wieder online gegangen. Solche Services faszinieren mich ungemein. Da habe ich das Gefuehl nicht alleine zu sein, hier drin in meinem Musikbunker. Falls ich mal mitten in der Nacht, den Schluessel zu meinem Blog verloren habe, dann brauche ich nur den Nachbarn von Breitengrad 9.944 anpingen und Fragen ob er mich hintenrum ueber den Garten hineinlaesst. Dies gilt auch für Salz, Milch oder Trackbacks.
Nein, aber im Ernst, meldet euch an!
Eigentlich dachte ich, dass ich von diesem neuen Bloggervirus in Ruhe gelassen werde, da mein Musikgeschmack aeusserst konservativ und eintoeönig in meinem Regal herumlungert. Aber der AxelK vom Apfelstrudelrestaurant, hat mir den Knochen zugeworfen, und weil ich ja ein ganz wilder Hund bin, und heute eh nichts anderes zu schreiben habe, beisse ich mal zu. Nun, runter zu den Fragen.
1. Wieviel gigantische Bytes an Musik sind auf deinem Computer gespeichert?
mek@rosa:~$ du -sb musikhaufen/
4926866587 musikhaufen
Boah, knappe 5 gigantische Bytes. Wusste ich gar nicht. Jetzt wird natürlich erwartet, dass ich irgendwas gescheites dazu sage, sonst macht das ganze ja keinen Sinn. Nun, da ist wirklich nichts besonderes dabei. Ich übe mich schon seit Jahren darin, meinen Musikgeschmack etwas auszubreiten. Ich kann meinen Gaesten beim Essen oder Kartenspielen schliesslich nicht dauernd dasselbe Gedüdel vorspielen. Das hier ist die Sammlung.
2. Die letzte CD, die du gekauft hast…
Ich glaube das waren die Tiger Lilies. Zirkuspunk im Stil der zwanziger Jahre. Ist schon laenger her. Ich kaufe mir aber nicht oft Musik. Ich kann mit den ganzen Neuigkeiten nicht mithalten, das ist mir zu stressig. Ich hoere und hege Lieder für eine lange Zeit. Manchmal hoere ich den ganzen Tag lang das gleiche Lied. Mit dem Finger auf der “Zurück-Taste”.
Ich verdaue Musik ganz langsam, und wenn sie mir wieder raufkommt, dann geht sie in meinen zweiten Magen und ich wiederkäue sie undsoweiter. Und sie wird dabei immer schöner. So auf die Schnelle hoeren geht bei mir nicht, und Hintergrundmusik erst recht nicht. Wenn ich arbeite, ist bei mir Stille, und wenn ich Musik nur nebenher hoere, dann hoechstens beim Abwaschen.
Überdies werde ich durch meine Chorarbeit sowieso dauernd von irgendwelchen Bachmotetten oder Schubertliedern verfolgt, sodass ich mich oft gar nicht auf andere Musik konzentrieren kann.
3. Welches Liedl hast du gerade gehört, als dich der Ruf ereilte?
Keines, da ich natuerlich gerade am Rechner sitze. Das letzte war jedoch (immernoch) “Mutual Friend” von Divine Commedy, das Lied worüber ich schon vor einigen Wochen schrieb. (Das Lied ist gerade mal in meinem dritten Magen angekommen).
4. Fünf Lieder, die dir viel bedeuten oder die du oft hörst.
Watching Alice - von Nick Cave and the Bad Seeds. Das erotischste Lied das ich jemals gehoert habe. Nein, ich bin nicht notsaechlicherweise ein Voyeur.
C.C.C.P. - Maciste contro tutti. Kennt eh kein Schwein hier in Deutschland. Grossartige Musik aus meiner Jugend. Die Band gibt es nicht mehr. Zumindest nicht in der Form. Die Band wurde in Italien Ende der achtziger (bei uns in Südtirol erst anfang der Neunziger, wie alles andere da auch erst immer viel spaeter anfängt) als Kultband vergoettert. Mit dem Zusammenbruch des Ostblockes lösten sie sich dann auch auf, und benannten sich um in C.S.I. Die italienische Abkuerzung fuer “Gemeinschaft Unabhaengiger Staaten”. Philosowjetischer Punk, so nannte man das. Nein, keine Kommunisten.
Luce - von Milva Jaja ich weiss… Milva. Aber ihr Deutschländer habt leider ein Vorurteil gegenüber der Frau. Die hat auch wirklich grossartige Sachen gemacht, nicht nur die Schlager womit sie hier berühmt geworden ist. So hat sie zB. sizilianische Volksmusik neu interpretiert und sogar Berthold Brecht gesungen. Aber ich muss zugeben, ihre Schlager gefallen mir am Besten.
Redukt - Einstuerzende Neubauten Musikgruppe aus meiner Jugend. Hoere ich beinahe taeglich. Oder besser gesagt, wöchentlich. Redukt ist bloss das erste das mir gerade einfiel, von einer ganzen Reihe Stücken die mir viel bedeuten.
Prelüde in C-Dur des wohltemperierten Claviers von Bach - Das Stück könnte ich den ganzen Tag lang, und auch den darauffolgenden hoeren. Wie schon vor langer Zeit mal erwähnt gibt dieses Stueck exact mein Gemuet wider. Allerdings nicht die Originalversion auf Cembalo, sondern die Version des Klingeltones auf meinem frueheren Handy, das monophone (ist das das Gegenteil von Polyphon?) graue Ding. Wenn mich jemand anrief, dann tat ich mich wirklich schwer das Gespräch anzunehmen, anstatt es fröhlich weiterklingeln zu lassen.
5. Wem wirfst du dieses Stöckchen zu (3 Personen) und warum?
Also als erstes fällt mir da Herr Fabe ein. Weil der DJ bei Radio Flora in Hannover ist, und damals bei der Sendung mit der Bloggerlesung, so viel tolle Musik aufgelegt hat, bei der ich mir dauernd gedacht habe “warum gibt es so viel schoene Musik da draussen?”, dass ich die aufgenommene Sendung noch immer gerne abspiele. Es stoert mich schon beinahe, dass da dauernd irgendwelche Blogger (inklusive meinerselbst) dazwischenlesen.
Dann möchte ich mal wissen was die Damen da drüben bei La vie de mai und Melancholie Modeste so für Musikgewohnheiten haben. Wer schön schreiben kann, muss schliesslich auch Musik zu schätzen wissen.
Manchmal will ich einfach einen Einkaufswagen. Es passiert mir naemlich immer wieder, dass ich an der Kasse, in einer kilometerlangen Schlange stehe und die Ware mir bis ueber die Stirn hinausgewachsen ist. Meine Bizepse und Trizepse verkrampften sich dann und innerlich bin ich ein schweissgebadetes Haeuflein Elend, das sich wimmernd das Fliessband der Kasse herbeisehnt, um all die Flaschen und Packungen hinaufzuschmeissen. Aber natuerlich bewahre ich die lockere Mine des starken Burschen aus den Bergen. Pft, alsob mich das ganze Gewicht aus der Fassung bringen wuerde! Ich habe frueher schon mit Baumstaemmen geschmissen und bin in den Baeumen herumgeklettert als gehoere ich noch immer zu meinen haarigen Urahnen. Die jungen Hamburger hier sind alles verwoehnte Rotznasen. Die gehen nicht mehr raus auf die Schiffe und schwingen die Ketten und Piratenschwerte, wie die Vaeter deren Vaeter.
Schon mehrmals haben mir aeltere Frauen in der Warteschlange angeboten, meinen Einkaufsberg in ihren Wagen zu legen. Ich schuettle immer den Kopf und mache dabei noch einen legeren Knicks, wobei der ganze Berg in meinen Armen fast zusammenbricht, und sage Ach, da sind ja nur noch 7 Leute vor mir. Das sind hoechstens noch zehn Minuten.” waehrend ich meine Arme gar nicht mehr fuehle vor lauter Schmerz. Gleichzeitig denke ich mir immer, ich wuerde mir an den Kopf hauen, wenn ich freie Haende haette. Aber haette ich die Haende frei, dann haette ich diese Probleme auch nicht. Und so verwerfe ich den Gedanken meistens wieder und sehne mir stattdessen das Laufband herbei.
Manchmal ist mir aber nach Einkaufswagen. So einmal pro Monat. Auch ich muss mich manchmal entspannen, mich am neuen Angebot orientieren, gucken welch neue Schampoos sie fuehren, und ob es wieder Geranien im Angebot gibt. Man hat ja seine Wohlbefindungstage.
Also ging ich zu den Einkaufswagen und hatte natuerlich keine passende Muenze dafuer. Bloss zwanziger und fuenfziger, aber L*DL hat jetzt diese neuen Einkaufswagen mit dem Schlitz, anstatt die guten alten, mit der kleinen, seitlichen Schublade. Und da passen nur noch Euros rein.
Ich muss wohl irgendwie bloed rumgestanden haben, weil mich ein vierzehnjaehriges Maedchen ansprach: “Du brauchst da eine Euromuenze”. Alsob ich das nicht selbst gewusst haette, du kleines Goer, ich brauche so einen verdammten Wagen mit kleiner Schublade. Aber ich beschloss ganz einfach freundlich zu bleiben, da ich an den Tagen wo ich einen Einkaufswagen nehme, ja im allgemeinen ein sehr wohlbefindlicher Mensch bin. Ich laechelte ihr zu und sagte, dass ich leider keine Euromuenzen haette und so stellte ich mich auf einen schnellen Einkauf ein, und liess somit meine Plaene von Shampoo und Geranien verpuffen, ohne weiter auf das Maedchen zu achten.
“Hast du zwanzig cents?” fragte sie. Ja die hatte ich. “Damit kannst du auch diese neuen knacken”. Meine Aufmerksamkeit war geweckt. “Du meinst, ich kann die einfach reinstecken und das Schloss geht auf?”. Sie nickte. Ich zog eine zwanzigcent Muenze hervor und steckte sie in den Schlitz. Nichts bewegte sich. Ich ruettelte. Und schuettelte. “Das geht nicht” sagte ich zu ihr. Sie naeherte sich dem Wagen und begutachtete das Schloss. “Tja manchmal bleiben die Muenzen auch drin stecken”, sagte sie. “Na toll!” und meine Gedanken an Shampoo und Geranien loesten sich wieder in eine Wolke aus Methan und Staubpartikeln auf.
Sie stiess aber ein aufmunterndes Lachen auf und bot mir an, zusammen mit ihr den Wagen zu benutzen. Ich die linke Seite, und sie die rechte Seite. Nunja, warum auch nicht. Ich wuerde zwar keine Ruhe finden, mich mit Pflanzen und Wohlbefindlichkeitsmitteln zu beschaeftigen, aber ich braeuchte keine schweren Warenberge herumzuschleppen. Und so betraten wir den Supermarkt.
Ich schaetzte das Maedchen auf vierzehn Jahre. Von der Groesse er. Aber je laenger ich darueber nachdenke, erscheint sie mir juenger. Sie war bloss gross gebaut. Ich wuerde jetzt sagen dass sie zwoelf ist. Es schien ihr ausgesprochene Freude zu machen. “Schiebst du den Wagen?” sagte sie und lachte. Ich schob.
Sie hielt gleich bei der Marmelade inne, nahm zwei verschiedene aus dem Regal und fragte “Welche soll ich nehmen? Die Leckere, oder die mit weniger Zucker?”. Ich blieb stehen, guckte auf die beiden Glaeser, dachte nach, welche ich nehmen wuerde, und sagte: “Die Leckere”. Sie guckte auf das Glas in ihrer Rechten und seufzte dramatisch “Ja moechte ich auch gerne, aber ich muss abnehmen”. “Du bist nicht dick” sagte ich, und drehte mich zum weitergehen um. “Findest du?” sagte sie. “Ja, finde ich”. “Ach, dann nehme ich die Leckere, meine Mutter ist sowieso schon fett”. Ich schob den Wagen in Richtung Gemueseauslage. Sie lief neben mir her und betrachtete das Gemuese uninteressiert. Ich wunderte mich ploetzlich, dass sie gar nicht einzukaufen schien. “Musst du eigentlich nicht einkaufen?” fragte ich sie darum. “Oh. Ja” sagte sie und lachte. Dann sprang sie davon. Vielleicht blieb sie ja ein bisschen laenger weg und ich haette kurz Zeit mir die Geranien anzugucken. Deshalb schob ich den Wagen zu den paar aermlichen Pflanzen. Und da sprang sie mir schon vor den Wagen und hielt Nudeln, Reis und eine Dose Bohnen in der Hand, die sie mitten in den Wagen schmiss. Also mit der Teilung der Waren wuerden wir es wohl nicht so genau nehmen. Mir auch recht. Ich liess die Pflanzen sein und fuhr zurueck zum Gemuese, nahm ein paar Zucchinis, Moehren, etwas Salat und fuhr weiter zu den Milchprodukten, waehrend sie neben mir herschlenderte.
“Brauchst du Milch?” fragte sie. “Ja genau” antwortete ich und hielt den Wagen an. Flugs machte sie einen Satz zur Milch. “Einen Liter?”. “Ja, Einen Liter”. Dann packte sie einen Liter Milch und legte es zu ihren Sachen in der Mitte des Wagens. Ich liess es geschehen. Was sollte ich schon sagen. Sie fuehrte ja nichts Boeses im Schilde und ich war theoretisch in guter Laune.
“Die Dinger schmecken Scheisse” sagte sie und zeigte auf die fettarmen Brotaufstriche. Ich lachte “Haha, ja, von denen bekommt man noch mehr Hunger.” Sie lachte auch und nahm eines der fetthaltigen vom Regal, wobei sie sagte, dass sie ja nicht fett sei, wie ich ihr versichert hatte.
Langsam wurde ich ungeduldig und machte ihr klar, dass ich gleich kochen muesse und deshalb nur schnell meine Sachen zusammensuchen moechte, damit ich bald wieder nach Hause gehen kann. Sie sagte in einem bedauerlichen Ton, dass sie auch nicht viel Zeit habe, weil ihre Mutter zu Hause auf sie warte.
Ich lief kreuz und quer durch den Supermarkt, nahm Sahne, Apfelsaft, Muesli, Mineralwasser, Bier, legte es behutsam auf der linken Seite des Wagen hin, und ab und zu huepfte mir das Maedchen vor die Fuesse, lachte mich an und schmiss ihre Sachen mitten in den Wagen. Ich war bald fertig und stellte mich in die Mitte des zentralen Ganges auf und hielt Ausschau nach ihr.
Ploetzlich kam sie mit einem sehr besorgten Blick zu Vorschein. “Was ist los Maedchen?” fragte ich.
Sie kam naeher und sank den Kopf. “Ich kann die runden, bunten Schokoladen in dem roten Netz nicht finden.” “Oh, das ist doof” entgegnete ich “hast du hier vorne links schon geguckt? Da sind die Schokoladen.”
Ja, hatte sie schon, aber die waren nicht da. “Hast du den Bediensteten schon gefragt?” fragte ich. “Nein” sagte sie “kannst du ihn fuer mich fragen?”.
Ich liess mir nicht anmerken, dass ich etwas genervt war und machte sie mitkommen, zur Tuer, wo man die Pfandflaschen abgeben kann. Ich klingelte an der Tuer, der Bedienstete kam und ich forderte sie auf, ihm die Schokoladen die sie suchte, zu beschreiben. Er schuettelte den Kopf. “Nein fuehren wir nicht”.
Daraufhin wurde sie sehr unruhig. Ich nahm sie mit, in Richtung Schokolade, und wollte ihr Ratschlaege geben, die vielleicht als Alternative in Frage kommen koennten. Die runden, bunten im roten Netz sind schliesslich nicht unersetzbar. Aber sie blieb besorgt.
“Was ist denn los?” wollte ich wissen. “Meine Mutter wird mir das nicht glauben, dass es keine gibt” sagte sie “das brauche ich schriftlich. Das glaubt sie mir sonst nicht”. Ich versuchte beruhigend auf sie einzureden und sagte, dass das wohl nicht so schlimm sein koenne. Doch dann heiterte sich ihr Gesicht auf: “Du koenntest mir vielleicht auf einen Zettel schreiben, dass L*DL diese Schokoladen nicht mehr hat! Mit Unterschrift und allem.”
Ich seufzte innerlich. Ich guckte mich um. Hier mitten im Supermarkt, so einfach einen Brief faelschen? Ich kam mir vor wie ein zwoelfjaehriger. “Ach komm, das kann wohl nicht so schlimm sein, sag ihr einfach die waeren ausverkauft, Punkt aus.” Sie machte wieder ein besorgtes Gesicht. “Du kennst meine Mutter nicht” sagte sie. Da hatte sie recht - ich kannte sie in der Tat nicht.
Ich zog einen Zettel und den Kugelschreiber aus meiner Tasche und schrieb, schoen leserlich: Das von ihrer Tochter gewuenschte Schokoladeprodukt fuehren wir derzeit leider nicht. Mit freundlichem Gruss, Ihr L*DL Mitarbeiter und darunter ein unleserliches Gekritzel.
Sie laechelte und schob ihre Brust nach vorne. Sie hatte einen riesigen Busen, fiel mir ploetzlich auf. Eindeutig zu fruehreif, das Goer. Ich brummte innerlich. “Komm, lass uns zur Kasse gehen, ich bin fertig, du auch?”. Sie bejahte.
So standen wir in der Schlange, die zum Glueck nicht besonders lang war, und sie erzaehlte mir von sichselbst. Ueber Unterschriftenfaelschungen, was gar nicht so schlimm sei. Dass sie des oefteren Unterschriften faelschen wuerde. Vor allem in der Schule, wenn sie schlechte Noten bekam, und dass das noch nie aufgeflogen waere. Sie beschrieb mir wo sie wohnte, nannte die Strasse und Hausnummer und wollte dann von mir wissen wo ich wohne. “Ah, hier um die Ecke, gleich rechts” sagte ich. “Welche Hausnummer?” wollte sie wissen. “160″ log ich. Sie laechelte.
Dann konnten wir die Waren auf das Band legen. Natuerlich war das kompliziert, da wir erst alles sortieren mussten. Ihre Sachen erst, dann das NaechsterKundeSchild und dann mein Zeug. Ploetzlich schlug sie sich die Hand vor den Mund: “Ich hab die Eventnuesse vergessen”. “Die was?” sagte ich. “Die Eventnuesse” wiederholte sie “weisst du was das ist?”. Ich schuettelte den Kopf, dann zog sie ihre Einkaufsliste hervor und zeigte mit dem Finger auf das Wort Erdnuesse. “Da steht Erdnuesse, nicht Eventnuesse”. “Egal, erwiderte sie, kannst du mir die Nuesse holen? Ich kann nicht weg, ich bin fast dran.” Gut, dem war nichts zu entgegenzusetzen, und freundlich und hilfsbereit bin ich ja. Ich lief zu den Nuessen hinueber, fand aber keine Erdnuesse, und schon recht keine Eventnuesse, und lief daher zurueck. Aus der Ferne rief sie mir ueber alle Leute hinweg zu: “Kannst du uns bitte auch noch eine Packung Nudel mitnehmen? Ich habe nur eine, das reicht fuer heuteabend nicht”. UNS?? Ich dachte nicht richtig gehoert zu haben. Das ist gleich alles vorbei, du verlaesst den Laden und gehst nach Hause. Ich nahm also eine willkuerliche Nudelpackung aus dem Regal und hastete zurueck zur Kasse. Man hatte auf mich gewartet.
Sie bezahlte, dann war ich dran und wollte meine Sachen nach dem Scannen gleich in meine Tasche packen, aber das Maedchen nahm meine Einkaeufe vom Band und legte alles sorgfaeltig zurueck in den Wagen. Sie schien es zu geniessen.
Nach dem Bezahlen packte ich mein Zeug und liess sie den leeren Wagen schieben. Bei der Tuer sagte ich ihr ganz selbstverstaendlich “Ach dann bringst du den Wagen zurueck ja? Man sieht sich. Irgendwann, irgendwo.” Sie winkte mir nach und sagte: “Bestimmt”. Dann laechelte sie noch.
St.Pauli Chronicle. Newsblog ausm Viertel. Und dem umliegenden Kaff. [gefunden via Stacktrace].
Die Kategoriefunktion bei Blogeintraegen macht richtig Spass. Warum hab ich das so lange ignoriert? So kann ich nun die Gedanken mit einem einfachen Klick in Schubladen stecken, und alles scheint aufgeraeumt und eingepackt. Das selbe Gefuehl wie wenn man nach einer wilden Kochorgie die Kueche wieder blitzblank sauberwischt. Wenn ich schon im richtigen Leben keine Ordnung habe, dann hab ich es jetzt wenigstens in meinem Weblog soweit geschafft. Und sofort fuehle ich mich wie ein erfolgreicher, junger und dynamischer Kerl.
In meiner Wohnung gibt es nur die Kategorie “Uncategorized”.
Man kann foermlich hoeren wie sie in verschiedene Dichten der Methangaslagen absinkt. Alsob es Turbulenzen gaebe. Ich habe Gaensehaut bekommen. Geraeusche von weit, weit (weit, weit…) weg. Man realisiert oft nicht, dass es da draussen im Weltall auch Geraeusche gibt, wie hier auf dem Erdball wenn man eine Pfanne fallen laesst. Das Geraeusch der absinkenden Huygens Raumsonde heute, in die Atmosphaere des Saturnmondes Titan. Hier bei der ESA.
Der ganze Rummel um Rommel-Harry und sein Hakenkreuz wird voellig aufgeblaeht. Was ja im Prinzip in Ordnung ist - ginge es um das Wesentliche. Aber alle Skandalschreie rufen bloss, wie fuerchterlich es sei, dass der pubertierende Prinz als Nazi verkleidet, und obendrein auch noch mit der Swastika, sich auf einer Party herumtreibt.
Ach armer Harry, dabei bist du bloss ein dummer jugendlicher Adliger, der zuviel Freizeit hat und sich nie mit den kosmokomplizierten Dingen dieser Welt beschaetigen musste, und nun wirst du fuer etwas bestraft, das du eigentlich gar nicht verstehst. Jaja, die Maedchen fanden das bestimmt cool, wie du auffielst. Konnten sie ja nicht wissen, dass es gleich zum Skandal wuerde, ist halt ein Hakenkreuz, ja, mann, sieht man doch im Fernseher auch dauernd in den schwarzweissen Dokus. Haettest du gewusst, dass das bei den normalen Leuten verpoehnt ist, dann haettest du das bestimmt nicht getan, du bist schliesslich ja nicht bloed.
Nein, es ist nicht Harry. Was eigentlich fuer Aufsehen sorgen muesste, ist, dass die Party dieser adligen Kids den Namen “Kolonialbeamte und Eingeborene” zum Thema hatte. Was wohl eher die allgemeinen sozialen Verhaeltnisse der jugendlichen Aristokratie widerspiegeln sollte. Aber dafuer interessieren sich die Medien nicht wirklich. Achja die anderen trugen ja keine Hakenkreuze…