[Notiz für unter die Krawatte]

Ein Brautführer hat drei Aufgaben:

1) Ein Auge auf den Brautstrauß werfen. Das heißt, Dein ganzes Herz und Deinen ganzen Einsatz dem Brautstrauß widmen, nämlich dafür zu sorgen, dass die Braut den ganzen Tag den Brautstrauß bei sich behält. Verlöre sie diesen, dann geräte er womöglich auf Abwegen und abends beim Straußwurf nicht in die Hände der dafür prädestinierten, heiratswilligen Jungfer.
Das muss so sein. (Hat man Dir gesagt)
Und verliert die Braut ihren Strauß, verliert der Führer seinen Kopf. (Man hat es Dir dreimal gesagt)

2) Die Braut bewachen. Weitaus wertvoller als der Strauß, ist natürlich die Braut selbst. Auch die kann auf Abwege geraten. Vor allem wenn die Braut Deine Schwester ist. Als ihr klein wart und Du auf sie aufpassen musstest, dann hast Du sie manchmal in ihr Zimmer eingesperrt. Das geht am Samstag natürlich nicht. Erstens tun Dir die Einsperraktionen von damals leid, zweitens stehen auf dem Terminplan aber wirklich spannende Sachen wie: Drei Stunden bei der Frisörin Irene, drei Stunden im Schminksalon von Nanna, und wegschauen beim Umziehen.
Du weißt schon was dem Brautführer passiert wenn der Strauß flöten geht. Sie (das Organisationskomittee) wissen aber noch nicht was sie Dir bei Abhandenkommen der Braut abhacken werden. (Sie haben dabei gelacht, sei auf der Hut!)
  2a) Falls Dir die Braut abhanden kommt: Sabine anrufen. Du hast keinen Führerschein und in Südtirol gibt es keine Ubahnen. Sabine magst Du, zudem kann sie schnell bergauf und bergunter fahren.

3) Die Braut dem Bräutigam übergeben. Komm Mek, das kannst Du.

Eine Ära geht zu ende, die Blätter fallen von den Bäumen, und plötzlich wird mir mulmig zumute, aber man kann nicht ewig jung bleiben: Nebst Brautführer, werde ich Onkel und Schwager werden.
Heimat, ich komme.

oh.

Ich war kurz Schuhe kaufen. Bin aber immer noch hier.

Nächsten Dienstag lese ich übrigens auf der Lesebühne Die Lautmalerei, in der Christinenstrasse. Das wird sicherlich nett, auch wenn ich mich ein wenig unwohl fühle dabei, so war ich doch froh, endlich einmal von einer Lesebühne gehört zu haben, bei der die Frauenquote weit über dem Durchschnitt der ziemlich männerlastigen Berliner Bühnen liegt. Ich senke diese Quote ungerne, auch wenn ich vielleicht die Ausländerquote erhöhe, aber diese Bühne klingt toll, zudem bin ich Gast und ich nehme selbstredend dankend an.

Und sonst mache ich gerade etwas mit Geschichten, zwölf Geschichten über Regen und neun Geschichten über Staub. Mir scheint als gäbe es etwas wegzuspülen. Eine dieser Regengeschichten passt auf die Bühne. Und später vielleicht ins Blog. Wenn ich sie bis Dienstag fertig geschrieben habe, dann lese ich diese vor. Sollte ich es nicht schaffen, dann mache ich Staub, und lese etwas älteres.