[Mi, 1.4.2026 – Duett aus Opernsängerinnen]

„You know what is more scary than being alone in the woods? To know that you’re not alone in the woods.“

Das ist vielleicht der einzig gute Satz, der mir aus der Horrorserie mit dem Namen blabla something very bad is going to happen übrig geblieben ist. Der Satz ist etwas plakativ, aber er kam doch überraschend bösartig und gleichermaßen belustigt aus dem Mund eines Mädchens, wodurch er uns dann doch kurz amüsierte. Am Sonntag wollten wir nämlich die Serie weiterschauen, nach dreißig Minuten schalteten wir aber wieder ab, weil sie so unfassbar platt und klischeehaft durchdekliniert ist, als hätte die KI ein dreizeiliges Rezept für Horrorserien eingelesen.

Auch Lu, mit der ich mich momentan asynchron über lange Sprachnachrichten per Signal unterhalte, teilte diese Meinung, sie konnte das aber noch präziser formulieren. Ich mag ja ihre langen Sprachnachrichten. Manchmal ist es schlichtweg nötig, sich in Sprachnachrichten auszudrücken. Wenn ein Gedanke beispielsweise viele Herleitungen hat oder man komplexere Zusammenhänge erklären will. Packt man das nämlich in eine Chatnachricht, dann mauert man ja eine bedrohliche Wall-of-Text im Telefon auf. Ich fühle mich da eher angeschrien. Es gibt diesen Begriff Keyboard-Warrior. Das sind die Leute, die in Gruppenchats (vor allem in Firmen oder Foren) emotional und beleidigend in die Gruppe hineinbrüllen. Die machen das immer mit einer Wall-of-Text.

In einer Mail präferiere ich hingegen lange Nachrichten. Es liegt wohl am Medium.
In Messengern schreibe ich lange Texte immer in Absätzen.
Jeden Satz ein neuer Absatz.
Als müsste ich jeden Satz einzeln wegparken.
Ich schreibe einen Satz und schicke ihn ab.
Dann noch ein Satz und ich schicke ihn ab.
Egal, ob die andere Person antwortet oder nicht.
Es gibt zwei Arten von Menschen, so heißt es. Diejenigen, die mehrere Gedanken in einer Nachricht formulieren und dann erst abschicken. Und dann gibt es die anderen.

Viele Menschen haben eine starke Meinung zu Sprachnachrichten. Die Meinung ist fast immer ablehnend. Ich hatte aber nie etwas dagegen. Ich empfinde Sprachnachrichten als weniger invasiv als einen Anruf. Meistens antworte ich aber mit einer Textnachricht. Schreiben liegt mir eher. Auch weil ich oft ein wenig redefaul bin. Aber Sprachnachrichten zu empfangen, finde ich durchaus gut. Zumindest, wenn man sie nicht sofort anhören muss. Weil anhören kann man sie nicht immer. Lu antworte ich mittlerweile auch per Sprachnachricht. Das ist dann wie asynchrones Telefonieren. Man redet miteinander locker über den Abend hinweg, ohne stundenlang telefoniert zu haben. Unser Chatverlauf sieht optisch dann aus wie ein Duett aus Opernsängerinnen.

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