[So, 26.4.2026 – Paris, Kreuzlinien, Nextcloud]

Ich tauschte ein paar Sprachnachrichten mit einem alten Freund aus. Vor drei Jahren zog er mit seinem Mann und deren Sohn aus beruflichen Gründen nach Paris, und obwohl er gerne länger dort bleiben möchte, wünschen sich Mann und der Sohn eine Rückkehr nach Berlin. Diesen Sommer werden sie zurückkehren und wieder ihre alte, geliebte Wohnung beziehen, die sie für die Zeit untervermietet hatten. Aus diesem Grund tauschten wir uns kurz über die Lage in Berlin aus und ich verfiel ziemlich schnell in eine negative Haltung, dass Berlin gerade irgendwie tot sei, keine Energie mehr habe, von der Progressivität nichts mehr übrig sei, alles irgendwie gelähmt sei, dass die Politik keine Vision für diese Stadt habe, dass die Vermüllung nicht abbricht, dass den Leuten ihre Stadt egal ist. Es folgte ein längerer Monolog, in dem ich mich ständig entschuldigte, dass ich nicht so negativ sein möchte. Wenn ich daran denke, wie Paris in den letzten Jahren radikal für Fußgänger und Radverkehr umgebaut und in Berlin vor drei Jahren alle diese Projekte gestoppt wurden. Und dann steigt nicht einmal Hertha mehr auf.

Er antwortete mir, dass er meine Beobachtungen teile, er bekäme zurzeit von vielen Menschen mit, die Berlin nach vielen Jahren wieder verließen. Später wollte ich meine Negativität etwas relativieren. Ich antwortete ihm, dass das ja immer ein Auf und Ab ist. In den Neunzigern war Berlin spannend, kurz vor den Nullerjahren ebbte alles wieder ab, zehn Jahre später war Berlin wieder ungemein progressiv, sodass die Stadt beliebter und sonniger war als der Rest der Welt. Paris verhielt sich dabei genau antizyklisch. In den Jahren, in denen Berlin progressiv war, war Paris ein langweiliges Puppenstübchen und umgekehrt. Wahrscheinlich blüht hier in zwei oder drei Jahren wieder alles auf. Ich weitete meine Negativität schließlich auf ganz Deutschland aus. Denn eigentlich liegt es gar nicht so sehr an Berlin. Berlin ist vielleicht noch der erträglichste Ort in dieser Republik. Vielleicht.

Dennoch freute ich mich, dass sie zurückkehren.

Den Rest des Tages verbrachte ich mit dem Bauprojekt Tages-WC. Dabei kam mein neues Kreuzlinien-Lasergerät zum Einsatz, das nicht so praktisch ist, wie ich gedacht hatte, aber sehr fotogen ist (siehe Foto). Der Beauty-Tempel ist nicht fertig geworden. Es fehlt noch viel Feinschliff. Währenddessen verfolgte ich die Hertha-Mitgliederversammlung im Ticker. Heute wurde der Aufsichtsrat neu gewählt. Gestern verloren wir in einem kläglichen Spiel gegen ein unterlegenes Holstein Kiel, das aus sehr wenig sehr viel machte, und zwar genug, um uns ein Tor zu schießen und selbst keines zu kassieren. Damit ist jetzt auch meine letzte Aufstiegshoffnung erloschen. In zwei Wochen werde ich noch zum Heimspiel gehen, danach bin ich in Schweden, damit ist die Saison für mich fast schon vorbei.

Seit zwei Tagen beschäftige ich mich intensiv mit Nextcloud und einer lokalen KI. Ich bin völlig überrascht, wie einfach es ist, ein lokales LLM zu betreiben. In meiner Firma bin ich verantwortlich für die sogenannte digitale Transformation. Dabei spielen digitale Souveränität und Datenschutz eine große Rolle. Das ist auch privat gerade mein großes Thema, und in diesem Zuge habe ich mich in Nextcloud eingearbeitet, was sich als kleiner, aber ungemein cooler und flexibler Microsoft-Ersatz einsetzen lässt. Jetzt habe ich sogar festgestellt, dass sich darin ein Chatbot befindet, den ich an beliebige KI-Modelle anbinden kann, sogar an eine lokal gehostete, also komplett ohne Suchanfragen in die USA betriebene KI. Das kostet für 1000 Mitarbeiterinnen alles ein bisschen Geld, aber im Grunde nicht mehr, als würde man Chatgepetto- oder Claude-Lizenzen kaufen. Das installierte ich heute alles lokal auf meinem Laptop und bin immer noch etwas ungläubig, wie schick und reibungslos das alles gelöst ist.

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