[Di, 28.4.2026 – Lesen, Bären]

Die Läufigkeit der Hündin erreichte heute einen ungekannten Höhepunkt. Sie schmeißt sich einfach vor allen Hunden hin. Rüden wie Weibchen, kastriert wie unkastriert. Total Berlinstyle, pansexuell und polyamourös. Es überrascht mich, wie sehr andere Weibchen auf eine läufige Hündin reagieren. Ein Mitarbeiter brachte heute seine Hündin mit, als diese an meinem Tier roch, begann sie zu sabbern. Ähnlich ging es gestern einem Rüden.

Nun. Wir müssen hier auch nicht ins Detail gehen.

Gestern war ich bei der Lesereihe Immer.Bärbel in Weißensee, auf der ich letzten November auch aus meiner Novelle las. Gestern stellte Moritz Klose sein Buch über Bären vor. Eigentlich ein Sachbuch, eine schöne Sammlung aus Infos und vielen Anekdoten von Zeltabenteuern in Alaska und Rumänien. Sein Hund war an dem Abend auch dabei. Jedes Mal, wenn das Publikum klatschte – und es klatschte wirklich oft –, sprang der Hund von der Bühne auf und rannte aufgeregt durch die Reihen im Publikum, um zu checken, was da gerade los war. Das war in Wirklichkeit lustiger, als es sich textlich erklären lässt. Vielleicht funktioniert das Bild besser, wenn man sich einen nervösen Vizsla (siehe Instalink) vorstellt, der wirkt, als wäre er vom Chef aus dem Schlaf gerissen worden und jetzt schnell etwas unkoordiniert und hektisch die Sicherheitslage inspiziert. Nah. Trifft es nicht wirklich besser.

Auf der Lesung traf ich eine Frau, die ich bei der Lesung im November auch schon gesprochen hatte. Wir arbeiteten vor etwa 15 Jahren zusammen bei Immobilienscout. Ich weiß nicht mehr, was sie da tat, aber ich kann mich an ihr Gesicht erinnern und daran, dass sie in der Kantine immer die Berliner Zeitung las. Nie den Tagesspiegel oder die Morgenpost, immer nur die Berliner Zeitung. Dabei war es damals schon nicht mehr üblich, eine Zeitung aus Papier zu lesen. Gestern war sie wieder da. Ich konnte mich aber nicht mehr erinnern, ob ich sie im November wirklich gesprochen hatte. Sie stellte sich neben mich und nach einer kurzen Weile grüßten wir uns. Ich fragte sie: Hatten wir im November über Immobilienscout gesprochen? Sie sagte: Ja. Danach fühlte ich mich erleichtert.

Nun. Bären. Ich weiß alles über Bären. Als Moritz das Publikum befragte, wie viele Bärenarten es gäbe, hob ich die Hand und sagte: vier. Das stimmte offenbar nicht. Die richtige Zahl wäre acht gewesen. Das wusste ein junger Mann hinter mir. Die meisten Menschen sagten irgendeine hohe Zahl, fünfundsiebzig oder fünfundvierzig, oder so. Das war alles falsch. Ich lag auch falsch, aber eben nicht ganz so falsch. Niemand wusste zum Glück, dass ich dachte, ich wüsste alles über Bären. Zugegebenermaßen liegt meine Kernkompetenz eher bei Eisbären. Aber Eisbären interessierten an dem Abend niemanden. Später stand ich mit einem Mann an der Bar, mit dem ich mich bereits am Anfang des Abends unterhalten hatte. Wir waren beide verwundert darüber, dass sich Braunbären hauptsächlich vegetarisch ernähren. Wie wir gerade gelernt hatten. Nur selten reißen sie mal ein Reh oder ein anderes Tier, um es zu verspeisen. Ich erzählte ihm davon, dass Eisbären Menschen bei lebendigem Leib verzehren. Also während man schreit und so. Wäre ich ein Eisbär, würde mich das nerven. Aber so sind die halt. Fressen dich so lange auf, bis du nicht mehr schreien kannst. Der Mann fand das anfangs noch ganz lustig, aber ich kam irgendwie nicht aus diesem schrägen Thema heraus, und so ließ er mich ziemlich abrupt alleine an der Bar stehen. Aber in der Bademeisterbar, wo die Lesung stattfand, schenken sie Bier von Eschenbräu ein. Es gibt wahrlich schlimmere Orte, um alleine an der Bar stehen gelassen zu werden.

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